Wohnen
Wittener Initiative sagt Mietnomaden den Kampf an
15.03.2010 | 15:45 Uhr 2010-03-15T15:45:00+0100Witten. In Witten hat sich eine „Initiative gegen das Mietnomadentum" gebildet. Der Zusammenschluss von bislang sieben Eigentümern will zahlungsunwillige Mieter auf eine schwarze Liste setzen. Auch Politik und Job-Agentur wollen die Mitglieder stärker in die Pflicht nehmen.
Oft genug guckten Hausbesitzer in die Röhre, erklärt Dr. Carsten Rensinghoff, der die Initiative mit sechs anderen Eigentümern aus der Taufe hob. Die Zahlungsmoral sei immer schlechter geworden. Rensinghoff spricht von Mietausfällen zum Teil im vierstelligen Bereich. Häufig blieben Vermieter auch auf Kosten einer Räumungsklage sitzen.
Rensinghoff berichtet in eigener Sache von einer Mieterin, die nicht ein einziges Mal gezahlt habe. Als es ihm im Oktober endlich gelungen sei, sie vor der die Tür zu setzen, habe sie ihm zehn Monatsmieten geschuldet. „Das Geld krieg' ich nie”, sagt er. Die säumige Zahlerin hebe „drei Finger” und sei damit aus dem Schneider. Der Gerichtsvollzieher habe für das Herausklagen noch einmal über 3000 Euro verlangt, so Rensinghoff. Zum Glück habe er eine entsprechende Versicherung bei „Haus & Grund” abgeschlossen, die zumindest diese Kosten übernehme.
Job-Agentur soll direkt an den Vermieter überweisen
Die neue Initiative will auch die Stadt und Kommunalpolitik stärker in die Pflicht nehmen. So solle die Job-Agentur die Miete nicht direkt an ihre Klienten auszahlen, sondern direkt dem Vermieter überweisen. Das könne man zwar heute schon im Mietvertrag festhalten, werde aber nicht immer so gehandhabt.
Die Initiative will „das Mietnomadentum bereits im Ansatz bekämpfen”. Ausdrücklich wird betont, dass nur jene Mieter auf einer schwarzen Liste landen sollen, die„ einfach nicht zahlen wollen. Redliche Mieter, die unverschuldet vorübergehend in Zahlungsschwierigkeiten geraten sind, haben nach unserem Modell nichts zu befürchten”.
Mieterverein beschäftigt sich eher mit "Vermieternomaden"
Datenschutzrechtliche Bedenken gegen eine solche Liste, die es in Hagen schon gebe, hegt Rensinghoff nicht. Die Namen würden außerhalb der Initiative nicht weitergegeben, „das machen wir Hausbesitzer unter uns aus”. Für den Mieterverein Witten und Umgebung ist das Thema nicht akut. „Wir beschäftigen uns eher mit Vermieternomaden, etwa großen Gesellschaften, die Wohnungen kaufen und schnellen Profit machen wollen”, sagt Sprecher Martin Halberstadt. Was er von schwarzen Listen halte? Es sei ein bisschen problematisch, nach welchen Kriterien sie erstellt würden. Man müsse aufpassen, aus der Tatsache einiger sicherlich bedauernswerter Mietausfälle gleich einen allgemeinen Trend abzuleiten.
Auch was Direktüberweisungen von Behörden an Vermieter angehe, habe der Mieterverein einen anderen Blickwinkel, sagt Halberstadt. So gebe es Vermieter, die darauf spezialisiert seien, „nicht so tollen Wohnraum” an Hartz-IV-Empfänger zu vermieten, bei der Kaltmiete aber bis an die Obergrenze gingen.
09:54
Sehr geehrter Herr Rensinghoff,
ich habe Ihren Artikel mit großem Interesse gelesen. Die Kernfrage für Vermieter lautet: „Welche Möglichkeiten habe ich, vor Vertragsabschluß Mietnomaden oder Miettouristen zu erkennen“.
Die wichtigste Auskunft über einen potentiellen Mieter, ist dessen Bonitätsauskunft.
Aus diesem Grund wurde die Online-Plattform MietPROfil.com – Portal für Vermieter, Hausverwaltungen und Immobilienmanager - entwickelt.
Hier wird die Bonität von Mietern auf zwei Wegen getestet:
- einerseits werden bei einer Mieterabfrage alle Einträge aus den Schuldnerverzeichnissen der deutschen Amtsgerichte überprüft (eidesstattliche Versicherung, Mahnbescheide, Insolvenzen, Haftbefehle …).
- zum Zweiten werden alle Einträge über Mieter aus der „Vermieter-Informiert-Vermieter“ Datenbank von MietPROfil abgefragt. Hier sind alle Erfahrungen und Bewertungen, die Vermieter über Mieter gemacht haben, durch einen einmaligen standardisierten Fragebogen gespeichert.
Vermieter enttarnen so „schwarze Schafe“ und warnen effektiv andere Betroffene.
Ausbleibende Mietzahlungen und unangebrachter Umgang mit dem Mietobjekt, bis hin zur kompletten Verwahrlosung der Wohnung, sind eine existenzielle Bedrohung für jeden Vermieter. Im geschäftlichen Bereich sind Bonitätsauskünfte Alltag; dieser Standard sollte auch für den privaten Bereich gelten.
