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Brandanschlag

Wittener Bündnis tritt für Wiederaufbau ein

05.02.2016 | 19:06 Uhr
Wittener Bündnis tritt für Wiederaufbau ein
Der recht Flügel wurde durch das Feuer am 25. Januar völlig zerstört, Hinten: das Waldorfinstitut. Foto:Thomas Nitsche

Witten.   Help-Kiosk und Waldorfinstitut wollen neue Unterkunft für Flüchtlinge bauen. Sie möchten ein Zeichen gegen Fremdenhass setzen und suchen Mithelfer.

Zehn Tage, nachdem Brandstifter die geplante Flüchtlingsunterkunft auf dem Annener Berg in Schutt und Asche gelegt haben, steht fest: Dort soll ein neues Haus für Flüchtlinge gebaut werden.

Am Anfang stand eine Trotzreaktion. Als Leitungsmitlied vom Help-Kiosk war Helmut Kunstmann schon seit einem halben Jahr eingebunden in die Überlegungen des Waldorfinstitutes, in den 15 Jahre alten, aber noch intakten Holzbaracken 25 Flüchtlinge mietfrei unterzubringen. Als er jetzt, wenige Tage vor dem Einzugstermin, vor der Brandruine stand, war er fassungslos wie viele andere. Er sagte sich aber auch: „Das können wir nicht auf uns sitzen lassen!“

Wie „Phönix aus der Asche“

Die Brandstifter sollten nicht das letzte Wort behalten. Kunstmann warb für einen Wiederaufbau. Am Freitag kündigten der Help-Kiosk und das Waldorfinstitut diesen in einer gemeinsamen Erklärung an: „Wie ein Phönix aus der Asche“ sollen auf den Trümmern schöne und vielleicht sogar größere Unterkünfte für Flüchtlinge entstehen.

Der Initiative geht es nicht nur um neue Gebäude: „Das soll ein Projekt von ganz vielen Wittenern werden, die den Frust und die Verletzungen durch diese Tat umsetzen wollen in positive Energie“, so Kunstmann. Und ein Signal soll es werden: „Wir wollen uns als Wittenern damit ein Denkmal setzen für unsere Willkommenskultur!“

Unsterstützer gesucht für Projekt „Bauhütte“

Kommentar
Mutige und richtige Entscheidung

Das Institut für Waldorfpädagogik kennt fast jeder, der mit dem Auto über die A 44 fährt. Mancher Wittener erkennt daran, dass er wieder zu Hause ist. Die Holzbaracken kannte nur, wer sich schon mal zu Fuß auf den Annener Berg verirrt hat.

Man muss vielleicht vor der Ruine gestanden haben, um zu ermessen, was dort passiert ist. Ein paar Tage, bevor Familien aus Syrien und dem Irak einziehen sollten, haben Kriminelle die Holzhäuser „abgefackelt“. Schon am 3. September hatte es den Anschlag auf das Gästehaus in Bommerholz gegeben. Dort kam es zwar nur zu einem Kleinfeuer. Es war aber nur sehr glücklichen Umständen zu verdanken, dass nicht mindestens ein ganzer Hausflügel in Flammen aufging.

Auch wenn man hinter diesen kriminellen Taten eine kleine Minderheit vermuten darf, gehen davon verheerende Signale aus: Man versetze sich in die Haut der Flüchtlinge. Man denke auch einmal an Hauseigentümer, die vielleicht an sie vermieten wollen. Nicht umsonst wählt die Stadt für die Großunterkunft ein umzäuntes Gewerbegelände.

Lassen wir es zu, dass Brandstifter das Rad in der Flüchtlingspolitik herumwerfen? Räumen wir ihnen das Feld? Oder setzen wir ein stärkeres Zeichen dagegen? Eine neues Haus zu bauen, ist keine einfache Entscheidung, aber die richtige und eine sehr mutige. Wer kann, sollte dieser Initiative den Rücken stärken. Der Wiederaufbau sollte zur Ehrensache für alle Bürger werden. Damit man immer wieder gerne nach Witten kommt.

