Wittener servieren warme Speisen als Weihnachtsgeschenk

Beim traditionellen Weihnachtsessen der Ruhrtal Engel auf dem Rathausplatz: (v.l.) Carsten Hilgers, Bianca Schmidt, Andreas Günzel, Simone Rieger, Markus Freiburg und Angelika Lauenroth. Foto: Barbara Zabka
Beim traditionellen Weihnachtsessen der Ruhrtal Engel auf dem Rathausplatz: (v.l.) Carsten Hilgers, Bianca Schmidt, Andreas Günzel, Simone Rieger, Markus Freiburg und Angelika Lauenroth. Foto: Barbara Zabka
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Was wir bereits wissen
Die Ruhrtal Engel servierten ein kostenloses Mittagessen auf dem Rathausplatz. Öffentliche Feiern wie diese sind über die Stadtgrenzen hinaus bekannt.

Witten..  „Hier zu sitzen, kostenlos essen zu können und sogar bedient zu werden, das ist für mich Weihnachten.“ Maria (57) steht zwischen einem guten Dutzend Bierzelttischen mit weißen Papiertischtüchern und Plätzchentellern. Ehrenamtliche Helfer mit roten Nikolausmützen flitzen um sie herum, bringen den Gästen an den Tischen das Mittagessen. Beim bereits sechsten Weihnachtsessen der Ruhrtal Engel auf dem Rathausplatz scheint die Sonne. „Sogar das Wetter meint es gut mit uns.“

Ob an Heiligabend oder am zweiten Weihnachtsfeiertag – mehrere Veranstaltungen locken an den Festtagen zum gemütlichen Beisammensein. Es sind Treffpunkte für jedermann. Besonders beliebt sind sie aber gerade bei jenen, die Weihnachten sonst nicht in großer Gesellschaft, mit vielen Geschenktüten oder Festmahl feiern könnten. Und so sitzen auf dem Rathausplatz alle beisammen.

Nachnehmen erlaubt

Angelika Lauenroth und ihre drei Bekannten haben bereits aufgegessen und trinken noch einen Kaffee. Lecker war es: „Mein Gulasch war schön weich, der Blumenkohl dazu knackig. Genau wie es sein muss“, sagt die 58-Jährige. „Mit leckerer Sauce hollandaise“, fügt Markus Freiburg (42) hinzu. „Ich habe sogar nachnehmen dürfen.“ Die anderen am Tisch nicken. „Es ist wirklich schön hier.“ Zu viert haben sie sich verabredet. Sie sind Kollegen, haben sich durch eine Weiterbildungsmaßnahme und den Ein-Euro-Job kennengelernt. An den Weihnachtstagen laufen sie sich stets über den Weg. „Man trifft sich meistens schon an Heiligabend in St. Vinzenz“, sagt Angelika Lauenroth. Dort im Gemeindehaus wird öffentlich gefeiert, bei ebenfalls kostenloser Verpflegung.

Die Besucher der Weihnachtsessen kommen häufig sogar aus den Nachbarstädten nach Witten. „Wir werben dort bei den Tafeln“, sagt Hans-Peter Skotarzik, Vorsitzender der Ruhrtal Engel. 300 Portionen aus einer Großküche haben er und sein 30-köpfiges Team diesmal auf den Rathausplatz mitgebracht. Fexhrije Rama ist einer der fleißigen „Engel“. Am Stand im Zelt verteilt die 33-Jährige aus dem Kosovo kleine Tüten mit Schokolade, Plätzchen und Mandarinen. „Ich selbst bin aus einem Land gekommen, wo Krieg ist. Die Deutschen haben uns damals geholfen“, sagt sie. „Jetzt will ich etwas zurückgeben.“

Sich ehrenamtlich engagieren

Auch Elke Joswig will sich engagieren. Heute ist sie als Gast hier, um die anderen Ruhrtal Engel kennenzulernen. Aus der Zeitung und von Bekannten habe sie schon viel über den Verein erfahren. „Als ich gelesen habe, dass demnächst eine neue Filiale in der Innenstadt eröffnen wird, habe ich sofort gedacht: Das wäre etwas für mich“, erzählt die 66-Jährige. Ehrenamtlich Essen ausgeben und Kinder betreuen, das könnte sie sich gut vorstellen. Vorsitzender Hans-Peter Skotarzik will ihr im Anschluss gleich die neuen Räumlichkeiten zeigen.

Doch noch gilt es, einige Weihnachtsgäste zu versorgen. Die meisten aber sind schon zum gemütlichen Teil übergegangen und hören jetzt aufmerksam Horst Schröder alias „Graf Hotte“ zu, der am Mikrofon gefühlvoll „Hallelujah“ von Leonard Cohen anstimmt. Die Vierergruppe um Angelika Lauenroth ist begeistert – vor allem Musikliebhaber Carsten Hilgers (61). „Kommen Sie gleich auch noch zum Kaffeetrinken in die Christuskirche an der Sandstraße mit?“, fragt er und freut sich, „dort wird auch wieder etwas vorgeführt und gesungen“.