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Wittener Ordensfrau ist glücklich in Gebet und Arbeit

11.02.2016 | 17:57 Uhr
Wittener Ordensfrau ist glücklich in Gebet und Arbeit
Hoch über dem Borbachtal liegt das Karmelitinnen-Kloster „Auf der Klippe“.Foto: Hans Blossey

Witten.   Die Karmelitinnen leben mitten in Witten in selbstgewählter Abgeschiedenheit, ohne dabei einsam zu sein. Schwester Anna Maria erzählt von ihrem Alltag

Für manch einen mag fünf Uhr früh mitten in der Nacht erscheinen. Für Schwester Anna Maria zählt diese Zeit zu ihrem wachen Alltag.

Dann steht sie auf, um ihn kurz darauf mit einem Morgenlob in der Kirche zu beginnen. Viele Stunden später, gegen 23 Uhr, findet sie schließlich wieder in den Schlaf. Die Zeit dazwischen ist von einer Mischung aus Gebet und Arbeit geprägt. Seit 36 Jahren. Nur Sonntags findet die 58-Jährige ein wenig Entspannung und Ausgleich.

Schwester Anna Maria lebt als Nonne und Priorin im Karmelitinnenkloster. Das eindrucksvolle Gebäude thront im wahrsten Sinne des Wortes: Auf der Klippe im Ardey, hoch über dem Borbachtal. Seit sie mit 22 Jahren ins Kloster eintrat, ist es das Zuhause der Ordensschwester: „Das war meine Sehnsucht, ich wusste, dass das mein Platz ist“, sagt sie lächelnd. Das frühe Aufstehen fällt Schwester Anna Maria nicht schwer.

Sie hat die frühen Morgenstunden sogar besonders lieben gelernt: „So früh, wenn alles noch ganz still ist, gibt es eine dichte Atmosphäre, da kann man gut beten“, sagt sie. Ihre Tage sind geprägt von einer engen Struktur. Die sieben Gebetzeiten, während denen sich die zwölf im Kloster lebenden Nonnen zusammenfinden, bilden das Gerüst.

Ordensfrauen leben wie eine große Familie zusammen

Drumherum wird gearbeitet, noch vor dem Frühstück die heilige Messe gefeiert, gegessen, gesungen oder es gibt geistliche Lesungen. „Dieser Rhythmus und die bescheidene Lebensführung dienen dazu, in der Kirche fürbittend und stellvertretend vor Gott zu stehen und so den Menschen in ihren Nöten helfend nahe zu sein“, heißt es in einem Flyer.

„Wir haben ja keine Aufgaben, die nach außen gerichtet sind“, erzählt die in Kasachstan geborene Deutschrussin, die 1979, zwei Jahre bevor sie ins Kloster eintrat, mit ihrer Familie nach Deutschland kam. „Viel Zeit widmen wir auch dem, was so tagtäglich auf uns zu kommt. Also dem Haushalt.“ Dabei hat jede der zwölf Ordensfrauen, die wie Anna Maria sagt, wie eine große Familie zusammenleben – ihre eigene Aufgabe: in der Hostienbäckerei, der Imkerei, der Kerzenwerkstatt, der Küche oder im Garten. Schwester Anna Marias Aufgabe besteht vor allem darin, die Kranken in ihrer „Familie“ zu versorgen, sie zum Arzt zu bringen oder im Krankenhaus zu besuchen. „Das ist so mein Ding“, sagt sie dazu. Danke

Und trotz der Weisung, in Abgeschiedenheit zu leben, ist das Kloster im mehrfacher Hinsicht keine Einsiedelei. Das Kloster ist durch Sonntagmessen und den Verkauf der Produkte ohnehin offen für Besucher. Und Schwester Anna Maria ist als Priorin, also Leiterin des Klosters, auch für die Verbindung nach außen zuständig.

Zur Entspannung spazieren gehen, lesen oder Flöte spielen

In den Abendstunden, wenn um 20 Uhr das nächtliche Chorgebet den liturgischen Tag abgeschlossen hat und sie danach die Kranken für die Nacht versorgt hat, setzt sie sich an ihren Schreibtisch, um Emails zu beantworten, Anfragen zu bearbeiten und vor allem die Gebetsanliegen aufzunehmen. Häufig hört sie später noch einmal nach, was aus den Anliegen geworden ist. Zeit für Entspannung und Zerstreuung bleibt ihr nur sonntags: Dann sitzt sie mit einem Buch im Klostergarten, geht im nahen Wald spazieren, macht Gymnastik oder spielt Flöte. Manchmal bekommt sie Besuch von der Familie oder Freunden.

Wenn sie schließlich in ihrer schlicht eingerichteten Zelle zu Bett geht, blickt sie trotz des durch die volle Konzentration, innere Zentriertheit und straffen Ablauf anstrengenden Tages voller Zufriedenheit darauf zurück. „In Abgeschiedenheit leben“, sagt sie, „für Gott und für die Menschen. Das macht mir Freude und mein Leben sinnvoll. Ich bin hier glücklich.“

Kristina Gerstenmaier

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2016-02-11 17:57
Witten