Wittener Kunstmuseum bekommt neues Konzept

Der Blick in die Dauerausstellung des Museums: Seit 2010, als diese Aufnahme entstand, hat sich an dem Konzept nichts mehr geändert.
Der Blick in die Dauerausstellung des Museums: Seit 2010, als diese Aufnahme entstand, hat sich an dem Konzept nichts mehr geändert.
Foto: Foto: Tanja Schneider / WAZ Foto Pool
Was wir bereits wissen
Das Märkisches Museum schließt ab August für ein Jahr. Während der Arbeiten für den Bibliotheksanbau soll auch die Ausstellung komplett verändert werden. Nicht nur auf den Leinwänden soll es farbenfroh werden.

Witten..  Ab August wird das Märkische Museum geschlossen und verwandelt sich in eine Baustelle. Bis zur Wiedereröffnung im Sommer 2016 soll aber nicht nur der Büchereianbau stehen, sondern auch die Kunstausstellung komplett überarbeitet werden. „Wir wollen den Besuchern etwas Neues bieten“, sagt Dirk Steimann, kommissarischer Museumsleiter und Vorstand des Kulturforums. Damit meint er nicht weniger als ein völlig neues Konzept für die Dauerausstellung.

Weiße Wände, wenig Erklärungen und Kunstwerke, die streng nach ihrer zeitlichen Entstehung sortiert sind – so sieht es derzeit im Museum aus. Ein Großteil der Ausstellungsfläche zeigt die Höhepunkte des deutschen Informel, einer westdeutschen Kunstströmung der 50er Jahre, die den Sammelschwerpunkt des Museums bildet. Andere Räume präsentieren Arbeiten der Künstlergruppe „Zero“. Ein weiterer Teil ist dem Expressionismus vorbehalten. Alles ist sorgfältig voneinander abgetrennt. Noch.

„Recht konventionell“ finden Dirk Steimann und Kurator Christoph Kohl diesen bisherigen Ansatz. Ihre Idee ist es, nicht nur Kunst-, sondern auch Kulturgeschichte zu zeigen. Sprich: Wie haben sich Künstler verschiedener Epochen mit großen Themen der Menschheit auseinandergesetzt? „Gemeint sind Begriffe, die eine Art universellen Anspruch erfüllen, also zum Beispiel ‚letzte Dinge’, ‚das Ich’, ‚Beschleunigung’, ‚Mystik’...“ Dazu sollen Themenräume entstehen, die Werke unterschiedlicher Künstler und verschiedener Zeiten vereinen.

Stärkere Zusammenarbeit mit Uni

„Das sind Ansätze, die bislang eher auf Biennalen oder im Rahmen der Documenta verfolgt worden sind“, sagt Dirk Steimann. Inwieweit sie mit der Sammlung des Wittener Museums umsetzbar sind, werde derzeit noch geprüft. „Das ist eine tolle Herausforderung für ein kleines städtisches Museum.“ Ein Beispiel für eine gelungene Umsetzung des Konzepts ist für Steimann die ,Galeria Arte Moderna’ in Turin, die als Inspiration dient.

Unterstützung bekommt das Märkische von der Universität Witten/Herdecke, die künftig die Zusammenarbeit mit dem Museum weiter vertiefen will. Prof. Claus Volkenandt soll das Konzept von kunstwissenschaftlicher Warte aus begutachten.

Damit es sich auch Besuchern auf den ersten Blick erschließt, könnten erstmals auch farbig gestaltete Wände und Schriftblöcke hinzukommen: „Das können Zitate sein, Literarisches oder auch kurze Künstlerstatements.“

Anderthalb Jahre sind es noch bis zur geplanten Neueröffnung. Aber für das Team rast die Zeit.

Weitere Ausstellungen zu Kunst und Geschichte geplant

Auch der Verein für Orts und Heimatkunde in der Grafschaft Mark (VOHM) wird zur Wiedereröffnung des Museums 2016 eine neue historische Ausstellung fertigstellen. Sie soll die über 100-jährige Geschichte des Vereins erzählen, der seit 1911 im Märkischen Museum ansässig ist.

„Wir befinden und derzeit noch in Gesprächen mit dem Verein“, sagt Kulturforumsvorstand Dirk Steimann. Ersten Ideen zufolge könne die Ausstellung, die im Foyerbereich des Münzkabinetts Einzug halten soll, verschiedene Sammlungsbestände des Vereins und des alten Heimatmuseums zeigen. Derzeit sind sie in Depots eingelagert.

Konkrete Pläne gibt es auch schon für die Kunst-Wechselausstellungen, die 2016 wie gewohnt in den speziellen Räumen im zweiten Obergeschoss stattfinden sollen. „Das erste Jahr nach der Neueröffnung ist bereits geplant“, sagt Kurator Christoph Kohl.

Besonders stolz ist er auf ein Kooperationsprojekt mit der in Frankfurt ansässigen DZ-Bank, die Teile ihrer umfangreichen Fotografie-Sammlung in Witten ausstellen wolle. Fans der Malerei können sich auf die Informel-Ausstellung mit Werken von Gerhard Hoehme (1920-1989) freuen. Zeitgenössisch werde es hingegen bei der Schau des Düsseldorfer Malers Michael Jäger zugehen.