Wittener Bündnis tritt für Wiederaufbau ein

Der recht Flügel wurde durch das Feuer am 25. Januar völlig zerstört, Hinten: das Waldorfinstitut. Foto:Thomas Nitsche
Der recht Flügel wurde durch das Feuer am 25. Januar völlig zerstört, Hinten: das Waldorfinstitut. Foto:Thomas Nitsche
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Help-Kiosk und Waldorfinstitut wollen neue Unterkunft für Flüchtlinge bauen. Sie möchten ein Zeichen gegen Fremdenhass setzen und suchen Mithelfer.

Witten..  Zehn Tage, nachdem Brandstifter die geplante Flüchtlingsunterkunft auf dem Annener Berg in Schutt und Asche gelegt haben, steht fest: Dort soll ein neues Haus für Flüchtlinge gebaut werden.

Am Anfang stand eine Trotzreaktion. Als Leitungsmitlied vom Help-Kiosk war Helmut Kunstmann schon seit einem halben Jahr eingebunden in die Überlegungen des Waldorfinstitutes, in den 15 Jahre alten, aber noch intakten Holzbaracken 25 Flüchtlinge mietfrei unterzubringen. Als er jetzt, wenige Tage vor dem Einzugstermin, vor der Brandruine stand, war er fassungslos wie viele andere. Er sagte sich aber auch: „Das können wir nicht auf uns sitzen lassen!“

Wie „Phönix aus der Asche“

Die Brandstifter sollten nicht das letzte Wort behalten. Kunstmann warb für einen Wiederaufbau. Am Freitag kündigten der Help-Kiosk und das Waldorfinstitut diesen in einer gemeinsamen Erklärung an: „Wie ein Phönix aus der Asche“ sollen auf den Trümmern schöne und vielleicht sogar größere Unterkünfte für Flüchtlinge entstehen.

Der Initiative geht es nicht nur um neue Gebäude: „Das soll ein Projekt von ganz vielen Wittenern werden, die den Frust und die Verletzungen durch diese Tat umsetzen wollen in positive Energie“, so Kunstmann. Und ein Signal soll es werden: „Wir wollen uns als Wittenern damit ein Denkmal setzen für unsere Willkommenskultur!“

Unsterstützer gesucht für Projekt „Bauhütte“

Deshalb wollen der Help-Kiosk und das Waldorfinstitut für das Projekt „Bauhütte“ möglichst viele Bürger ins Boot holen. Das Wiesenviertel und die Studierendengemeinschaft der Uni sind dabei. Sicher werde man irgendwann zu Geld- oder Materialspenden aufrufen, so Kunstmann. In guter Tradition des Help-Kiosks will man aber auch schauen, welches handwerkliche oder sonstige berufliche Talent jemand mitbringt. Auf jeden Fall will Kunstmann versuchen, Flüchtlinge und vielleicht auch „über die Volkshochschule“ Langzeitarbeitslose einzubinden. „Das Gemeinschaftsprojekt“, heißt es in der Erklärung, „soll auch für gelebte Integration und gegen Ängste und Bedenken stehen“.

Lange um Entscheidung gerungen

Das Institut für Waldorfpädagogik hat sich die Entscheidung für den Wiederaufbau selbst nicht leicht gemacht. Sie fiel auf einer Klausurtagung von Dozenten und Verwaltung. Erst nach mehrstündiger Diskussion habe man sich dazu „durchgerungen“, sagt Dozent Stephan Nussbaum (58). Die Baracken wären ja schließlich ohnehin abgerissen worden. „Nach dem Brand haben wir uns aber gefragt: Wollen wir weggucken oder was passiert hier gerade in unserer Stadt? Und in was für einer Stadt wollen wir leben?“
Die Antwort gibt er gleich selbst: „Ich wünsche mir, in einer menschlichen Stadt zu leben, in der Mitleid und Mitgefühl Platz haben.“

Staatsschutz ermittelt

Die Polizei geht bei dem Feuer am Montag, 25. Januar, ab 3 Uhr früh, von Brandstiftung aus. Ein fremdenfeindlicher Hintergrund gilt als wahrscheinlich. Der Sonderkommission „Berg“ gehört auch der Staatsschutz an. Hinweise: 209-4505.

Nach erster Schätzung lag der Schaden bei 70 000 Euro. Was die Brandschutzversicherung übernimmt, steht nicht fest.

Das Bündnis hat die Nachbarn gestern per Postwurf informiert und zu einem Treffen eingeladen.