Wittener machen Radio für den Ennepe-Ruhr-Kreis

Radiomacher in Witten: Markus Buchwald und Ilka Finger vom Radio Ennepe Ruhr.
Radiomacher in Witten: Markus Buchwald und Ilka Finger vom Radio Ennepe Ruhr.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Wichtiges aus neun Städten in drei Minuten: Markus Buchwald und Ilka Finger schreiben die Lokalnachrichtenfürs Radio Ennepe Ruhr.

Witten..  Seit etlichen Jahren heißt der private Hörfunk für unsere Region „Radio Ennepe Ruhr“ und nicht, wie man in der Ruhrstadt gern sagt, „Radio EN“. Ilka Finger und Markus Buchwald kommen aus Witten – und machen die Lokalnachrichten fürs Radio.

„Die Leute fragen mich immer: Was machst du denn in der halben Stunde zwischen den Nachrichten?“, erzählt Ilka Finger. „Und ich erkläre dann: Na dann schreibe ich die Texte. Wir lesen doch nicht immer das gleiche vor.“

Die Musik, die das Radio ausstrahlt, wird in Oberhausen zentral zusammengestellt: Das heißt, in Bochum, Witten oder Dortmund laufen die gleichen Titel. Zwischendurch gibt es „lokale Optionen“, die die Lokalstationen füllen. Etwa drei Minuten jeweils zur halben Stunde. Die beiden wichtigsten Regionalmeldungen werden zudem zur vollen Stunde hinter den Weltnachrichten wiederholt.

Welche Rolle spielt denn Witten in der Berichterstattung? „Na die größte“, erklärt Markus Buchwald. Witten habe die meisten Einwohner und damit auch die meisten Hörer. Zwei Drittel der Hörerschaft (und Einwohner) leben im nördlichen EN-Kreis. „Wie müssen schon aufpassen, dass wir nicht die große Witten-Show machen“, sagt Finger. Denn Nachrichten sollen aus allen Städten kommen, das Interessanteste passiere aber zumeist in der größten Stadt des Kreises. Die geschnappten Tankstellenräuber oder der Moscheebrand letzte Woche hätten eben mehr Nachrichtenwert als manch’ eine Personalie aus Ennepetal.

Hinzu kommt: Nordkreis ist eben nicht gleich Südkreis. Markus Buchwald wuchs in Hattingen und Niedersprockhövel auf, zog dann über die Stadtgrenze nach Witten. „Hier ist es genauso grün wie in Hattingen. Ich verorte mich nicht als Wittener, sondern als EN-Kreisler.“ Wobei, mit Haßlinghausen sei das schon anders: „Die klingen schon nach Wuppertal.“

Radio ist ein flüchtiges Medium

Ilka Finger dagegen ist „so eine Sesshafte“: Nach dem Abitur am AMG habe sie als freie Mitarbeiterin bei Radio EN „Blut geleckt“. Dem Hörfunkvolontariat in Dortmund folgte die Festanstellung. „Das Schöne am Lokalfunk ist ja, dass man alles machen kann: recherchieren, schreiben, die Sendung zusammenstellen, moderieren. Das hat mich gereizt“, meint die 44-Jährige. Auch Markus Buchwald mag nun den „Bürojob“ im Sender in Hagen. „Die Straße habe ich lang genug beackert“, sagt der 52-Jährige, der 2008 zu Radio Ennepe Ruhr kam.

Themen ziehen sie aus Pressemitteilungen, Wiedervorlagen, „aber auch Sachen die man hört, im Sportverein oder bei Nachbarn“, sagt Buchwald. „Eigentlich bemüht man sich immer, eigene Themen zu entwickeln.“ Weil Radio ein flüchtiges Medium sei, verweisen die Moderatoren immer häufiger auf ihren Online-Auftritt, „wo man dann zum Beispiel Kontakthinweise findet“. Manche Nachrichten indes eignen sich besonders gut fürs Radio. „Beispielsweise der Brand bei HP Pelzer“, sagt Ilka Finger. „Wenn man dann die Leute unmittelbar warnen kann, die Fenster geschlossen zu halten.“

Aufstehen um halb vier morgens

Wichtigste Frage an Radioleute: Wann stehen Sie denn auf? 5 Uhr morgens beginnt die Frühschicht bei Radio Ennepe Ruhr. Finger und Buchwald erzählen das schmunzelnd – denn sie sind seit längerem im Spätdienst eingeteilt. „Ist ja nicht so, dass ich gerne um halb vier aufstehe“, grummelt Buchwald.

Auch um diese Uhrzeit müssen Nachrichtenredakteure gut rechnen können – schließlich steht ihre Redezeit im Hörfunk unwiederbringlich fest. Drei Minuten, dann läuft der nächste Musiktitel an. „Es sollte technisch schön rund sein“, sagt Finger. Notfalls könne man ins nächste Lied einige Sekunden reinreden. Aber zu früh fertig sein, dürfe nicht passieren. „Ach, dann sagt man noch mal die Blitzer-Hotline durch“, meint Markus Buchwald.

Und wenn Sie das das nächste Mal hören, wissen Sie: Aha, da hat sich wieder einer verrechnet.