Wittener Kleinunternehmer treibt seine Firma in den Ruin

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Ein 56-Jähriger setzt 300 000 Euro in den Sand. Jetzt verurteilte ihn das Gericht zu einer Bewährungsstrafe.

Witten..  Erst türmten sich private Probleme, dann verlor er den Überblick - und trieb seine Firma in den Ruin: Weil ein Wittener Unternehmer viel zu spät einen Insolvenzantrag stellte und Gelder der Insolvenzmasse entzog, wurde er am Mittwoch vor dem Amtsgericht zu sechs Monaten auf Bewährung verurteilt.

Mit seinem kleinen Online-Handel, über den er bei Ebay Möbel verkaufte, versuchte sich der 56-Jährige so lange wie möglich über Wasser zu halten. Zu lange. Das Geschäftsmodell endete im Fiasko: Anfang 2014, als er den schon längst fälligen Insolvenzantrag stellte, türmten sich die Verbindlichkeiten auf rund 300 000 Euro: Steuerschulden, unbezahlte Angestellte und Lieferanten.

Schon 2010 bröckelten die Finanzen des Unternehmens, 2012 war der Schuldenberg auf über 100 000 Euro gewachsen. Doch scheinbar bekam der Wittener davon nicht viel mit: „Die Überschuldung war mir nicht bewusst. Ich hätte mir gewünscht, dass mich mein Steuerberater darauf hingewiesen hätte.“ Auch darauf, dass das Anmelden der Insolvenz unvermeidlich war.

Der Ex-Unternehmer, mittlerweile Hartz-IV-Empfänger, betonte aber seine eigene Verantwortung. „Ich habe mich nicht so um die Firma gekümmert, wie es hätte sein müssen.“ Sein Vater sei schwer krank geworden, seine Frau gestorben, er habe einen Schlaganfall erlitten, versuchte er sich an einer Begründung - schließlich verlor er den Überblick, das Geschäft ging den Bach runter.

Kurz bevor er die Eidesstattliche Versicherung unterzeichnete, hatte der Mann die letzten 50 000 Euro vom Festgeldkonto der Firma abgehoben. Davon hatte er private Gläubiger gezahlt, die ihn unterstützten, aber auch einen Teil für sich ausbezahlt, was die Strafe erhöhte.

„Das war mit Sicherheit ein Betrag, der der Insolvenzmasse zugestanden hätte“, sagte der Insolvenzverwalter, der einen Teil davon noch geltend machen will, vor Gericht. Vom Großteil der 300 000 Euro Verbindlichkeiten dürften die Gläubiger aber nichts mehr wieder sehen.

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