Wittener Kindergärten öffnen am Montag wieder

„Ich bin Erzieherin und welche Superkraft hast du?“ Am letzten Streiktag listeten Erzieherinnen aus Vormholz, Bachschule und der Offenen Ganztagsschule Pestalozzi noch einmal auf, welche Arbeiten sie heutzutage alle leisten müssen.  Die Mitglieder der Gewerkschaft Komba sprachen im Johanniszentrum über den vierwöchigen Ausstand.
„Ich bin Erzieherin und welche Superkraft hast du?“ Am letzten Streiktag listeten Erzieherinnen aus Vormholz, Bachschule und der Offenen Ganztagsschule Pestalozzi noch einmal auf, welche Arbeiten sie heutzutage alle leisten müssen. Die Mitglieder der Gewerkschaft Komba sprachen im Johanniszentrum über den vierwöchigen Ausstand.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Eltern, die ihre Kinder nach dem verkündeten Ende des Kita-Streiks schon am Freitag (5.6.) wieder bringen wollten, waren zu früh dran.

Witten..  Der letzte Tag des vierwöchigen Kita-Streiks fällt in Witten auf einen Brückentag, noch dazu den bisher heißesten Tag des Jahres. Das ist aber nicht der Grund, warum die knapp 70 streikenden Erzieherinnen aus acht städtischen Kindergärten erst am Montag (8.6.) wieder die Arbeit aufnehmen.

Offiziell werde der Ausstand erst in der Nacht zum Montag um vier Uhr morgens enden, heißt es beim Treffen von Komba, der neben Verdi kleineren Gewerkschaft, die rund 30 Erzieherinnen am Freitagmorgen (5.6.) im Johanniszentrum zusammentrommelt. Deshalb blieben die in Witten betroffenen Kitas am Freitag auch noch zu: Bach- und Erlenschule, Vormholz und Buchholz. Es herrschte der inzwischen schon normale Notbetrieb.

Kinder nicht mehr in die Not-Kita bringen

60 bis 70 Kinder besuchten wie bereits in den letzten Wochen Notgruppen in einer für sie fremden Kita, ebenso viele konnten in ihr Stamm-Kita gehen, weil die geöffnet blieb. Geöffnet waren Luisen- und Wemerstraße sowie Durchholz und am Helfkamp. Am Montag können alle 500 Kinder wieder in ihre alten Kindergärten zurückkehren. Auch „Irrläufer“ werde man dann auf den rechten Weg bringen, sagt Monika Wittrien vom Jugendamt. Sie denkt dabei an Kinder, die versehentlich noch in die Notgruppe gebracht werden.

Es war ein langer Streik, der an den Nerven gerade berurfstätiger Eltern gezerrt hat. Die Betreuerinnen machen sich darauf gefasst, am Montagmorgen „Haue“ zu kriegen. So mancher Spruch werde sicher dabei sein, sagen die Erzieherinnen aus Vormholz und der der Bachschule, die am Freitag zum letzten Streik-Treffen ins Johanniszentrum gekommen sind. „Aber ich wappne mich mit guten Argumenten und werde nicht kleine Brötchen backen“, sagt eine 58-Jährige, die seit fast 40 Jahren im Job ist.

1500 Euro netto nach fast 40 Berufsjahren

Noch einmal betonen die Erzieherinnen ihr Anliegen und warum sie seit vier Wochen dafür auf die Straße gehen: Es gehe darum, was ihre Arbeit wert sei – und diese Anerkennung müsse auch im Portmonee zu spüren sein. Die 58-Jährige würde gerne einmal größere Brötchen kaufen: Seit 1977 im Job, blieben ihr von knapp 2900 Euro brutto monatlich bei Steuerklasse fünf rund 1500 netto. Sie leistet 35 Stunden pro Woche, das ist fast eine volle Stelle.

Eine 39-jährige Kollegin kommt mit der gleichen Stundenzahl nach eigenen Angaben gerade mal auf 1300 netto. Wenn in den letzten 20 Jahren nicht so viel an Aufgaben obendrauf gekommen wäre, sagen die Erziherinnen, dann hätte man jetzt auch nicht so lange streiken müssen. Aber den Kindergarten nur von acht bis zwölf und ohne U 3, den gebe es nunmal nicht mehr.

Bei erfolgloser Schlichtung wieder streiken

Was am Ende bei der Schlichtung rauskommt, weiß keine von ihnen. Sie sind froh, dass sich in dem Tarifstreit mit den kommunalen Arbeitgebern zumindest wieder etwas bewegt. Gleichzeitig sind sie enttäuscht: Vier Wochen Streik und kein Ergebnis. „Natürlich ist auch Frust da. Auch für uns war das ja nicht leicht auszuhalten“, sagt eine Erzieherin.

Sie seien hin- und hergerissen, einerseits froh, wieder arbeiten gehen zu können, andererseits unsicher, wie es weitergeht. Wenn die Arbeitgeber sie „am langen Arm verhungern lassen“ und in zwei Wochen kein akzeptables Ergebnis vorlegen, wolle man wieder streiken. Das habe man einstimmig so beschlossen.