Wittener Kultursommer setzte auf Variante mit leicht schlichter Note

Angekündigt als „Feuerwerk der guten Laune“: Die Schlagergruppe Bella Vista spielte im Innenhof von Haus Witten.
Angekündigt als „Feuerwerk der guten Laune“: Die Schlagergruppe Bella Vista spielte im Innenhof von Haus Witten.
Foto: Fischer
Was wir bereits wissen
Die Konzertreihe im Haus Witten entdeckt den Schlager. Adieu, Hochkultur! Bei Bella Vista wird geschunkelt.

Witten..  Der „Kultursommer“ im Haus Witten hat mit dem Auftritt der Gruppe Bella Vista ein neues Genre für sich entdeckt: den Schlager. Adieu, Hochkultur. Ab jetzt darf geschunkelt werden!

Die erste Reihe im Innenhof kommt schon bei dem Solisten, der als „Opener“ dem Publikum einheizen wollte, in Bewegung. „Die Hände zum Himmel, die Hände zur Hölle.“ Das besungene Fegefeuer meint allerdings nicht die Soundanlage, die wummernd einen Melodieteppich aus der Konserve liefert. Wer ist der Sänger, der kurzfristig einsprang? „Das weiß ich nicht! Das ist mir wichtig, das klarzustellen“, sagt jemand. Aha, das war wohl der verbliebene Hochkultur-Liebhaber, der die Skepsis noch nicht ablegt hat. Der Sänger, der übrigens Matthias Simon heißt, singt passend: „Ich mache Dir nur Komplimente. Doch du lässt mich nur im Regen stehen.“

Aber das Wetter ist gut und das restliche Publikum gnädig. Die Cocktailbar kommt auch gut an. Gleich geht es mit Bella Vista weiter, die in einem akustischen Einspieler als „das Beste, Beliebtste und Eleganteste, was wir in Witten musikalisch zu bieten haben“ angepriesen werden. Untertreibungen sind im Schlager nicht oft gegenwärtig. Auch bei Bella Vista geht es meistens um die allergrößten Gefühle – von Herzschmerz bis Party.

„Mit ganz Witten“ wollen Bella Vista, 1991 als Duo in Witten gegründet, ihre Hits der letzten 24 Jahre singen. Verkauft wurden 160 der 500 Eintrittskarten. „Ein kleines familiäres Treffen“, nennt das die Gruppe. Ihr Publikum bezeichnet sie als „Kinder der 80er“. Auch wenn die meisten Gäste dem Discoalter in diesem Jahrzehnt wohl längst entwachsen waren, wippen bei der deutschsprachigen Version von Abbas „Super Trouper“ die Füße mit.

Zwischen den Liedern erzählen die „Vistas“ von ihren Erfolgen: von Auftritten im Fernsehgarten und im Musikantenstadl. Sogar auf dem Musiksender Viva sei einmal einer der Hits gespielt worden. Besungen wird darin „Suzanna“ und die erste Nacht des Sängers mit der gleichnamigen Eroberung. „Ich bin dann nicht zum Abschluss gekommen, denn ich habe die Kondome vergessen“, erzählt er nach dem Stück. Diesem Pech setzte Viva freilich noch die Krone auf: Der Titel sei dort auf der „Trash 100“-Liste gelaufen, der Hitparade, deren Name auf besonderen „Kitsch“ oder „Müll“ verweist.

Die „Vistas“ aber nehmen das mit Humor. Schlager verspricht schließlich gute Laune. Das Publikum schunkelt weiter.