Von Johannes Kopps

Deshalb wollen der Help-Kiosk und das Waldorfinstitut für das Projekt „Bauhütte“ möglichst viele Bürger ins Boot holen. Das Wiesenviertel und die Studierendengemeinschaft der Uni sind dabei. Sicher werde man irgendwann zu Geld- oder Materialspenden aufrufen, so Kunstmann. In guter Tradition des Help-Kiosks will man aber auch schauen, welches handwerkliche oder sonstige berufliche Talent jemand mitbringt. Auf jeden Fall will Kunstmann versuchen, Flüchtlinge und vielleicht auch „über die Volkshochschule“ Langzeitarbeitslose einzubinden. „Das Gemeinschaftsprojekt“, heißt es in der Erklärung, „soll auch für gelebte Integration und gegen Ängste und Bedenken stehen“.

Lange um Entscheidung gerungen

Das Institut für Waldorfpädagogik hat sich die Entscheidung für den Wiederaufbau selbst nicht leicht gemacht. Sie fiel auf einer Klausurtagung von Dozenten und Verwaltung. Erst nach mehrstündiger Diskussion habe man sich dazu „durchgerungen“, sagt Dozent Stephan Nussbaum (58). Die Baracken wären ja schließlich ohnehin abgerissen worden. „Nach dem Brand haben wir uns aber gefragt: Wollen wir weggucken oder was passiert hier gerade in unserer Stadt? Und in was für einer Stadt wollen wir leben?“
Die Antwort gibt er gleich selbst: „Ich wünsche mir, in einer menschlichen Stadt zu leben, in der Mitleid und Mitgefühl Platz haben.“

Staatsschutz ermittelt

Die Polizei geht bei dem Feuer am Montag, 25. Januar, ab 3 Uhr früh, von Brandstiftung aus. Ein fremdenfeindlicher Hintergrund gilt als wahrscheinlich. Der Sonderkommission „Berg“ gehört auch der Staatsschutz an. Hinweise: 209-4505.

Nach erster Schätzung lag der Schaden bei 70 000 Euro. Was die Brandschutzversicherung übernimmt, steht nicht fest.

Das Bündnis hat die Nachbarn gestern per Postwurf informiert und zu einem Treffen eingeladen.

Johannes Kopps

Kommentare
09.02.2016
10:10
Sorry UKW haben Sie keinen Frisör
von vomDach | #8

dem Sie das erzählen können.
Sie habe es nicht verstanden, was ich geschrieben habe. Ich kenne keine bösen Menschen, ich weiß nur, dass die...
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2 Antworten
Wittener Bündnis tritt für Wiederaufbau ein
von ukw123 | #8-1

@vomDach:

Bürgerwünsche sind Luxuswünsche ???

Die Ausbesserung von katastrophalen Straßen ist auch nur ein Luxuswunsch?

...mir geht das jetzt zu weit am Thema vorbei!

Und ich möchte Sie noch darauf hinweisen, dass ich sehr gut Geschwafel von vernünftiger Argumentation unterscheiden kann.

Es ist nun mal meine Meinung: die Verantwortlichen der Stadt Witten haben sich in der jüngeren Vergangenheit an vielen Stellen durch Mißwirtschaft und Inkompetenz ausgezeichnet.

ja ukw viele Bürgerwünsche sind Luxuswünsche
von vomDach | #8-2

die Straßen sicher nicht, aber sicher der Hundekoteimer und die Grillplätze.
Lesen Sie doch mal was die ganzen Selbstverwirklicher hier wünschen, Schwimmbäder an der Ruhr oder Kreisverkehr an der Bahnhofstr. oder schönere Weihnachtsbeleuchtung oder............
Die Verwaltung und Politik macht das nicht erst seid kürzerer Zeit sondern seid Jahrzehnten, anders kommen 360 Mio nicht zustande.

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Wittener Bündnis tritt für Wiederaufbau ein
Wittener Bündnis tritt für Wiederaufbau ein
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http://www.derwesten.de/staedte/witten/wittener-buendnis-tritt-fuer-wiederaufbau-ein-id11533387.html
2016-02-05 19:06
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