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Kreativität

Wittener „Malort“ hilft, der eigenen Spur zu folgen

13.03.2016 | 13:35 Uhr
Wittener „Malort“ hilft, der eigenen Spur zu folgen
Gründerinnen des Vereins „Malort“ mit Kindern (von links): Birgit Beßler, Estel, Simone Brunnstein, Johan, Melanie Hoessel, Matilda und Birgit Wewers.Foto: Socrates Tassos

Witten.   Im Christopherus-Hof stellten die Vereinsgründer ihr Konzept vor. In geschützter Gruppe können Menschen wertungsfrei die eigene Kreativität entdecken.

Malen als Weg zu innerer Einkehr – ganz neu scheint das Konzept auf den ersten Blick nicht zu sein. Wer aber am Samstag (12.3.) den Weg zum Christopherus-Hof fand, wurde schnell eines Besseren belehrt. Das Projekt „Malort“, das dort vorgestellt wurde, ist sehr viel mehr als eine Kunsttherapie.

„Das Konzept ist schwer in wenige Worte zu fassen“, sagt Melanie Hoessel. Sie ist neben Johannes Wiek, Birgit Beßler und Simone Brunnstein eine der Mitbegründerinnen des Malort-Vereins Witten. „Dahinter steht der Gedanke, in der Gemeinschaft völlig wertungsfrei und angstfrei die inneren Kreativität zu entdecken und ihr Raum zu geben.“

Das Konzept für den Malort geht auf Arno Stern zurück. Der in Deutschland geborene Pädagoge, der heute französischer Staatsbürger ist, betreute 1946 – damals noch ohne jede Ausbildung und selbst Flüchtling – Kriegswaisen in Paris. In Ermangelung anderer Materialien ließ er die Kinder einfach malen – und machte dabei die faszinierende Erfahrung, dass die Kinder auf diese Weise, ganz allein aus der Kraft ihres Inneren, Wege fanden, ihre Erlebnisse zu verarbeiten. Ganz wichtig dabei war und ist, dass keinerlei Bewertung der Bilder stattfindet. Der Malort soll völlig frei von jeder Form von Leistungsdruck und Wettbewerb sein.

„Diese Form der Kreativität stellt einen ganz eigenen alternativen Impuls dar, der bewusst dem enormen Konkurrenzdenken unseres Bildungssystems entgegengestellt werden kann“, erläutert Johannes Wiek. „Die absolute Loslösung von Bewertung und Druck weckt das Gefühl für die eigene innere Spur, für eine Stärkung aus sich selbst heraus.“

Konkret sieht das so aus, dass die Teilnehmer in Gruppen malen. In der Mitte des Raums stehen Farben und Pinsel, die dann alle gemeinsam nutzen. Jeder malt sein ganz eigenes Bild, Kommunikation ist natürlich erwünscht, aber es wird niemals über die Bilder gesprochen. „Schüler, Lehrer, Studenten, Kinder, Jugendliche, ältere Menschen – das Konzept passt für jeden. Uns ist es besonders wichtig, auch geflüchtete und seelenpflegebedürftige Menschen miteinzubeziehen“, so die Vereinsgründer. „Malorte gibt es überall auf der Welt, und die Erfahrung hat gezeigt, dass das Miteinander in der geschützten Gruppe, gerade, wenn es vielleicht sprachliche Barrieren gibt, eine große Wirkung auf alle teilnehmenden Menschen hat.“

Wer sich über die Hintergründe des Malort-Konzeptes und über das geplante Crowd-Funding, das das Projekt finanzieren soll, genauer informieren möchte, findet hier nähere Informationen: www.startnext.com/malortwitten.

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Wittener „Malort“ hilft, der eigenen Spur zu folgen
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2016-03-13 13:35
Witten