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Wittener Politik nimmt Uni wegen Gastredner in die Mangel

26.10.2015 | 16:57 Uhr
Wittener Politik nimmt Uni wegen Gastredner in die Mangel
Im März wude vor dem Saalbau gegen den „Alternativen Wissenskongress“ protestiert. Die Demonstranten kritisierten, Witten habe Verschwörungstheoretikern und Rechtspopulisten eine Bühne geboten.Foto: Fischer

Witten.  Nach dem Protest gegen den „Alternativen Wissenskongress“ im März hagelt es nun wieder Kritik an einem vermeintlichen „Verschwörungstheoretiker“.

Die Universität Witten/Herdecke gerät wegen ihrer Einladung des Schweizer Historikers Dr. Daniele Ganser unter Druck. Ganser gilt bei Kritikern als „Verschwörungstheoretiker“.

SPD, Grüne, Jusos, Grüne Jugend, Antifa und das soziokulturelle Zentrum „Trotz Allem“ (alle aus Witten) sowie die NRW-Piraten sprechen sich in einem Offenen Brief für die Ausladung des umstrittenen Wissenschaftlers aus, der bereits auf Diskussionsveranstaltungen von Rechtspopulisten sprach.

Der 43-Jährige soll am Donnerstag (29.10.) einen öffentlichen Vortrag zum Thema „Fakten, Meinungen, Propaganda – Wie mache ich mir selbst ein Bild?“ halten. Während die Uni die „Wahrheitseffekte medialer Bilder diskutieren“ will, zeigt sich das Anti-Ganser-Bündnis entsetzt. „In der seriösen akademischen Welt ist es unbestrittener Konsens, dass nicht jeder kruden These unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit ein Forum gegeben wird“, heißt es in dem Brief. Die Uni schaffe einen Nährboden für ähnlich weltfremde Äußerungen wie die der Pegida-Bewegung. Sie solle sich von Gansers Thesen distanzieren.

„Streitgespräch“ mit Nazi geführt

Der Schweizer war schon auf der „Anti-Zensur-Koalition“ aufgetreten, auf dem auch Holocaust-Leugner zu Wort gekommen sein sollen. Außerdem hatte er ein „Streitgespräch“ mit einem Nazi geführt – auf Einladung des Rechtspopulisten Jürgen Elsässer, der beim ebenfalls umstrittenen „Alternativen Wissenskongress“ im März im Saalbau Redner war. Gegen den „Kongress“ hatte seinerzeit das „Bündnis gegen Verschwörungswahn“ demonstriert, das auch jetzt wieder zum Protest aufruft.

Der Historiker ist ein guter Redner mit einfachen Formeln. Er erweckt den Eindruck, der Westen führe Kriege gegen Muslime, weil sie die Ölvorräte kontrollierten, die Presse zensiere Berichte und schaffe ein Bild von den „guten“ USA und den „bösen“ Russen. Jugendlichen empfiehlt er, zu googlen statt Tagesschau zu schauen.

Er befeuere Diffamierungen wie „Lügenpresse“

Ganser befeuere die „Lügenpresse“-Diffamierungen, die man von „Pegida“-Demos kennt, kritisiert Pirat Stefan Borggraefe. Der Schweizer würde in seinen Schlussfolgerungen „bewusst Informationen weglassen“ und so in die Irre führen. Er treibe sich mit Jürgen Elsässer herum, dem „Frontmann der Neuen Rechten“.

Der so gescholtene Gastredner rechtfertigt sich. Auf der „Anti-Zensur-Koalition“ sei er eingeladen worden, habe aber nicht gewusst, „dass dort zuvor Holocaust-Leugner gesprochen haben“. Er betont: Von Antisemitismus und Holocaust-Leugnung „distanziere ich mich ganz klar“. Uni-Sprecherin Gabriele Molitor erklärt, es sei bekannt gewesen, dass Ganser „kritisch gesehen“ wird.

Uni steht zu der Einladung

Die Uni sei ein Ort, so Monitor, an dem jede (gewaltfreie) Meinung vertreten, „argumentativ vorgetragen und kritisch diskutiert“ werden dürfe. Ratsherr Stefan Borggraefe bleibt bei seiner Kritik: „Wenn Herr Ganser an einer Uni sprechen kann, fördert das seine Reputation. Die Uni setzt mit dem Vortrag ihren guten Ruf aufs Spiel.“

Dennis Sohner

Kommentare
30.10.2015
10:27
Wittener Politik nimmt Uni wegen Gastredner in die Mangel
von peter.friede | #21

Eine solche manipulierende und zudem verdummende Ausdrucksweise findet man sonst eigentlich nur bei mental sehr eingeschränkten Personenkreisen links,...
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1 Antwort
Wittener Politik nimmt Uni wegen Gastredner in die Mangel
von peter.friede | #21-1

Wer so unsachlich und ohne inhaltliche Belege und Zitate jemanden diffamiert, der sollte sich die Frage stellen wessen geistiges Kind er ist.

Ich wiederhole mich gerne mit der Frage, wer sind konkret die Unterzeichner dieses offenen Briefes, wer hat diesen Brief verfasst und wer fühlt sich hierbei vor den Kopf gestoßen, weil er offensichtlich nicht gefragt worden ist, wie seine Organisation hier populistischste Meinungsmache betreibt.

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Wittener Politik nimmt Uni wegen Gastredner in die Mangel
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2015-10-26 16:57
Witten