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Serie „Mein erstes Auto“

Wittener fährt noch heute seinen „Kübel“ aus Leidenschaft

01.02.2016 | 19:11 Uhr
Wittener fährt noch heute seinen „Kübel“ aus Leidenschaft
Autoliebhaber Roland Schüler aus Witten. Foto: Thomas NitscheFoto: Thomas Nitsche

Witten.  Es war sein erster Wagen und er hat ihn immer noch. Roland Schüler liebt seinen Kübel-VW heiß und innig. Wobei: Bequem ist anders.

Betritt man die Räume der alten KFZ-Werkstatt in Bommernholz, spürt man sofort die Leidenschaft, die darin steckt. Großformatige Fotos, alte Werbeschilder aus Blech, Regale voller Ersatzteile bis unters Dach, ein Raum voller Matchbox-Autos und überall die Zahl 181 – sie zeugen in jeder Ecke von der Liebe, die Roland Schüler für den alten VW entwickelte.

Diese Liebe zu dem Volkswagenmodell 181, dem so genannten „Kübel“, hat nie aufgehört. Kein Wunder, dass das alte Schätzchen in Metallicgrün, Baujahr 1973, das Herzstück an diesem Ort ist. Es war das erste eigene Auto, das Schüler mit 18 bekam. Bis heute hegt und pflegt es der 50-Jährige.

Die Leidenschaft begann mit einem Zufall

Dabei war es eigentlich ein Zufall, wie der Bommeraner zum „Kübel“ kam. Das Auto heißt übrigens so nach einem Vorgängermodell. Es hatte kübelförmige Sitze, damit man nicht herausfallen konnte. Als Kind eines KFZ-Mechanikers mit eigener Werkstatt, eben jener in Bommernholz, wuchs Schüler zwischen Autos auf. Als Jugendlicher schraubte er mit.

Anfang der 1970er Jahre begann der Vater, von der Bundeswehr ausgemusterte 181er zu ersteigern. Er reparierte sie und verkaufte sie weiter. Im Jahr vor seinem 18. Geburtstag werkelte der junge Roland selbstständig an einem der Autos: damals noch tarnfarben mit eingedrückter Motorhaube. „Die Frage, welches Auto mein erstes werden sollte, stellte sich gar nicht“, erinnert sich der Chemikant. „Der wurde einfach zum richtigen Zeitpunkt fertig.“

„Verrückt muss man sein. Und leidensfähig“

Während andere Altersgenossen Käfer, Kadett oder Ford Fiesta fuhren, hatte Schüler eben einen kantigen Geländewagen mit aufklappbarem Verdeck, Standheizung und ratterndem Heckmotor. „Ein bisschen verrückt muss man schon sei, um ein solches Auto zu fahren. Und leidensfähig“, sagt er selbst. Dieser VW sei laut, kalt und ohne jeglichen Komfort. Ende der 1960er Jahre als militärischer Geländewagen für die Bundeswehr konzipiert, ist er als privates Alltagsfahrzeug eigentlich wenig tauglich. Roland Schüler: „Das Fahren im Sommer wiegt das aber alles wieder auf. Wenn man das Verdeck aufmacht und den blauen Himmel sieht.“

Der 90 Kilometer „schnelle“ Grüne begleitete den Wittener trotz aller Widrigkeiten durch den Alltag, in den Urlaub, sei es zum Campen in Südfrankreich oder zum Städtetrip nach Berlin, bei Umzügen und sogar bei seiner Hochzeit. Alljährlich traf er zu Pfingsten Gleichgesinnte. „Irgendwann ging mir der Wagen einfach in Fleisch und Blut über. Heute fühle ich eine tiefe Verbundenheit. Dieses Auto ist wie ein guter Freund. Es ist mit mir durch dick und dünn gegangen“, sagt Schüler.

Schüler ist Kübel-Experte

In der „Kübel-Szene“ gilt er weit über die Landesgrenzen hinaus mit seinem riesigen Ersatzteillager, der großen Sammlung an 181ern als Modellautos, Reparaturleitfäden und Spezialwissen als Experte. Trotzdem ist ihm wichtig, das Hobby neben seinem Beruf nicht zu übertreiben. „Wer fragt, kriegt eine Antwort“, sagt er. „Aber eine Internetseite oder einen Ebay-Shop wird man bei mir niemals finden.“

Kristina Gerstenmaier

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2016-02-01 19:11
Witten