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Wittener Eltern wollen Kita-Schließung nicht hinnehmen

23.01.2015 | 06:00 Uhr
Wittener Eltern wollen Kita-Schließung nicht hinnehmen
Eltern wollen die Schließung des Augustinchens verhindern.Foto: Thomas Nitsche

Witten.   Das Augustinchen in der Augustastraße soll dicht machen. Jugendamt räumt Nachfragedruck in der City ein: 40 Plätze fehlen

Die Stimmung ist gedämpft in der Kita Augustinchen. Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass der Kindergarten in der Augustastraße in der Innenstadt schrittweise schließen wird. Schon im kommenden Kindergartenjahr 2015/16 wird die Einrichtung keine neuen Kinder mehr aufnehmen. Am Donnerstagmittag machten Eltern ihrem Ärger Luft.

„Wir werden die Schließung der Einrichtung nicht so ohne weiteres hinnehmen“, sagt Mutter Nadine Frey. Wie immer um ein Uhr mittags holt sie ihre beiden Kinder aus dem Augustinchen ab – als Elternbeiratsvorsitzende engagiert sie sich auch abends noch für die Belange der Kita. „Mein jüngstes Kind ist jetzt zweieinhalb und wird in zwei Jahren fast das letzte Kind sein, das noch hier betreut wird – das ist doch kein Zustand, wenn hier am Ende noch sechs Kinder bespaßt werden.

Dafür gebe ich mein Kind nicht in den Kindergarten“, sagt Frey. Außerdem sei die Nachfrage nach Kita-Plätzen in der Innenstadt hoch. „Für Familien ist es wichtig, dass sie die Kita zu Fuß erreichen können. Schon wenn die Kinder zur Sandstraße oder zur Bergerstraße gehen müssen, wird das ein Problem.“ Das sieht auch Mutter Ina Wollstein ähnlich. „Meine Tochter hat hier im Kindergarten Freundschaften mit Nachbarskindern geknüpft. Da kann sie sogar alleine hingehen. Für uns ist es wichtig, dass der Kindergarten um die Ecke liegt.“

Zukunft ist noch unklar

Was in Zukunft mit Kindern aus der Umgebung des Kindergartens Augustinchens geschehen soll, ist unklar. In der Übergangsphase sollen Geschwisterkinder in den beiden evangelischen Einrichtungen Sandstraße und Bergerstraße aufgenommen werden. Doch auch die stehen unter Druck. Und auch die städtische Einrichtung an der Luisenstraße, mit fünf Gruppen der größte Kindergarten Wittens, kann zurzeit keine zusätzlichen Kinder mehr aufnehmen.

Kommentar
Unbefriedigend für alle Beteiligten

Das Augustinchen an der Augustastraße besteht seit über 40 Jahren. Für viele Wittener gehört es zur Lebensgeschichte. Gerade Kindern mit schwierigen Startbedingungen dient es noch heute als wichtiger Anker. Doch die Schließung des Kindergartens Augustinchens ist nicht nur deswegen bitter. Sie hinterlässt ein Gefühl der Ohnmacht, weil sie einer Gesetzeslage geschuldet ist, die Familien nicht hilft. Weil Witten rechnerisch die geforderte Quote an U-3-Plätzen erfüllt, bekommt die Stadt keine Landeszuschüsse für einen Ausbau. Weil das Land grundsätzlich keine Renovierungen von Einrichtungen bezuschusst und die Stadtkasse leer ist, kann das marode Gebäude nicht instand gesetzt werden. Trotzdem wird der Innenstadtkindergarten dringend gebraucht, weil besonders in der City mehr Bedarf besteht, als Kita-Plätze vorhanden sind. Benötigt werden vor allem Plätze für über Dreijährige, denn für jeden geschaffenen U-3-Platz fallen in den Kitas Ü-3-Plätze weg. Doch für über Dreijährige gibt es vom Land kein Geld. Die Situation ist für alle Beteiligten unbefriedigend.

„In der Innenstadt haben wir im Moment kaum Möglichkeiten, die fehlenden Plätze aufzufangen“, erklärt Jugendamtschefin Jutta Schmidt. Zumal auch die Notgruppe an der Sandstraße mit 20 Kindern im Sommer auslaufe. Mit den fehlenden Plätzen im Augustinchen sind das rund 40 Plätze, die im kommenden Kindergartenjahr wegfallen.

Neue Einrichtung erst 2018

„Langfristig wird die neue Einrichtung an der Dortmunder Straße mit vier Gruppen Entlastung schaffen. Aber die wird erst im Jahr 2018 fertig sein“, betont Schmidt. Die Stadt sucht im Moment nach Lösungen für den Übergang. „Zwei Notgruppen ab Sommer 2015 würden uns schon helfen“, meint Schmidt. Aber die müsste das Land bewilligen und bezuschussen.

Ein weiteres Problem: Auch der Kindergarten an der Sandstraße ist sanierungsbedürftig. „Wenn hier eine Notgruppe eingerichtet werden sollte, müsste erst renoviert werden“, so die Jugendamtschefin. Und das wäre mit ähnlichen Kosten verbunden wie die Renovierung des Augustinchens. „Hier stehen wir vor demselben Problem: Das Land bezuschusst nur Neugründungen, keine Renovierungen. Und wir als Stadt können das Geld für die Reparatur nicht aufbringen.“

Genaue Zahlen gibt’s Ende Februar

Wie viele Kinder im kommenden Kita-Jahr tatsächlich unversorgt sein werden? „Ende Februar werden die genauen Zahlen feststehen, am 15. März schicken wir die Förder-Anträge an das Landesjugendamt raus“, sagt Schmidt

Tina Bucek

Kommentare
25.01.2015
03:04
Wittener Eltern wollen Kita-Schließung nicht hinnehmen
von gatsby1960 | #2

Das Augustinchen gibts seit mehr als 50 Jahren. Als ich dorthin kam, war ich drei Jahre alt, heute bin ich 55. Es wäre sehr traurig, wenn es wieder...
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Wittener Eltern wollen Kita-Schließung nicht hinnehmen
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http://www.derwesten.de/staedte/witten/wittener-eltern-wollen-kita-schliessung-nicht-hinnehmen-id10264970.html
2015-01-23 06:00
Witten