Wittener Jugendliche begeistern mit tollem Spiel

Matthias Ritz und Saskia Petri in „Kleine Sünden“
Matthias Ritz und Saskia Petri in „Kleine Sünden“
Foto: Funke Foto Service
Was wir bereits wissen
Die Kinder- und Jugendgruppe des Theatervereins Stockum zeigte in der Harkortschule ein humorvolles Stück über die ganz normalen Probleme des Alltags.

Witten..  Nebelschwaden wabern durch die Dunkelheit, die Kirchturmuhr schlägt bedrohlich Mitternacht, der diabolisch beleuchtete „Troubadour“ huscht durch den Saal und verbreitet mit seinen Beschwörungen der Geisterwelt Angst und Schrecken. Und während noch einige der Eltern im Publikum überlegen, ob es sich hier wirklich um ein kindertaugliches Stück handelt, geht unvermittelt das Licht an – die „Närrin“ erscheint und liest dem Troubadour ob seines Alleingangs die Leviten!

Mit der Auswahl des diesjährigen Theaterstücks „Kleine Sünden“ von der Autorin Dany Handschuh hat die Kinder- und Jugendgruppe des Theatervereins Stockum eine glückliche Hand bewiesen. Der Inhalt ist leicht überschaubar: Der Leiter eines Kinderheims tritt bei seinem Date mit der „schwarzen Hexe“ in sämtliche Fettnäpfchen, was zur Folge hat, dass diese ihn verflucht. Leider geht dabei einiges schief, der Zauberspruch in Form magischer Muffins trifft die Bewohner des Heims, die sich fortan seltsam benehmen: Die freundliche Sally wird zur jähzornigen Furie, der diätbesessene Dick bekommt Fressattacken, der schüchterne Cyrano wird zum Frauenhelden. Besonders reizvoll ist der Rahmenaufbau: Troubadour und Närrin, als Engel und Teufel immer gegensätzlicher Meinung, erfinden gemeinsam diese Geschichte, verlieren aber die Kontrolle und werden in die Handlung hineingesogen.

Bewunderswerte Textsicherheit

Die Darsteller beweisen nicht nur große Spielfreude und bewundernswerte Textsicherheit, sondern auch viel Gespür für die Charaktere der unterschiedlichen Rollen. Allen voran überzeugt Matthias Ritz als charismatischer Troubadour, der zu gnadenlosen Übertreibungen neigt: „Ich habe den Regenwald gerettet!“ – „Das war der Kräutergarten deiner Mutter.“ – „Aber der ist ziemlich groß!“.

Laura Richhardt, die auch Regie führt, verkörpert sensibel und humorvoll die unglückliche schwarze Hexe, die sich mit ihrem äußerst unhöflichen sprechenden Spiegel herumplagt, der als Verschönerungsmaßnahme die „Tüte über dem Kopf“ empfiehlt. Johanna Laßl als schüchterne Linda, Alexa Ziebell als Cyrano, Linéa Klamt als Iglu, Sabrina Schmeichel als helfende Hexe mit Burnout – sowohl die anrührenden als auch die komischen Momente der Handlung meistern die jungen Schauspieler mit Bravour.

Ein Jahr lang wurde geprobt

Ein gutes Jahr lang haben die Jugendlichen geprobt. „Das Stück haben wir alle gemeinsam ausgesucht“, erläutert Dominik Dzimballa, der gemeinsam mit Laura Richhardt Regie führt. „Wir haben bewusst ein Stück ausgesucht, das zwar typische Probleme von Jugendlichen thematisiert, aber dennoch alle Altersgruppen anspricht, das ist oft ein Spagat. Den Text haben wir ein wenig angepasst, um auch Rollen für die Jüngeren einzubauen.“ Wichtig ist den Regisseuren vor allem die Mitbestimmung aller Beteiligten bei Auswahl und Inszenierung des Stückes. Und auch in anderer Hinsicht ist hier jeder gefordert: „Auch beim oft aufwändigen Aufbau von Technik und Kulissen packt jeder mit an“, berichtet der Vereinsvorsitzende Matthias Grunwald. „Wir sind ein echtes Mitmach-Theater!“

Das Publikum im nahezu voll besetzten Pausensaal der Harkortschule ist am Ende zu Recht begeistert und belohnt das stolze Ensemble mit viel Applaus.