Wittener Kinder lernen mit dem Schulhündin Mia

Alle haben ihr Hunde-Diplom bestanden: Erzieherin Susanne Wyrebak ist stolz auf Labrador Mia und die achte Klasse der Pestalozzi-Schule in Witten.
Alle haben ihr Hunde-Diplom bestanden: Erzieherin Susanne Wyrebak ist stolz auf Labrador Mia und die achte Klasse der Pestalozzi-Schule in Witten.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Labrador Mia gehört zum Unterrichtskonzept der Wittener Pestalozzischule. Die Kinder erfahren durch Mia viel über Tiere. Und noch mehr über sich selbst.

Witten.. „Hiiiieeeer!“, ruft Lucas mit lauter Stimme und erhebt seine Hand – schon kommt der braune Labrador herbeigelaufen. „Platz!“ Und schwupps, da liegt der Hund auf dem Boden. Dafür gibt’s ein dickes Lob – für Mia, den Labbi, und Lucas: Er hat sein Hundediplom bestanden.

Fast ein Jahr lang musste die achte Klasse der Pestalozzi-Schule in Witten dafür arbeiten, seit den Sommerferien ist Susanne Wyrebak mit Mia besonders häufig gekommen. Mia ist seit November 2013 der Schulhund der Pestalozzischule. Mit ihr bekommen die Kinder den Zugang zum Tier, üben den Umgang mit ihm, lernen die Körpersprache und Anatomie des Hundes kennen. Aber der gemütliche, friedfertige Labrador ist viel mehr als nur ein Stück lebendige Theorie im Bio-Unterricht: Mia hilft den Förderschülern dabei, mit dem Alltag in der Klasse klarzukommen – und das auf ganz vielfältige Weise.

Jugendliche werden ruhiger

„Zunächst einmal werden die Jugendlichen viel ruhiger“, sagt Mias Frauchen Susanne Wyrebak, die die tiergestützte Therapie anbietet. Allein die Anwesenheit des Hundes reiche aus, dass ein Kind mit einer gestörten Aufmerksamkeit „runter komme“, zu sich finde. „Der Hund ist wie ein Spiegel für die Kinder“, erklärt die 32-jährige Erzieherin. Sind sie zu aufgeregt, ist er es auch, sind sie zu impulsiv, haut er ab. „So lernen sie, sich besser wahrzunehmen.“ Andererseits mache Mia es auch möglich, isolierte Kinder wieder in eine Gruppe einzubinden. Über den Hund knüpfen sie Kontakte, verlieren buchstäblich Berührungsängste.

Die gab es natürlich auch bei den ersten Unterrichtsstunden mit Hund. „Einige hatten zunächst regelrecht Angst“, erzählt Klassenlehrerin Swantje Klöpper. Doch mit viel Geduld und Zuwendung – und dank des lieben Wesens von Mia – habe sich das bald gegeben. „Jetzt sind alle ganz traurig, dass die Reihe vorbei ist.“ Aber noch ist ja nicht aller Tage Abend: In Absprache mit der Schulleitung arbeitet Susanne Wyrebak an einer Fortsetzung des Programms – quasi einem Fortgeschrittenen-Kurs für die Schüler.

Dilan ist ganz besonders stolz

Soweit ist die achte Klasse aber noch nicht: Sie muss am Donnerstag erst einmal beweisen, dass sie die grundlegenden Sachen verstanden hat: Keinen fremden Hund einfach streicheln oder gar umarmen, das Tier immer erst schnuppern lassen, lieber an der Flanke als übers Rückgrat streicheln. Und warum? Sofort fliegen die Finger hoch: „Ich weiß es. Er könnte sich sonst angegriffen fühlen.“

Am Ende der Stunde haben tatsächlich alle ihr Diplom in der Tasche. Sogar Dilan, die vorher fast Panik hatte, bringt Mia jetzt mit Leichtigkeit ins „Sitz“ und gibt sogar Leckerchen. Die 14-Jährige strahlt: „Ich bin soooo stolz.“