Wittener Rat macht endgültig Weg für Edeka in Herbede frei

Schöne neue Einkaufswelt: So sieht ein Entwurf den neuen Edeka in Herbede –  unten Markt, oben weitere Dienstleistungen.Plan:Architekturbüro Regina Bieber AKNW
Schöne neue Einkaufswelt: So sieht ein Entwurf den neuen Edeka in Herbede – unten Markt, oben weitere Dienstleistungen.Plan:Architekturbüro Regina Bieber AKNW
Was wir bereits wissen
Der Rat hat mit dem Bebauungsplan „Gerberstraße“ das Signal für einen XXL-Edeka in Herbede endgültig auf Grün gestellt. Es gibt aber weiter Kritik.

Witten..  Die Weichen sind längst gestellt, das Projekt ist nicht mehr zu stoppen. Dennoch arbeiteten sich die Gegner des geplanten neuen Edeka-Marktes im Herbeder Gerberviertel noch einmal im Rat an dem umstrittenen Vorhaben ab.

Klaus Riepe vom Bürgerforum eröffnete den Rede-Reigen der Kritiker. Er warnte vor einer „explosionsartigen“ Vergrößerung der Verkaufsflächen. Aktuell stünden 1600 Quadratmeter für Edeka und 1200 für Netto vor der Umsetzung. Käme noch Aldi zum Zuge, gebe es einen Anstieg der Flächen für großflächigen Einzelhandel auf 4000 Quadratmeter, so Riepe. Verglichen mit 2008 sei dies ein Plus von fast 1900 Quadratmeter im Jahr 2008, als ein Moratorium beschlossen worden sei, das eine solchen Ausweitung zunächst verhinderte.

„Wind hat sich gedreht“

Inzwischen habe sich der Wind aber gedreht, meinte Arnulf Rybicki von der CDU. Mit Blick auf neue Märkte in anderen Stadtteilen stünden inzwischen selbst die Gewerbetreibenden den geplanten Projekten positiv gegenüber. Darin werde eine Chance für mehr Kundenzulauf in Herbede gesehen. „Davon profitiert auch die Meesmannstraße“, so Rybicki.

Die Gegner dagegen fürchten, dass der alte Ortskern an der Meesmannstraße unter dem neuen Edeka auf der anderen Seite der Wittener Straße leiden wird. Die Auswirkungen würden verharmlost, meinte Klaus Riepe, der Politik und Verwaltung eine „falsche Zentrumsabtrennung“ vorhielt.

„Gestalten statt verweigern“

Das sieht Uwe Rath (SPD) ganz anders. Die Wittener Straße sei keine „Demarkationslinie“. Und die Meesmannstraße habe aus sich heraus die Chance, sich weiterzuentwickeln. Rath fragte: „Was wünschen die Bürger?“ Stadtentwicklung bedeute Gestaltungswillen, nicht Verweigerung. „Herbede gehört auf die Überholspur, nicht aufs Abstellgleis.“ Verschwörungstheorien erteilte er eine Absage.

Das dürfte an die Adresse von Oliver Kalusch von der Linkspartei gehen. Er hatte stark die Rolle von Edeka beziehungsweise des Projektplaners kritisiert. Ein Stadtteil werde in die „Verfügungsgewalt“ eines Investors gegeben. Kalusch: „Wickmann geht an Schöpke, Edeka nimmt sich Herbede.“

„Edeka nimmt sich Herbede“

Alles sei auf den Lebensmittelkonzern hinausgelaufen. Der Linke-Politiker bemängelte eine „nicht demokratische Stadtentwicklung“, die von Edeka herbeigeführt worden sei. Außerdem geißelte er das „Überversorgungsdilemma“ als Konsequenz aus der geplanten Erweiterung von Edeka und Netto. Wenn es stimme, dass der alte Edeka ein Magnetbetrieb für die Meesmannstraße gewesen sei, so Kalusch, dann werde mit dem Neubau nun Kaufkraft abgezogen. Ein wesentlicher Teil Herbedes werde veröden.

Roland Löpke von den Piraten brach einmal mehr eine Lanze für den geplanten XXL-Supermarkt im Gerberviertel. „Ich bin mit meinem jetzigen Edeka nicht zufrieden“, sagte er. Und warnte: Herbede werde abgehängt, wenn sich die Ladenlokale nicht zeitgemäß entwickelten. Löpke: „Wir müssen die großen Gewerbetreibenden entscheiden lassen, wo sie Gewinn machen können. Ich will nur vernünftig einkaufen.“