Witten trauert um Friedhelm Specht

Dr. Marc-Stephan Junge und Friedhelm Specht (re.,†
Dr. Marc-Stephan Junge und Friedhelm Specht (re.,†
Foto: Funke Foto Services
Friedhelm Specht ist tot. Jahrelang kämpfte der streitbere Wittener mit dem großen Herzen für die Zukunft auf dem Schnee und für den Günnemann-Kotten.

„Wir verlieren alle einen guten Freund.“ So klagt Dr. Marc-Stephan Junge, der Vorsitzende des Vereins zur Rettung des Günnemann-Kottens: Am Donnerstag ist Friedhelm Specht im Alter von 77 Jahren einem langjährigen Nierenleiden erlegen.

Friedhelm Specht war jahrelang Kassierer, bevor er vor kurzem aus gesundheitlichen Gründen von dem Amt zurücktreten musste. Unermüdlich arbeitete der frühere Geschäftsmann Kostenkalkulationen aus, sprach mit Banken und suchte nach Fördergeldern für das älteste Haus in Rüdinghausen. Ein Heimatmuseum aus dem Fundus Adolph Manns mit Fahrradgastronomie, Trauzimmer und Festräumen für die Rüdinghauser an diesem verwunschenen Ort – das war einer seiner großen Träume.

Immer als Experte aktiv

1939 wurde Friedhelm Specht kurz vor Kriegsbeginn in Rüdinghausen geboren. Er erlebte den Krieg und die Luftangriffe auf seine Stadt aus dem relativ ruhigen Ortsteil. Doch der Schrecken saß tief und er beschäftigte sich Zeit seines Lebens mit der NS-Zeit. Als Archivpate unterstützte Friedhelm Specht das Stadtarchiv in Fragen zur Glasherstellung und zu Otto Schott, stand dort bei Unterrichtsbesuchen von Schulklassen unter dem Motto „Da fragen wir Herrn Specht“ aktiv als Experte bereit. Auch agierte er als steter Netzwerker zwischen dem Stadtarchiv, den Heimat- und Geschichtsvereinen und dem Verein für Orts- und Heimatkunde bei Sonder- und Jubiläumsausstellungen, die im Märkischen Museum präsentiert wurden. Die ehemalige Glashütte in Rüdinghausen sollte noch Erinnerungstafeln auf dem Rheinischen Esel bekommen.

Einsatz für ein Lebensmittelgeschäft

Friedhelm Specht kämpfte leidenschaftlich für eine bessere Infrastruktur auf dem Schnee: die Neuansiedlung eines Lebensmittelgeschäftes, den Erhalt des Sportplatzes und vieles mehr. Auch die Flüchtlinge in Witten fanden bei ihm ein offenes Haus: Er lud sie zum Deutschunterricht ein, begleitete sie bei Behördengängen und fand für einige sogar einen Arbeitsplatz. Friedhelm Specht, der streitbare Wittener mit dem großen Herzen, gab sich nie mit wenig zufrieden.

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