Wittener Metaller: 400 Trillerpfeifen für mehr Geld in der Tasche

Startpunkt Dortmunder Straße: Vom Betriebshof marschierten die Streikenden in Richtung Stadtgalerie, wo die Kundgebung der IG Metall stattfand.
Startpunkt Dortmunder Straße: Vom Betriebshof marschierten die Streikenden in Richtung Stadtgalerie, wo die Kundgebung der IG Metall stattfand.
Foto: FUNKE Foto Service

Witten..  Mit roten Leibchen und wehenden Fahnen sind am Montag rund 400 streikende Metaller durch die Innenstadt gezogen.

Mit Trillerpfeifen im Mund machten sie lautstark auf ihre Forderungen der laufenden Tarifrunde aufmerksam. Das Hauptanliegen: Es soll mehr Geld her. 5,5 Prozent mehr Lohn fordert die IG Metall. Beim letzten Tarifvertrag waren es 3,4 (ab 2013) und 2,2 (ab 2014).

5,5 sind nicht zu viel, so ein Arbeiter. „Das sind ja keine horrenden Summen.“ Giuseppe Montagna, der beim Bahnzulieferer Faiveley als Härter arbeitet, wäre mit einem Plus von fünf auch zufrieden. „Mehr gibt’s sowieso nicht.“ Er habe zwar eine Frau, die auch Geld mit nach Hause bringt. Der 59-Jährige denkt aber auch an seine Kollegen. „Als Alleinverdiener wird’s schwer.“

Autokorso von Herbede in die City

Zehn Uhr geht’s los: Rund 300 der 3000 Branchenbeschäftigten in Witten ziehen vom Betriebshof an der Dortmunder Straße zur Stadtgalerie, wo später eine Kundgebung stattfindet. Zuvor treffen die Männer und Frauen in Rot an der Ruhrstraße auf weitere Kollegen. Sie kamen im Autokorso von Herbede und schließen sich dem Marsch der anderen über die Ruhrstraße an.

Jetzt sind alle beisammen: Arbeiter von Bosch-Rexroth (Windgetriebe), Metalsa (Autozulieferer), Geißler, Luhn und Pulvermacher , Ruhrtaler Gesenkschmiede (alle Metallverarbeitung), PZW (Press- und Zerspanungstechnik), dem Pumpenhersteller Ruhrpumpen, Faiveley (Bahnzulieferer) und der Edelstahlzieherei Mark. „Ich lasse meine Leute nicht im Stich“, sagt Industriemechaniker-Azubi Waldemar Donis (23). „Gemeinsam können wir mehr erreichen.“

„Bildung nicht nur, wenn man vom Chef ausgeguckt wird“

Ein Ruhrpumpen-Angestellter (31) fordert: „Wer Fachkräfte qualifizieren will, soll das zahlen.“ Also der Betrieb. Auch Martin Szymczak (54) kämpft für die „Bildungsteilzeit“, bei der die Arbeitszeit für eine Weiterbildung zurückgefahren wird. „Qualifizierung ist wichtig, um nicht arbeitslos zu werden“, sagt der Maschinenschlosser von Ruhrpumpen. Der Wittener DGB-Chef Ralf Dümpelmann (58), der für Witten in der Tarifkommission sitzt, ruft den Metallern bei der Kundgebung zu: „Es darf Bildung nicht nur geben, wenn man vom Chef ausgeguckt wird.“ Jubel, Beifall. Buhrufe gibt es nur, als vom Angebot der Arbeitgeber die Rede ist: 2,2 Prozent. Lächerlich, schimpfen einige.

Viele zieht auch die Forderung nach einer tariflich geregelten Altersteilzeit auf die Straße. „Am Schreibtisch kann man länger arbeiten als am Hochofen“, meint Daniel Friese (56). Den Dreher von Bosch-Rexroth beschäftigt auch die Zukunft des Betriebes. „Die lassen uns im Unklaren, wer den Laden übernimmt.“ Was die Altersteilszeit anbelangt stimmt ihm Metallerin Birgit (56) zu. Sie ist seit 25 Jahren beim Autozulieferer Metalsa. „Ich arbeite in der Montage mit dem Hammer. Wenn man das Tag ein, Tag aus macht, ist das hart. Bis 65 zu arbeiten, kann ich mir nicht vorstellen.“