Wittener Museum soll Kunstwerke verkaufen

Aktion „Kunstpaten" im Märkischen Museum, hier vor einem Werk von Fred Thieler.
Aktion „Kunstpaten" im Märkischen Museum, hier vor einem Werk von Fred Thieler.
Foto: Winfried Labus / FotoPool
Was wir bereits wissen
Die Grünen regen an, den Wert der zehn kostbarsten Gemälde ermitteln zu lassen, um später das Haushaltsloch zu stopfen. Die Kunstszene ist empört.

Witten.. Was die Spielbank NRW kann, die jüngst zwei Warhol-Bilder verkaufte, kann Witten schon lange: Das dachten sich wohl die Grünen, als sie den Antrag stellten, „den Marktwert der zehn vermutlich wertvollsten Gemälde im Bestand des Märkischen Museums zu ermitteln“. Mit dem Verkauf einzelner Bilder, so der Gedanke, könnten Löcher im Etat gestopft werden. Mit Bestürzung reagiert die Wittener Kunstszene auf diesen Vorschlag.

In einem Offenen Brief an die Bürgermeisterin finden die Beteiligten deutliche Worte. „Aus dieser Gesamtschau deutscher und internationaler Kunst ein wichtiges Stück herauszureißen, würde die Sammlung insgesamt ihrer historischen Kontinuität, Logik und Reihenfolge berauben und somit ihren spezifischen Charakter zerstören“, heißt es in dem Schreiben. Und: „Grundsätzlich eignen sich Gemäldeverkäufe überhaupt nicht zur Sanierung öffentlicher Haushalte.“ Bereits 2007 wollte die Stadt Bilder des Museums zur Finanzierung des Wissenszentrums verkaufen.

„Die Idee entstand bei unserer Haushaltsklausur im September“, erklärt Paul Wood, der für Bündnis 90/Die Grünen im Rat sitzt. Schließlich gehe es letztlich um die Frage: „Sollen wir einen Kindergarten schließen, wenn Herr Steimann (Vorstand Kulturforum) auf 30 Millionen sitzt?“ Deshalb habe man den Antrag vor der letzten Verwaltungsratssitzung im Dezember auf den Weg gebracht. Allerdings erst so kurzfristig, dass er bislang noch nicht einmal angenommen werden konnte. Auch gehe es zunächst nur um eine Wertermittlung. „Die Veräußerungsdebatte führen wir dann später“, so Wood, der außerdem betont, keine Sammlung zerstören und nicht speziell Expressionisten verkaufen zu wollen.

Kunst nicht mit Kindergarten vergleichen

Doch der Wittener Kunstszene war es wichtig, frühzeitig ihre Meinung kundzutun. „Wir wollen Kunst nicht für Beton verkaufen“, sagt Prof. Dr. Manfred Wolff, Vorsitzender des Kunstvereins, der diese Art des „Aufwiegens“ überhaupt nicht mag. Man könne Kunst nicht mit einem Kindergarten vergleichen. Wenn Kunst verkauft werde – und dagegen habe grundsätzlich keiner etwas – müsse auch wieder in Kunst investiert werden. Auch müsse viel geklärt werden, bevor solch ein Ansinnen überhaupt umgesetzt werden könne, allem voran die Besitzverhältnisse. „Viele Werke sind Dauerleihgaben, Schenkungen oder wurden durch Spenden erworben.“ Nicht zuletzt sei unklar, wie der Wert tatsächlich bestimmt werden könne: über den Markt oder die Versicherungssumme?

Weder Wood noch Wolff wissen, von welchen Summen überhaupt die Rede sein könnte. Und Kulturforumsvorstand Klaus Steimann war am Montag nicht erreichbar.