Mit freundlichen Grüßen
S. Preuß (MietPROfil GbR)
10:06
Ich kann dazu nur sagen das wir unser kleines geerbtes 3-Familienhaus gerade genau aus diesen Gründen verkauft haben. Eigentlich war der Verkauf nie geplant, aber wir hatten in den letzten Jahren doch sehr viele Mieter, die z.B. ohne Kündigungsfristen die Wohnungen einfach verlassen haben oder nach der ersten Miete kam lange nichts. Das geht echt an die Nerven und kostet auch viel Geld. Auch einen Mieter der seine Wohnung total vermüllt hat war dabei. Eine Schufa für Mieter wäre schon angebracht.
10:06
Mir sagt dieser Bericht nix weiter als das, was man seit Bestehen der Menschheit kennt. Nämlich, daß es schwarze Scha(a)fe auf BEIDEN Seiten gibt. (Ebenso wie Leuts, die Krise halt mit ie schreiben).
Es gab mal eine Phase, in der ich aus beruflichen Gründen innerhalb 3 Jahre 2 mal umziehen durfte.
In sämtlichen Fällen hab ich unaufgefordert ein Mieterzeugnis vorgelegt und die Schufa hat sich erledigt. Denn wer blöd genug ist, sich nach wie vor auf diesen Schutzverein zu verlassen, der hat auch nix besseres als Mietnomaden verdient.
09:09
Schade, meinen Kommentar hätte ich mir sparen können, der Komment. von #13 Bob spricht mir aus der Seele!
09:05
Ich vermiete seit gut 10 Jahren eine kleine Eigenturmswohnung. Es gab einen regulären Mieterwechsel. Toi, Toi, Toi, noch kann ich mich nicht beklagen, die Mietzahlungen kommen pünktlich, bei Problemen wird sofort gehandelt. Ein Graus wäre mir, wenn ich bei neuen Mietverträgen feststellen müßte, dass vielleicht eine Zahlung, wenn überhaupt, eingeht, und danach der große Ärger kommt. Schließlich kann ich auch nicht bei Aldi, Lidl und Co. mir Waren aus den Regalen nehmen, und so einfach ohne zu Bezahlen wieder rausmarschieren...
09:01
Also die ganz Debatte hier ist leider aufgrund der schlechten Zahlungsmoral herbeigeführt! Natürlich gibt es auf jeder Seite schwarze Schaafe aber wie es sich zeigt ist der Mieter hier in deutschland besser dran! Der Vermieter um den es geht ist in der Regel kein Großkonzern der billigen Wohnraum für überteuerte Preise vermietet! Es ist der Otto-Normal Verbraucher die Familie mit zwei Kindern die versucht unter anderem für später und seine Kinder zu sorgen! Wenn jetzt also dem Vermieter dem Tilgung Zinsen und die Hausbank im Nacken hängt auf einen Mietnomaden trifft sollte er meiner Meinung nach spätestens nach drei Monaten Mietausfall berechtigt sein sich zu seiner Wohung zutritt zu verschaffen und den säumigen Mieter for die Tür zu setzen und da sollte jedes Mittel recht sein! Denn derjenige der sich den Allerwertesten aufreißt sich buckelt und plagt der wird leider heute auf gut deutsch beschissen! Es ist auch hier nicht mehr von Eigentum bzw. besitzen zu sprechen denn um als Mieter die Wohung zu besitzen (ich hoffe jedem ist der unterscheid zwischen Besitzen und Eigentum klar) muß ich auch zahlen! Mach ich das nicht hat der Mieter auch keinerlei Anspruch auf sein besitzen der Wohnung sprich Rechte aus einem Mietverhältnis!
Würde es so gehandhabt gäbe es keine Vermietervereine oder schwarzer listen usw.
Ein Mieter der zwischenzeitlich in einer finanziellen Kriese steckt und sich mit dem Vermieter in Verbindung setzt wird bestimmt nicht auf taube Ohren stoßen!
08:23
Als größter Vermieter in Witten mit ca. 1400 Wohnungen würden wir keine schwarze Liste führen und uns auch hieran nicht beteiligen, da in der Regel unsere Mieter pünktlich ihre Miete zahlen und die Wohnung pfleglich behandeln. Dass wir vernünftig und partnerschaftlich mit unseren Mietern umgehen, spiegelt sich in unserer äußerst geringen Leerstandsquote von unter 1% wider. Man kann nicht alle Mieter über einen Kamm scheren.
23:01
@rf: Da gibt es kein Problem, wenn es auch eine Schufa für Vermieter gibt.!!
@Kein Kapitalist: Wenn du weiterhin Äpfel mit Birnen vergleichst, kann man nur erahnen wie weich deine Birne ist.!!
@celli: Du bist also einer ohne Versicherungsschutz..TIPP von mir: Reden ist silber ..schweigen ist Gold..
22:00
@ubu: Wissen Sie, das eine Räumungsklage bis zu 12 Monate dauern kann? Das hat schon manche kleine Vermieter in den Ruin getrieben.
21:39
Mietnomaden haben keine Schonung verdient. Man muß gegen sie vorgehen. Ansonsten ufert der Missbrauch immer weiter aus. Jeder kleine Ladendieb, der erwischt wird, wird auch belangt. Hier muss für Gerechtigkeit gesorgt werden.