Wittener Anwohner verärgert über Kahlschlag

Ortstermin an der A 43 in Heven: Dierk Goeke (l.), Chef der Autobahnmeistereien, und Anwohner Dietmar Schubring diskutieren den Kahlschlag.
Ortstermin an der A 43 in Heven: Dierk Goeke (l.), Chef der Autobahnmeistereien, und Anwohner Dietmar Schubring diskutieren den Kahlschlag.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
An einem Teilstück der A 43 im Bereich Heven gibt’s kein Grün mehr, dafür freien Blick auf die Fahrzeuge und größere Lärmbelästigung. Ein Ärgernis.

Witten..  Vor allem vom ersten Stock seines Reihenhauses im Frackmannsfeld am Rand der sogenannten Holland-Siedlung hat Dietmar Schubring einen schönen Blick: nicht nur auf die Hevener Felder und Wiesen, sondern vor allem auf die rund 250 Meter entfernte Autobahn 43. Jedes Fahrzeug kann er dort genau erkennen. Denn seitdem die Autobahnmeisterei veranlasst hat, dass das Begleitgrün radikal gerodet wird, wächst dort auf mehreren hundert Metern kaum noch ein Halm aus der Erde.

Problem: Hochspannungsleitung

Es war am 16. März, als Schubring seinen Augen kaum traute: Arbeiter waren dabei, die teils acht bis neun Meter hohen Gewächse sowie das Gebüsch, beginnend an der Universitätsstraße in Richtung Ausfahrt Querenburg, komplett zu kappen. Problem Nummer eins: Der Bürger weiß, dass laut Gesetz zwischen März und September aus Gründen des Naturschutzes – Vögel können darin nisten – keine Bäume und Hecken geschnitten werden dürfen.

Schubring rief die Polizei. Die stoppte eine halbe Stunde später zunächst die Aktion. „Dann wurde nur noch direkt an der Leitplanke entlang geschnitten“, so Schubring. Immerhin stellte sich heraus: Es gab eine Sondergenehmigung. „Wir schaffen es nicht immer, im vorgegebenen Zeitraum tätig zu werden“, erklärt Dierk Goecke, Master-Leiter der Autobahnmeistereien Hagen, Lüdenscheid und Freudenberg.

Problem Nummer zwei – und das wurmt Schubring, und natürlich auch alle Nachbarn, noch viel mehr: der nun freie Blick auf die Autobahn. 1996, als er den Kaufvertrag für sein Haus unterschrieb, sei von der nämlich nichts zu sehen gewesen. Das viele Grün verbarg die Fahrzeuge und filterte den Feinstaub, zumindest von Frühjahr bis Herbst. „Dann konnte man auch den Lärm einigermaßen ertragen.“

Sicher, die Pflanzen dort seien regelmäßig gekürzt worden. Aus Sicherheitsgründen: Schließlich verläuft eine Hochspannungsleitung über diesen Autobahnabschnitt. Auch vor zehn Jahren sei schon mal ein radikaler Schnitt erfolgt. „Aber jetzt wächst dort gar nichts mehr“, ist sich Dietmar Schubring sicher. Das mochte Autobahnmeisterei-Chef Goecke nicht glauben und schaute deshalb gestern selbst vorbei. Um festzustellen: „Der Schnitt ist sehr radikal, aber korrekt. Die Pflanzen werden wieder ausschlagen.“

Er verstehe auch das Problem der Anwohner. „Aber wenn wir die Büsche und Bäume nur um die Hälfte kürzen, müssen wir das regelmäßig alle zwei bis vier Jahre machen. Und dafür haben wir einfach nicht das Personal.“ Sein Vorschlag: Im Herbst will er sich die Situation erneut ansehen. Sollte dann tatsächlich nichts sprießen, könne man über eine Ersatzpflanzung zumindest außerhalb des Bereichs der Hochspannungsleitung nachdenken. „Aber“, lächelt er, „vertrauen Sie einfach der Natur“.