Wittener (23) zündete Wohnung nicht absichtlich an

Mit einem Großaufgebot war die Feuerwehr am 8. November 2014 in der Ruhrstraße ausgerückt.
Mit einem Großaufgebot war die Feuerwehr am 8. November 2014 in der Ruhrstraße ausgerückt.
Foto: WAZ FotoPool
Erst war von Mordversuch die Rede, jetzt ist es nur fahrlässige Brandstiftung und Körperverletzung. Glimpflich kam ein 23-Jähriger vor Gericht davon.

Witten..  Für eine Liebeszeremonie zündete er Kerzen in seiner Wohnung an und löste einen Großbrand aus, sein gehbehinderter Vater überlebte nur mit Glück: Der 23-Jährige, der für das Feuer in einer Dachgeschosswohnung in der Ruhrstraße verantwortlich ist, muss sich psychiatrisch behandeln lassen. Das entschied das Bochumer Schwurgericht am Dienstag (26.5.).

Den ursprünglichen Vorwurf des versuchten Mordes verwarf die Siebte Strafkammer. Der junge Wittener hatte seinen Vater, mit dem der ehemalige Verkäufer des Öfteren heftigen Streit hatte, sogar noch aus dem Flammen gerettet, nachdem er in die brennende Wohnung zurückgekehrt war. Am Ende wurde er deshalb nur wegen fahrlässiger Brandstiftung und fahrlässiger Körperverletzung verurteilt.

Anklage hält jungen Mann für allgemeingefährlich

Was war passiert? Am 8. November hatte der 23-Jährige in der gemeinsamen Dachgeschosswohnung seines Vaters in der Ruhrstraße 58 Kerzen angezündet, „so etwas wie eine Liebesbeschwörung“, um eine Frau dazuzubringen, sich in ihn zu verlieben, hatte er vor Gericht erklärt. Als er von einem kurzen Ausflug zurückkehrte, stand die Wohnung in Flammen. Mit Hilfe einiger Freiwilliger konnte der Wittener seinen Vater retten. Die Feuerwehr befreite über 20 Menschen aus dem brennenden Haus.

Bei dem Prozess ging es allein um die Frage: Ist der Angeklagte so gefährlich, dass er in einer geschlossenen Psychiatrie untergebracht werden muss, wie es die Anklage forderte? Das Gericht verneinte dies. Dagegen hält Staatsanwalt Dietrich Streßig den 23-Jährigen, der auch seine Mutter schon einmal brutal mit einem Faustschlag und Fußtritten verletzt hatte, für allgemeingefährlich. Er hätte sich eine Unterbringung für unbestimmte Zeit gewünscht. Denn es sei zu erwarten, dass er auch künftig versehentlich schwere Brände verursachen könnte, „auch Straftaten gegen das Leben sind möglich“, so der Anklagevertreter.

Personal in Psychiatrie bedroht

Zuvor hatte ein Psychiater dem Wittener ein „hohes aggressives Potenzial in akutem Krankheitszustand“ bescheinigt. Dabei bezog er sich auf die Zeit nach dem Brand, als der 23-Jährige in einer Psychiatrie untergebracht war und das Personal bedrohte. Wohl auch eine Folge von familiären Krisen: Der Wittener musste sich schon früh um seinen oft gewalttätigen Vater kümmern. In einem akuten Krankheitszustand des jungen Mannes bestünde die Gefahr, dass er schwere Körperverletzungen begehen könnte, so der Sachverständige.

Die Kammer aber sah eine geschlossene Unterbringung nicht als verhältnismäßig an. Sie verhängte eine Bewährungsstrafe gegen den Wittener mit der Auflage, sich einer stationären Behandlung zu unterziehen. Danach soll er, wenn es die Ärzte erlauben, in einer betreuten Wohneinrichtung leben – muss aber immer entsprechende Medikamente einnehmen. Damit hatte sich der Arbeitslose bereits vor dem Urteil einverstanden erklärt.

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