Wittener schalten eine Stunde lang das Licht aus

Im „La Havana“ saßen die jungen Gäste gegen 20.30 Uhr eine Weile bei Kerzenlicht zusammen und fanden: „Es geht auch ohne Strom.“
Im „La Havana“ saßen die jungen Gäste gegen 20.30 Uhr eine Weile bei Kerzenlicht zusammen und fanden: „Es geht auch ohne Strom.“
Foto: Barbara Zabka
Was wir bereits wissen
Viele Bürger finden die Idee der „Earth Hour“ gut und setzten am Samstagabend ein Zeichen für den Klimaschutz.

Witten..  Für genau 60 Minuten wurde in Witten und auf der ganzen Welt das Licht ausgeknipst. Symbolisch natürlich. Die Ruhrstadt beteiligte sich erstmalig an der weltweiten Gemeinschaftsaktion Earth Hour - Stunde der Erde. Pünktlich um 20.30 Uhr erloschen die blauen Fenster im Rathaus. Auch der Helenenturm hüllte sich dann in dunkles Schweigen.

Straßenbeleuchtung muss sein

Doch das erleuchtete Treiben auf den Straßen nahm keine Notiz davon. Denn ohne Straßenbeleuchtung geht es eben nicht. Und die Nachricht von der globalen Dunkelstunde hatte nach der Flugzeugkatastrophe in Frankreich keine große Bedeutung mehr.

Doch ganz ist der Appell an den Wittener Bürgern nicht vorbeigegangen. Detlev (59) und Sigrid Drübbisch (60) finden die Idee gut. „Wir werden daheim sein und mitmachen. Licht ausschalten und Strom sparen“, betont Sigrid Drübbisch. „Unser ökologischer Fußabdruck ist so groß, dass wir endlich mal ein Zeichen zum Nachdenken setzen müssen.“

Familie Landgraf ist um kurz vor acht noch mit Einkäufen beschäftigt. Sie haben von der weltweiten Verdunkelungsaktion bislang nichts gehört, finden die Idee allerdings gut, auch wenn es in ihren Augen nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist. „Wir würden mitmachen, aber gleich müssen unsere Kinder Jason und Lina ins Bett. Das können wir nicht ohne Licht bewerkstelligen“, so Mama Sandra (24). Papa Sven Landgraf (23) findet, dass jeder Bürger gegen den Klimawandel tagtäglich Zeichen setzen könne. „Man muss nicht für jeden kurzen Weg das Auto nehmen. Unsere Kinder werden dafür dankbar sein.“

Energie sparen ist gut für die Welt

Murat (40) und Efe (9) Karaca wissen genau Bescheid. „Energie sparen ist gut für die Welt und für die Menschen. Wenn wir gleich daheim sind, machen wir die Kerzen an und das Licht aus“, so Vater Murat. Sohn Efe ergänzt: „Und das Fernsehen lassen wir auch aus. Dann sind wir auf einer Wellenlänge mit vielen anderen Menschen.“

Die Familie Karatoprak ist in Eile. Gerade haben sie von dieser globalen Aktion im Radio gehört. „Da machen wir mit. Schließlich geht es dabei um die ganze Welt. Wenn wir nach Hause kommen, machen wir kein Licht an“, so die spontane Entscheidung von Mutter Arzu (40). Die Kinder Ceyda (12), Korhan (8) und Ceylin (2) sind ganz begeistert. „Dann machst du die Kerzen und Papa den Kamin an. Und einer von euch beiden liest uns etwas vor“, meint Korhan keck.

Viele Menschen haben von der Earth Hour gehört, aber es wieder vergessen. Jonas (23) und Laura (23) beispielsweise. Grundsätzlich finden beide die Idee gut. „Aber ohne Straßenbeleuchtung geht es nicht. Und Krankenhäuser und Stahlwerke brauchen stündlich ihren Strom.“

Sabiha Özbas-Ayder (43) hat in ihrem Lokal „La Havana“ im Johannisviertel für kurze Zeit das Licht ausgeschaltet. Ihre Gäste fanden das Kerzenlicht toll. „Es geht auch ohne Strom. Das ist ein richtiger Kick fürs Bewusstsein. Wir haben nachgedacht und über die globale Erwärmung gesprochen“, erklärt Marvin (25). „Es war für uns alle eine positive und wertvolle Erfahrung.“