Wittener Kita-Brandstifter soll in die Psychiatrie

Die Stadt Witten veranschlagt die Kosten für die Renovierung der Kita Erlenschule mit über 700.000 Euro.
Die Stadt Witten veranschlagt die Kosten für die Renovierung der Kita Erlenschule mit über 700.000 Euro.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Der Brandstifter der Kita-Erlenschule in Witten hat sich offenbar mit dem Gedanken an einen längeren Aufenthalt in der Psychiatrie bereits angefreundet.

Witten.. Der Brandstifter der Kita Erlenschule soll erwartungsgemäß nicht ins Gefängnis, sondern in die Psychiatrie. Das hat die Staatsanwaltschaft am Donnerstag (7.1.) vor dem Bochumer Landgericht gefordert. Der Angeklagte schien dem nicht abgeneigt zu sein. Geschockt war er von der Schadenshöhe nach dem Feuer.

Eine Psychologin war zu dem Ergebnis gekommen, dass der von Beginn an geständige 26-jährige Wittener für seine Taten nicht verantwortlich gemacht werden kann. Er sei vermindert schuldfähig, auch eine volle Schuldunfähigkeit wollte sie nicht ausschließen. Das macht den Mann allerdings nicht harmloser. Im Gegenteil. Er könne auch in Zukunft weitere schwere Straftaten wie Brandstiftungen begehen, warnte die Sachverständige. Eine Prognose, die für das Gericht Voraussetzung ist, jemanden in der Psychiatrie unterzubringen.

Seit schwerem Unfall verhaltensgestört

Ein psychiatrischer Sachverständiger war zuvor zu dem Ergebnis gekommen, dass ein schwerer Unfall die Ursache für Verhaltensstörungen des jungen Mannes seien. 2007 war der Wittener alkoholisiert von einer Autobahnbrücke gefallen. Dabei hatte er sich mehrere Brüche zugezogen und ein schweres Hirntrauma erlitten. Beide Experten waren sich einig: Durch seine Krankheit kann der Wittener seinen Handlungen nicht mehr richtig einschätzen und steuern.

Auch zweimal Feuer in Pizzeria gelegt

So war es offenbar auch bei den verschiedenen Bränden, die der Angeklagte gelegt hatte: in einer Pizzeria in der Schleiermacherstraße, in einer Pizzeria in der Rüdinghauser Straße und in der Kita Erlenschule in der Holzkampstraße – alles im November 2014. Er war immer eingebrochen und hatte Geld oder Elektrogeräte mitgenommen. Anschließend legte der junge Mann Feuer, angeblich, um ein „Markenzeichen“ zu setzen.

Die Kita brannte komplett aus. In den anderen Fällen entstanden geringere Schäden, weil die Feuer von selbst ausingen. Bei einem Einbruch in einen Drogeriemarkt im Januar 2015 war der Brandstifter gestört worden. Er flüchtete, ohne Feuer zu legen. Kurz darauf nahm ihn die Polizei fest. Durch DNA-Spuren konnte man ihm die verschiedenen Taten nachweisen.

„Es kann auch eine blödsinnige Handlung gewesen sein“

Die Psychologin glaubt nicht an die „Markenzeichen“-Geschichte, sondern eher, dass er sich so im Nachhinein seine Taten erklären wollte. Die Feuer machten aus ihrer Sicht wenig Sinn. Die Entscheidungen, einen Brand zu legen, seien womöglich durch spontanen Ärger entstanden. „Es kann auch eine blödsinnige Handlung gewesen sein, weil er die Konsequenzen nicht bedacht hat“. Ausgelöst wurde dieses Verhalten offenbar durch besagte Hirnschädigung und übermäßigen Konsum von Cannabis und Amphetaminen – Wiederholung jederzeit möglich.