Wittener Schüler fühlen sich eher fit fürs Leben

Keine große Sache: Trotzdem müssen Jugendliche irgendwann lernen, wie man Geld abhebt. Ist das Sache der Schule oder der Eltern?
Keine große Sache: Trotzdem müssen Jugendliche irgendwann lernen, wie man Geld abhebt. Ist das Sache der Schule oder der Eltern?
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Schule bereite nicht auf den Alltag vor: Dieser Vorwurf im Internet wurde in der letzten Woche heftig diskutiert. Bürger sind geteilter Meinung.

Witten..  Jeden Morgen gehen die Jugendlichen zur Schule, sitzen im Unterricht und machen anschließend – hoffentlich – ihre Hausaufgaben. Trotzdem fühlen sich einige offenbar nach Ende der Schulzeit nicht auf das Leben vorbereitet. Läuft in unserem Schulsystem etwas falsch? Verfehlt die „Penne“ ihre Aufgabe? Oder ist für Alltägliches womöglich gar nicht die Schule zuständig? Was momentan überall diskutiert wird, können Wittener Schüler nur bedingt nachvollziehen: „In der Schule lernen wir wichtige Grundlagen, wie das Verstehen von Texten“, meint etwa Tabea (15).

Auslöser für die Diskussion war ein Beitrag der Kölnerin Naina. Letzte Woche schrieb sie im Internet auf dem Kurznachrichtendienst Twitter: „Ich bin fast 18 und habe keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann ‘ne Gedichtanalyse schreiben. In vier Sprachen.“ Dieses Statement schlug Wellen, Jugendliche und Politiker äußerten sich – teils verständnisvoll.

Etwas anders sieht dies die angehende Abiturientin Mia Müller: „Die Schule muss mich auf das Studium vorbereiten und mir beibringen, wie ich mit Problemen umgehe – aber nicht die praktische Anwendung“, sagt die 17-Jährige. Etwas Kritik äußert hingegen Aline: Die Gymnasiastin sollte für ein Praktikum Bewerbungen schreiben, Unterstützung bekam sie dabei nicht. „Die Lehrer hatten wohl keine Lust, also mussten wir uns selber im Internet informieren“, sagt die 16-Jährige.

Aus Fehlern lernt man

Ist damit nicht schon fast der Schulauftrag erfüllt? „Jemand, der ein Gedicht analysieren kann, der kann sich auch erarbeiten, wie man Probleme löst“, sagt Heiko Miele (33), Lehrer des Schiller-Gymnasiums, in Bezug auf den Kölner Twitter-Beitrag. Er fordert von den Jugendlichen eigenverantwortliches Handeln, spricht ihnen aber auch Mut zu: „Auch ich habe immer mal wieder Fehler gemacht, zum Beispiel mal eine Versicherung zu viel abgeschlossen. Aus sowas lernt man aber – man kann mit 18 einfach noch keine Ahnung von allem haben“, sagt der Pädagoge. Kollege Christian König (65), stellvertretender Schulleiter der Hardenstein-Gesamtschule, glaubt, dass die Schule im Großen und Ganzen auf das Leben vorbereitet – auch wenn man „immer etwas optimieren“ könne.

Ob Schüler nach der Schule tatsächlich fit für den Alltag sind oder nicht, hängt wohl vom Einzelfall ab. „Auch vom Engagement des einzelnen Lehrers“, sagt Johannes Bungenstab (20), der das Abi an der Waldorfschule machte und jetzt in Witten studiert.

Obwohl die Jugendlichen insgesamt mit ihren Schulen zufrieden sind, haben sie doch noch einen Vorschlag parat: Pflichtfächer wie Musik, Kunst oder Religion, könne man komplett zu Wahlfächern machen, schlägt Gereon (16) vor. „Stattdessen mehr Kompetenzunterricht mit Praxisbezug anbieten“, fordert Florian (15).

Naina aus Köln hat ihren Twitter-Account vorerst gesperrt – weil sie neben positivem Feedback auch zahlreiche Hass-Nachrichten über sich ergehen lassen musste.