Wittener sammelt alles über die Stadtgeschichte

Wolfgang Lukas mit zwei seiner ältesten Schätze: einem über 100 Jahre alten Glas und der Müllensiefen-Chronik.
Wolfgang Lukas mit zwei seiner ältesten Schätze: einem über 100 Jahre alten Glas und der Müllensiefen-Chronik.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Wolfgang Lukas sammelt alles von und über Witten. Mit seinen kostbaren Schätzen könnte man locker ein ganzes Heimatmuseum füllen.

Witten..  Da könnte so mancher Heimatverein neidisch werden: Mit dem, was Wolfgang Lukas alles von und über Witten gesammelt hat, ließen sich ganze Museen füllen. Doch bis jetzt füllt es nur seinen Keller – den allerdings vom Boden bis zur Decke.

Sehr zum Leidwesen von Lukas’ Ehefrau Anne. „Ach, ich würde hier so gerne ein Katzenzimmer einrichten – das wäre ideal“, sagt die engagierte Tierschützerin. Indes: Daraus wird nichts. Denn Wolfgang kann sich von keinem einzigen Stück trennen – und um alles schön zu präsentieren, braucht er schließlich mehr Platz. Und nicht weniger.

Überall Bilder von Bodenhausen

Schon der Treppenabgang weist den Besucher darauf hin, was ihn unten erwartet: Bilder über Bilder von Witten. Mal in Öl, mal als Aquarell, oder fröhlich bunt: Zig Originale des Wittener Malers Helmut Bodenhausen hängen an den Wänden, Lukas war eng mit ihm befreundet. Im Büro hängt, liegt und steht dann die Sammlung selbst. Zumindest: ein Teil davon. „Nebenan und auf dem Dachboden ist noch mehr.“

Dabei fing es in den 70er-Jahren ganz harmlos an. Mit ein paar Ansichtskarten aus der Stadt. Dann kamen die ersten Jubiläums-Schriften von Firmen. „Darin wird Stadtgeschichte sehr detailliert geschildert und auf den Punkt gebracht“, erklärt Lukas seine Leidenschaft. Was Menschen geschaffen haben, wie sich die Stadt verändert – das ist es, was ihn interessiert. Werk für Werk hat der heute 66-Jährige damals abgeklappert, um die Schriften zu bekommen, dafür jede Menge Urlaubstage geopfert. Es hat sich gelohnt: Seltene Schriften kann er zeigen. Originale, die es so nicht noch einmal in Witten gibt: die Chronik der Glasfabrik Müllensiefen von 1925 etwa, oder die zum 150-Jährigen von Lohmann aus dem Jahr 1940, schick aufgemacht, im edlen Schuber: „So was Schönes finden sie doch heute gar nicht mehr.“

Das Parlophon läuft noch

Nach den Schriften kamen die Bücher, die Schnäpse, die Gläser, die Teller, die Becher, die Puzzle, die Schallplatten . . . man ahnt ja gar nicht, was es alles von Witten gibt, oder besser: gab. Das Parlophon – ein Tisch-Grammophon in Holztruhe – von der Firma Mammitzsch wird schon lange nicht mehr hergestellt. Aber: Es spielt noch. (Dass Lukas auch noch zig Schellack-Platten hat, wundert nicht wirklich.)

Aber es gibt tatsächlich noch etwas, was der Sammler nicht hat: „Eine Bierflasche von einer der alten Brauereien aus der Stadt, die hätte ich wirklich gern“, sagt er. Ach ja: Und das Buch mit dem Witten-Panorama von Friedrich Goebel. „Bei Lohmann hab ich es in der Hand gehabt.“ Doch was am meisten fehlt, ist Zeit: Sortieren, sichten, aufarbeiten. „Irgendwann mache ich noch eine Ausstellung.“