Wittener Muttenthalbahn ist wieder unterwegs

Saisonauftakt: Bei Sonnenschein genossen die Besucher am Ostersonntag die Fahrt mit der Feldbahn vom Parkplatz zur Wittener Zeche Nachtigall. Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services
Saisonauftakt: Bei Sonnenschein genossen die Besucher am Ostersonntag die Fahrt mit der Feldbahn vom Parkplatz zur Wittener Zeche Nachtigall. Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services
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Was wir bereits wissen
Endlich bummelt sie wieder durch das Tal. Seit Ostern bringt die Muttenthalbahn Gäste wieder zur Zeche Nachtigall. Zeche Theresia besitzt 90 Loks.

Witten..  Pfeifend kommt die Feldbahn auf das Gelände der Zeche Theresia geruckelt. Es ist Saisoneröffnung bei den kleinen Bähnchen im Muttental. Für Eltern und Kinder sind die schmalen Züge jedesmal ein Erlebnis. Die Geschichte der Feldbahnen wird im kleinen Museum neben an erzählt. Was nur wenige wissen: Im Muttental selbst, wurde aber nie eine Feldbahn eingesetz.

„Sowas kann man doch nur ganz selten sehen“, sagt Tjabe fasziniert. Der Elfjährige steht vor einer großen blauen Lok. „Die ist bestimmt schon ganz schön alt“, vermutet der Adolf-Reichwein-Realschüler. Tatsächlich: Das kleine Informationsschild datiert das Baujahr der schweren Diesellok auf 1939. „Dass wir so etwas in Witten haben, ist klasse“, findet Tjabe. Mit seinen Eltern und seiner Schwester Janice (9) kommt er mehrmals im Jahr zum Bahnfahren.

Zeche Theresia sei immer einen Ausflug wert, weiß Papa Thilo Ristau. Er möchte seinen Kindern auch die Geschichte der Heimat nahebringen – da gehören die Feld- und Grubenbahnen dazu. Obwohl die Bahnen an fast 25 Terminen im Jahr zwischen Wanderparkplatz Nachtigallstraße und dem alten Zigeleigelände Nachtigall pendeln, gab es die Bahnen historisch gar nicht im Muttental: „Auf der Strecke bis Rauendahl waren nur Pferdeeisenbahnen unterwegs“, weiß ein Museumsmitarbeiter.

Nicht alle Loks und Waggons sind einsatzbereit

Dennoch stehen heute unterhalb von Schloss Steinhausen 90 Lokomotiven und fast 200 Waggons. Davon sind bei weitem nicht alle einsatzbereit: Der Aufwand und vor allem die Kosten seien zu hoch, um alle Bahnen zu restaurieren, sagt Hanns-Jörg Frank. Der Vorsitzende des Vereins Arbeitsgemeinschaft Muttenthalbahn zeigt stolz seine neue „Errungenschaft“ – eine Feldbahn in Öl auf großer Leinwand. Bald wird dieses Bild in den Ausstellungsräumen der Zeche hängen.

Dort findet sich auch ein alter Bestellkatalog, aus dem sich früher Unternehmer ihre ganz individuelle Bahn zusammenbestellten. Aus dem Fenster schaut man über die Bahnen. Lok Julia fuhr einst für die Bundeswehr, „Lok 43“ war einst mit Torf unterwegs. Auch diese Vielseitigkeit der Bähnchen wird im Museum deutlich.

Bahn leidet unter einem chronischen Geldmangel

Museum und Bahnbetrieb könnten bedroht sein: Die Muttenthalbahn leidet chronisch unter Geldmangel. In diesem Jahr fällt mit dem Oldtimertreffen im August auch noch eine wichtige Einnahmequelle weg.

Den Kindern in der Feldbahn ist das relativ egal: „Das Mitfahren macht richtig Spaß“, sagen Clarissa (9) und Paulina (6). Vater Ralf-Edmund Stranzenbach (50) knipst aus der fahrenden Bahn heraus die Landschaft. Zum Abschied bekommen die Mädchen einen Ostergruß vom Schaffner – so gefällt es den Gästen bei Zeche Theresia.