Wittener Borussen-Fan baut Stadion aus Legosteinen nach

„Ich bin Perfektionist“: Damit die Details stimmen hat Rainer Nowak (43) aus Witten oft das echte Stadion in Dortmund besucht und Fotos gemacht.
„Ich bin Perfektionist“: Damit die Details stimmen hat Rainer Nowak (43) aus Witten oft das echte Stadion in Dortmund besucht und Fotos gemacht.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
An seinem Modell hat Rainer Nowak drei Jahre lang gearbeitet: 3700 Stunden, eine Million Steine, 5 Meter lang, 600 Kilo schwer. BVB versteigert es.

Witten/Dortmund.. Angefangen hat alles mit einem Schlaganfall. Stress hatte den Illustrator Rainer Nowak ausgebrannt, ständig hatte er seine Arbeit im Kopf, auch nach Feierabend. „Ich brauchte dringend einen Ausgleich.“ Den fand der 43-Jährige durch Zufall: Lego. „Ich habe zwei Bauteile gesehen, die zum BVB-Stadion passen könnten.“ Er fing an, die Heimstätte des Fußballerstligisten Borussia Dortmund zu basteln, zunächst nur eine kleine Ecke. Plötzlich packte ihn der Ehrgeiz. Dass es schließlich jedoch ein riesiges Modell werden sollte und ein noch größeres Projekt, das ahnte Nowak nicht, als er vor drei Jahren die ersten Steine ineinandersteckte.

Inzwischen hat er knapp eine Million Legosteine verbaut, schätzt er, und sein Stadionmodell ist gut fünf Meter lang, zwei breit und 1,70 Meter hoch. Es wiegt stolze 600 Kilogramm. Bis Sonntagabend versteigert der BVB Dortmund es zugunsten eines gutes Zwecks.

Keine Baupläne oder Skizzen

Von klein auf drückte Nowak der Borussia die Daumen und ging gerne ins Stadion. Seine Ehefrau Sarah ist gebürtige Dortmunderin und heißblütige BVB-Anhängerin. Was als „kleiner Spaß“ begann, wurde schnell zum ausgewachsenen Hobby. Gute 3700 Arbeitsstunden reine Bauzeit hat Rainer Nowak in sein Modell gesteckt. „Ich bin Pragmatiker, ich hatte keine Baupläne oder Skizzen.“ Seinen Plan hatte er ausschließlich im Kopf. Trotzdem funktionierte nicht immer alles, wie er es wollte, einige Elemente musste er mit der Faust einpassen oder nicht umsetzbare Ideen wieder zurückbauen. „Es ging nur Stück für Stück voran.“

Doch das Modell wuchs und wuchs stetig und damit auch der Aufwand: Nowak durchforstete einen Lego-Produktkatalog mit knapp 64 000 Einzelteilen, bestellte Steine, die in Deutschland vergriffen waren, bei einer Lego-Hotline in London. Zudem besuchte er regelmäßig einen Händler in Krefeld – und Sekundenkleber gehörte zu jedem Wochenendeinkauf.

Erstmals vollständig zusammengebaut

Letztlich wurde sein altes Atelier für das Projekt zu klein, auch sein Haus am Kleff. „Ich hatte 2700 Euro reingepfeffert, das wurde dann aber zu viel und zu groß.“ Der Miniaturstadionbau stand unvollendet vor dem Ende, doch dann hörte Borussia Dortmund davon und übernahm die restlichen Kosten, zudem fand sich ein Lagerplatz.

Jetzt wird das Modell, das die offene Südhälfte zeigt, erstmals vollständig zusammengebaut und ist im Vereinsmuseum des echten Signal Iduna Parks ausgestellt. Weil aber dem Erstligisten ebenfalls der Platz fehlt, versteigert der Verein Nowaks Kunstwerk derzeit im Internet zugunsten der Stiftung „Leuchte auf“, die sich für Jugendliche und gegen Rassismus einsetzt.

Versteigerung macht wehmütig

Die Versteigerung macht Rainer Nowak wehmütig. „Ich hoffe, dass es in der Nähe bleibt. Ich möchte es weiter sehen, weiter pflegen, vielleicht mit Figuren bevölkern oder Licht installieren.“ Inzwischen hat er sogar die U-Bahnstation „Theodor-Fliedner-Heim“ nachgebaut, an der zu Heimspielen die Fans ankommen. Das benachbarte Autohaus und das Hotel könnten folgen, „aber das wäre irgendwie Größenwahn“, flachst Nowak. Seine Horrorvision: „Dass das Stadion ein Borussenhasser kauft, der es kaputt schlägt oder vom Hochhaus schmeißt.“ Denn er hat nicht einfach den Signal Iduna Park modelliert. Als echter BVB-Fan weiß er ganz genau, was er aus den Legosteinen geschaffen hat: „Ich habe unseren Tempel nachgebaut.“