Wittener Ärzte halten neue Servicestelle für unnötig

Termin gekriegt: Ein Hautarzt untersucht eine Patientin bei einer Hautkrebs-Früherkennung.
Termin gekriegt: Ein Hautarzt untersucht eine Patientin bei einer Hautkrebs-Früherkennung.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Jeder kranke Wittener, der dringend zum Facharzt muss, bekommt innerhalb weniger Tage einen Termin – das sagen die niedergelassenen Ärzte.

Witten..  Viele Kassenpatienten haben bisher offenbar monatelange Wartezeiten in Kauf nehmen müssen, bevor sie einen Termin beim Facharzt bekommen haben. Deshalb gibt es seit dieser Woche zentrale Terminvergabestellen, die das Warten auf höchstens vier Wochen begrenzen sollen. Darüber kann der Wittener Ärztesprecher Dr. Frank Koch nur lachen. „Unsere Patienten brauchen diese Servicestelle nicht“, sagt er. Denn in der Ruhrstadt erhalte jeder seinen dringend benötigten Termin beim Facharzt innerhalb weniger Tage.

Möglich macht’s die Ärztliche Qualitätsgemeinschaft (ÄQW), zu der die meisten der 130 Wittener Mediziner sich zusammengeschlossen haben. „Wir haben da vorgearbeitet“, sagt Koch. Zwei Möglichkeiten gebe es – nicht erst seit dieser Woche – für jene Patienten. Die einfachste – und am häufigsten praktizierte: Der Hausarzt ruft beim Facharzt an und bittet um einen Termin.

Probleme eher bei selteneren Disziplinen

„Bei uns kommt in der Regel jeder am selben Tag dran, spätestens nach zwei bis drei Tagen“, sagt Hals-Nasen-Ohrenarzt Dr. Klaus-Peter Tillmann. Auch er sieht für Wittener keinen Bedarf, die Servicestelle in Anspruch nehmen zu müssen. Probleme könne es höchstens bei ärztlichen Disziplinen geben, die in der Ruhrstadt nicht so häufig anzutreffen seien, etwa Neurologen, Kardiologen oder Augenärzte. Jene würden in einer Akutsprechstunde sichten, ob eine Diagnose sofort gestellt werden muss, oder ob es reicht, einen regulären Termin auszumachen.

Die ÄQW habe, so Ärztesprecher Koch, außerdem längst ein eigenes Formular entworfen, das die Hausärzte den Patienten mit entsprechenden Vermerken zur Dringlichkeit für den Facharzt mitgeben können. Inzwischen ersetzen die klassischen Überweisungsscheine im Prinzip dieses Formular. Denn darauf gibt es jetzt ein Feld mit einem Dringlichkeitscode, wie Klaus-Peter Tillmann bestätigt. Allerdings müsse sich – wird dieses genutzt – der Patient zunächst selbst an den Facharzt wenden. Gebe es Probleme, könne er tatsächlich bei jener Servicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung anrufen. Wittener Kassenpatienten gehören zum Bereich Westfalen-Lippe und müssten sich bei einem Call-Center in Dortmund melden ( 0231/94 32 94 44).

Gutes Miteinander unter den Medizinern

Allerdings, so der HNO-Arzt, könne es sein, dass er dann nicht zu dem Doktor komme, zu dem er unbedingt hin wolle. Koch und Tillmann sind sich einig, dass es mehr Sinn mache, weiterhin Überweisungen durch den behandelnden Hausarzt ausstellen zu lassen. „Hier in Witten“, so Tillmann, „gibt es ein sehr gutes Miteinander unter den Medizinern. Wir kennen uns gut, besuchen zum Beispiel auch gemeinsam Fortbildungen.“