Wittener Sonntagskind hatte einen Schutzengel

Dieses aktuelle Foto zeigt „Sonntagskind“ Sabrina heute mit ihrem zukünftigen Ehemann Ralf. Das kleine Foto zeigt die kleine Sabrina mit ihrer glücklichen Mutter Petra Bollmann, die die Geschichte aufgeschrieben hat.
Dieses aktuelle Foto zeigt „Sonntagskind“ Sabrina heute mit ihrem zukünftigen Ehemann Ralf. Das kleine Foto zeigt die kleine Sabrina mit ihrer glücklichen Mutter Petra Bollmann, die die Geschichte aufgeschrieben hat.
Foto: privat
Was wir bereits wissen
Geschichten, die zu Herzen gehen: Werdende Mutter fühlte sich im Krankenhaus im Stich gelassen, bis eine iranische Hebamme ihr zur Seite stand.

Witten..  Ich wurde an einem Dezembersonntag Ende der 1980er Jahre, hochschwanger, aber fünf Wochen zu früh, mit starken Blutungen ins Marien-Hospital Witten eingeliefert.

Es war 6 Uhr morgens. Der behandelnde Assistenzarzt untersuchte mich. Bei dieser Untersuchung war auch eine Hebamme iranischer Abstammung zugegen.

Die Hebamme, deren Namen ich leider nicht mehr weiß, sagte zum Arzt, es sehe ganz nach einem Placentaabriss aus. Die Placenta, auch „Mutterkuchen“ genannt, versorgt das Kind im Mutterleib mit Nahrung. Der Arzt äußerte sich zunächst nicht. Die Hebamme. Die im Iran eigentlich eine Ärztin war, bereitete mich auf eine Kaiserschnittoperation vor.

Kurz darauf kam der Arzt und teilte mir mit, dass er nicht beabsichtige, einen Kaiserschnitt vorzunehmen. Die Blutung sei fast gestoppt, das Kind könne auf normalem Weg irgendwann im Laufe des Tages kommen.

Für mich war die Versorgung meines Kindes im Mutterleib gefährdet, der Arzt ließ aber nicht mit sich reden. Ich geriet in Panik, bestand auf eine Entbindung per Operation, was mir verweigert wurde.

Ich hatte keinen vertrauten Menschen bei mir. Den Vater des Kindes konnte ich nicht erreichen, auch keine anderen Freunde oder Verwandte. Zu diesem Zeitpunkt hatte noch kein Mensch ein Handy.

Und ich befand mich noch in der Notaufnahme – dort hatte man kein Telefon zur Verfügung.

Ich fühlte mich einsam und verlassen und weinte…

Auf einmal stand die Hebamme neben mir. „Keine Sorge“ sagte sie, „ich habe heimlich die Oberärztin informiert, sie ist auf dem Weg hierher . . . alles wird gut!“

Und so war es: Kurz darauf erschien die Oberärztin und teilte mir mit, sie würde umgehend eine Kaiserschnittentbindung vornehmen.

Nach der Entbindung stellte sich heraus, dass wirklich höchste Gefahr für das Leben meines Kindes bestanden hatte. Meine Tochter Sabrina, die damals fünf Wochen zu früh als Frühchen das Licht der Welt erblickte, ist heute 25 Jahre alt, und es geht ihr gut. Sie und ihr Freund Ralf wollen bald heiraten.

Ich bin der Hebamme, die damals meine Notlage erkannt und mir geholfen hat, so unglaublich dankbar und ich hoffe, sie liest diesen Artikel.

Und ich glaube auch, dass jedes Sonntagskind einen besonderen Schutzengel hat!