Wittener schleuste Flüchtlinge ein – Bewährung

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Was wir bereits wissen
Ein Wittener ist zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden, weil er mit einem Komplizen Flüchtlinge illegal nach Deutschland schleuste.

Witten.. Mal schleuste er selbst Ausländer nach Deutschland ein, mal beauftragte er andere dafür: Am Mittwoch ist ein Wittener dafür zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt worden, ein Komplize zu sechs Monaten auf Bewährung. Ein Dritter wurde freigesprochen.

Der Haupttäter hatte hohe Schulden, ein Angebot von einer im arabischen Raum tätigen Schleuserbande kam ihm da nicht ungelegen: Hilflose Syrer, die es nach Europa geschafft haben, aus Spanien beziehungsweise Österreich weiter zu schleusen, nämlich nach Deutschland. Dafür sollte er tausend Euro pro Flüchtling bekommen. Trotz deutlich mehr „Arbeit“ will er insgesamt nur 3000 Euro bekommen haben.

2000 Kilometer nach Madrid

Im Mai 2012 wurde der 40-Jährige zum ersten Mal tätig und fuhr mit einem Bekannten (42) die knapp 2000 Kilometer nach Madrid, wo ein Ehepaar mit seinem elf Monate alten Kind wartete. Die beiden Männer schafften es, die Kriegsflüchtlinge bis nach Hannover zu bringen ohne aufzufliegen. Die Tat konnte den Schleusern erst später dank Telefonauswertungen nachgewiesen werden.

In einem weiteren Fall soll nur der Haupttäter aus Witten nach Spanien gefahren sein. Dort hatte er zwei Ausländer über die Grenze geschafft, konnte aber nahe Magdeburg von der Polizei gestoppt werden. Dass auch sein Komplize aus ersterem Fall, ein Mann aus Duisburg, bei der Fahrt dabei war, konnte nicht nachgewiesen werden. Wohl aber eine dritte Fahrt nach Wien, wo der Duisburger mit dem dritten Angeklagten, einem sechsfachen Familienvater (35), drei Syrer abholen sollte. Dazu wurden sie vom Wittener angestiftet.

„Es gab Geld für Essen und Trinken“

Der 35-Jährige wurde trotz seines „Österreich-Trips“ freigesprochen, weil er – so beteuerte er es – nichts vom eigentlichen Ansinnen der Fahrt gewusst habe. „Es gab Tankgeld und Geld für Essen und Trinken. Da dachte ich: Das mache ich.“ Er habe an eine Spritztour gedacht, um Leute für eine Hochzeit aus Wien nach Deutschland zu bringen. Dass es anders war, merkte er erst später: Kaum ging es wieder Richtung Grenze, hörten er und sein Kollege Blaulicht – die Polizei hatte Wind von der Schleusertätigkeit bekommen. „Ich sah nur Waffen. Ich habe gezittert“, schildert der angeblich unwissende 35-Jährige.

Für eine vierte Anklage wurde der Wittener freigesprochen. Er war im Februar bei einer Kontrolle mit seiner Lebensgefährtin, deren Bruder und seinem Cousin erwischt worden. Die drei wurden illegal nach Deutschland geschafft. Der 40-Jährige will sie erst an einem Rastplatz in Deutschland abgeholt haben. Sie über die Grenze geschafft zu haben, war ihm nach Auswertung des Navigationsgerätes nicht zu beweisen.