Wittener erhält Bewährung für Böller-Attacke auf Automaten

Explosion mit großer Wirkung: So sah es aus, als Unbekannte im Jahr 2013 einen Zigarettenautomat an der Alte Straße in Bommern sprengten. Die Täter wurden, anders als im aktuellen Fall, nie gefasst.
Explosion mit großer Wirkung: So sah es aus, als Unbekannte im Jahr 2013 einen Zigarettenautomat an der Alte Straße in Bommern sprengten. Die Täter wurden, anders als im aktuellen Fall, nie gefasst.
Foto: Polizei
Was wir bereits wissen
Ein Wittener sprengte einen Zigarettenautomaten in die Luft. Er und seine Kumpel kamentrotz weiterer Vergehen vor Gericht mit blauem Auge davon.

Witten..  Es war mehr als nur ein Dummejungenstreich: Ein 22-jähriger Wittener wollte im Juni vor zwei Freunden prahlen und steckte einen Böller in einen Zigarettenautomaten. Der Kasten zerfetzte, die Männer flohen mit reichlich Glimmstängeln. „Dabei hätte leicht jemand umkommen können“, mahnte Richter Dr. Axel Deutscher beim Prozess gegen das Trio am Montag in Bochum.

Zwei der Männer, der 22-Jährige und ein weiterer Wittener (33), mussten sich zudem wegen etlicher Betrugstaten verantworten. Ersterer nahm zwei Personen mit deren Kreditkarten aus, der 33-jährige gelernte Koch hatte Musikequipment im Wert von über 15 000 Euro gemietet und zu Geld gemacht. Trotz dieser Taten und der teils massiven Vorstrafen kamen alle Männer mit Bewährungsstrafen davon: Der 22-Jährige wurde zu einem Jahr und zehn Monaten verurteilt, der 33-Jährige zu zwei Jahren (Betrug) sowie einem Jahr (Zigarettenautomat), der Dritte im Bunde zu 16 Monaten.

Besonders der Koch aus Witten kam mit zwei blauen Augen davon. „Das war mehr Gnade vor Recht, und zwar mit Blick auf das Kind“, sagte der Richter. Der 33-Jährige ist seit kurzem Vater einer Tochter. Neben seiner Bewährungsstrafe muss er 480 Sozialstunden ableisten. „Es muss Ihnen wehtun“, so Deutscher. Denn der Musikgeräte-Betrug des mehrfach vorbestraften Mannes -- Urkundenfälschung, Unterschlagung, Hehlerei, Betrug -- war wahrlich kein Kavaliersdelikt.

Einen Batzen Briefe aus einem Postfahrrad gestohlen

Nach eigenen Angaben hatte ihn seine Freundin vor die Tür gesetzt, so der Koch. Er habe Geld gebraucht und mietete sich schließlich die teuren Geräte, darunter Beamer, Mischpult, CD-Player. Statt sie wieder zurückzubringen, verkaufte er sie -- machte aber angeblich nur einen Mini-Gewinn von ein paar hundert Euro, der kaum die zuvor gezahlte Kaution überstieg.

Auch der 22-Jährige war wegen Betruges angeklagt. „Ich habe in ein Postfahrrad gegriffen, mir einen Batzen Briefe gepackt und aufgemacht“, erklärte er. Dabei entdeckte er zwei Kreditkarten, mit denen er fleißig shoppen ging: im Supermarkt, beim Juwelier, im Schuhgeschäft. Hintergrund des Kaufrausches war offenbar eine schwere Drogenabhängigkeit. Schaden für die beiden Opfer: insgesamt 3100 Euro, bei weiteren 4000 Euro blieb es beim Versuch. Dumm gelaufen für den Wittener: Er ließ sich Möbel an seine Anschrift liefern - der Schwindel flog auf.

Die im wahrsten Sinne explosivste Tat ereignete sich am Bahnhof Langendreer. Im Falle des gesprengten Zigarettenautomaten war der 22-Jährige der Hauptangeklagte, die beiden anderen eher Mitläufer. „Ich hatte einen Böller dabei und habe den Automaten aufgesprengt“, so der Arbeitslose. „Ich hätte nicht gedacht, dass das so eine Wirkung hat“. Die Kippen flogen nur so durch die Luft - da ließen sich die Männer nicht zweimal bitten und machten sich die Taschen voll.