Wittener Sportverein hält wenig von Führungszeugnissen

Kinder tanzen für Kinder im Saalbau: Der TuS Stockum hat viele junge Sportler in seinen Reihen, darunter auch Ballettgruppen
Kinder tanzen für Kinder im Saalbau: Der TuS Stockum hat viele junge Sportler in seinen Reihen, darunter auch Ballettgruppen
Foto: Fischer / WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Beim Schutz von Kindern vor Missbrauch will der TuS Stockum der Forderung der Stadt nach erweiterten Führungszeugnissen nur bedingt folgen.

Witten..  Zum Schutz von Kindern vor Missbrauch verlangt die Stadt seit kurzem von Sportvereinen die Vorlage erweiterter Führungszeugnisse der Mitarbeiter, die mindestens 14 sind und mit dem Nachwuchs zu tun haben. Der TuS Stockum will da nicht mitmachen und setzt stattdessen auf ein Schutzkonzept gegen sexuelle Gewalt.

Käme man der Forderung der Stadt nach, kritisiert Vereinschef Peter Ludwig, „wären beim TuS Stockum 250 Führungszeugnisse erforderlich“. Das sei nicht nur bürokratischer Irrsinn, sondern auch datenschutzrechtlich nicht haltbar. „Wer darf reingucken, wer nicht.“ In dem Schreiben wären persönliche Angaben enthalten, die ihn gar nichts angingen und für die Arbeit mit Kindern zum Teil nicht relevant seien.

Verlust von Ehrenamtlichen befürchtet

Der 63-Jährige befürchtet, dass sich Ehrenamtliche dann nicht mehr engagieren wollen. „Viele werden sagen: Ich mach das nicht mehr. Sieh doch zu, wie die Kinder zu dem Auswärtsspiel kommen.“ Man stelle langjährige Helfer, darunter viele Eltern, unter Generalverdacht, wenn man plötzlich von allen ein Zeugnis verlange.

Hintergrund des Streits mit der Stadt ist eine Vereinbarung zwischen dem EN-Kreis und den Jugendämtern, wonach die Städte auf Grundlage neuer gesetzlicher Regelungen für die Kontrolle der Mitarbeiter durch Führungszeugnisse sorgen müssen, dies aber auch den Vereinen auferlegen können. Dies tat die Stadt. Die Vereine sollten sich um die erweiterten Führungszeugnisse kümmern — oder es gebe keine städtischen Mittel mehr aus dem Jugendhilfefonds.

Fall beim ETSV sorgte vor Jahren für Aufsehen

Der TuS Stockum unterschrieb eine entsprechende Vereinbarung nicht. Zumal die Vorlage des Zeugnisses gar nichts bringe. „Die Mitarbeiterin, die 30 Jahre im Verein ist und keinen Brief hat, darf nicht mehr mit Kindern arbeiten, der Mitarbeiter, der sich Kinderpornos runterlädt und noch nicht verurteilt ist, aber sehr wohl“, kritisiert Vorsitzender Peter Ludwig.

Vor drei Jahren hatte ein Fall beim ETSV Witten für Aufsehen gesorgt: Ein 44-Jähriger hatte 15 Jahre als Mädchenbetreuer in der Tischtennisabteilung gearbeitet. Später stellte sich heraus, dass er wegen Besitz von Kinderpornos verurteilt wurde. Damit es erst gar nicht so weit kommt, will man beim TuS zwar von Übungsleitern und Vorständen ein Führungszeugnis verlangen, setzt aber vor allem auf ein neues Schutzkonzept. Das sieht etwa Schulungen von Mitarbeitern und Ansprechpartner zur „Erstunterstützung“ vor. Außerdem, so Ludwig, „wollen wir Kinder selbstbewusst machen, damit sie auch Nein sagen können“. Das sei viel mehr wert als ein Stück Papier.