Wittener genießen Karibik-Feeling an der Ruhr

Saisoneröffnung Campingplatz Steeger in Witten am 21.04.2015 Elisabeth 63 und Günter 62 Krämer Foto: Barbara Zabka
Saisoneröffnung Campingplatz Steeger in Witten am 21.04.2015 Elisabeth 63 und Günter 62 Krämer Foto: Barbara Zabka
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Die ersten Camper sind wieder da. Mit türkisfarbenem Fransenschirm oder freiem Oberkörper genießen sie bei Steger die sommerlichen Temperaturen.

Witten..  Die Krämers haben großes Glück: Sie müssen an diesem sonnigen Tag nicht arbeiten. Und sie haben eine der schönsten Parzellen auf dem Campingplatz Steger: direkt am Wasser, mit eigenem Steg, an dem ein Bötchen dümpelt. „Das ist mein kleines Paradies“, sagt Elisabeth Krämer (63), die glücklich ist, dass die Saison endlich begonnen hat. Seit letzten Samstag ist auch die Kneipe auf dem Kult-Platz am Ende der Uferstraße wieder geöffnet.

„Aber noch ist es ruhig“, sagt Herbert Anstötz. Der 73-Jährige Wuppertaler macht hier quasi den Platzwart. Nur einmal in der Woche fährt er nach Hause, „um nach dem Rechten zu sehen“. Seit 20 Jahren hält er Steger die Treue. Warum er so gern campt? Anstötz guckt, als könne er die Frage kaum fassen. „Die Natur“, sagt er. Mehr nicht. Schließlich breitet sich vor unseren Augen die pure Idylle aus: Die Ruhr fließt gemächlich dahin, Schwäne und Enten schwimmen im Wasser. In der Ferne ist das Bergerdenkmal auf dem Hohenstein zu sehen. Und rundum Wald. Nur manchmal stört ein ratternder Zug die Stille. Aber den hört keiner mehr, der länger hier ist.

„Was will man mehr?“

„Da müssen Sie gar nicht in Urlaub fahren“, sagt Elisabeth Krämer. „Wenn ich hier unten bin, entspanne ich. Was will man mehr?“ Jeden Tag kommt sie vorbei. Labrador Louis (benannt nach Portugals ehemaligem Nationalspieler – sein Fell ist so dunkel wie einst Figos Mähne) stets im Schlepptau. Denn die Krämers wohnen in Witten-Mitte. „Wir haben keine Lust, ständig zwei Stunden bis zum Platz fahren zu müssen“, sagt Ehemann „Günni“ (62), ehemals technischer Angestellter bei Bosch-Rexroth, der im Juli das letzte Stück seiner passiven Altersteilzeit hinter sich hat und dann in Rente geht.

Klar, bis alles so schön aussieht – das sei schon viel Arbeit. Ende März haben sie den Wohnwagen, der oben auf dem Parkplatz überwintert, wieder an die rechte Stelle gerückt. Haben den Steg geschrubbt und lackiert. Den Strandkorb aufgestellt. Und Elisabeth Krämer hat jede Ecke liebevoll dekoriert: Lampions hängen in den Büschen, überall stehen Pötte mit Blumen, sogar einen Mini-Teich hat sie angelegt. „Mach den mal an“, bittet sie ihren Mann. Bald beginnt es zu plätschern.

Drei Jungs in Liegestühlen

Weiter hinten, fast am Ende des Campingplatzes, chillen drei Jungs in Liegestühlen und lassen sich die Sonne auf den eingecremten Bauch scheinen. Azubi Niklas Plate (21) kommt schon her, seit er denken kann. „Seit 30 Jahren steht unser Wagen auf dem Platz. Im Sommer ist das hier nicht schlecht.“ Die gemütliche Stimmung, wenn man abends mit anderen zusammensitzt. Die Natur (natürlich) – Niklas gerät ins Schwärmen. Heute hat er mal wieder seine Kumpels Lukas Bach (20, Student) und Merlin („wie der Zauberer“) Röttger (21, auch Azubi) mitgebracht. „Letzte Woche waren wir schon anschwimmen“, erzählt Merlin und grinst: „War aber noch ein bisschen kalt.“ Gleich wollen sie grillen. Später vielleicht noch mit dem Boot raus. Das Leben kann so schön sein, gleich um die Ecke, hier in Bommern.