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Kommunalpolitik

Witten hat ein Ausgabenproblem

15.06.2012 | 18:30 Uhr
Witten hat ein Ausgabenproblem
Witten hat höhere Personalausgaben als vergleichbare 100 000-Einwohner-Städte.

Witten. Witten hat trotz überdurchschnittlich hoher Einnahmen, die sogar zu einem Spitzenplatz unter vergleichbaren Städten führen, den höchsten Jahres-Fehlbetrag pro Kopf, weil die Ausgaben im Vergleich zu den anderen Städten insbesondere beim Personal ebenfalls überdurchschnittlich hoch sind.

Das geht aus einer Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung hervor, die der Redaktion vorliegt. Darin werden die Einnahmen und Ausgaben des Jahres 2009 von Witten denen anderer 100 000-Einwohner-Städte aus NRW gegenübergestellt. Das sind die derzeit aktuellsten öffentlichen Vergleichszahlen. Die Gemeindeprüfungsanstalt zieht aus der Studie den Schluss: „Witten hat kein Einnahmen-, sondern ein Ausgabenproblem.“

Konkret stehen den Wittener Zahlen die Werte der Städte Moers, Siegen, Gütersloh, Iserlohn und Düren gegenüber. Während für Witten ein Jahresfehlbetrag von 341,90 Euro pro Einwohner errechnet wurde, kommen die Siegener Bürger mit einem Minus von 127,80 Euro im Jahr davon. Die Kassenkredite, die Witten aufgenommen hat, belasten jeden Bürger mit 1912,90 Euro pro Jahr, während es in Gütersloh lediglich 117,90 Euro sind. Für Personalausgaben legt Witten jährlich 661,30 Euro hin, in Moers kommt die Stadtverwaltung mit 437,10 Euro pro Bürger aus.

Dabei sieht es auf der Einnahmeseite gar nicht so übel aus. 2009 flossen pro Bürger 387,60 Euro an Gewerbesteuer in die Stadtkasse. Nur in Siegen waren es noch 10,10 Euro mehr, ansonsten lagen alle Vergleichsstädte unter diesem Satz. Und während Düren im Schnitt 263,40 Euro Einkommensteuer pro Bürger erhielt, zahlten die Wittener pro Kopf 337,30 Euro - nur Gütersloh erhielt noch 7,30 Euro mehr.

Auch bei den laufenden Verwaltungseinnahmen ist Witten mit 1829,40 Euro unerreicht. Allerdings auch bei den Ausgaben, wo Witten mit 2098,90 Euro pro Bürger als einzige Stadt eine „2“ vorne stehen hat. Für soziale Leistungen fallen hier für jeden Bürger 185,50 Euro pro Jahr an, während es in Moers lediglich 50,40 Euro und in Iserlohn 89,60 Euro sind.

„Zwei große Baustellen“

Kämmerer Matthias Kleinschmidt bescheinigt der Stiftung „saubere Arbeit“ und der Gemeindeprüfungsanstalt, die Aussage sei „in der Tendenz richtig und nachvollziehbar. „Wir liegen bei den Einnahmen im guten Mittelfeld, und strukturell bedingt liegen wir bei den Sozialausgaben deutlich schlechter als der Durchschnitt.“ Grund für die Diskrepanz, so der Kämmerer, seien „zwei große Baustellen: Die Personalausgaben und die Ausgaben im Sozial-/Jugendhilfebereich.“

In manchen Punkten könne Witten durchaus von anderen Städten lernen. „Diese Zahlen sind für uns hilfreich“, so der Kämmerer. „Wenn wir große Unterschiede feststellen, rufen wir bei den anderen Städten an und fragen, was sie anders machen als wir, ob ihre Organisationsstruktur besser ist als unsere - oder ob sie einfach mehr Millionäre haben als wir.“

Bernd Kassner

Kommentare
20.06.2012
09:38
Witten hat ein Ausgabenproblem
von prawda | #10

Eigentlich ist der aktuelle Zustand des Wittener Rathausbaus am Rathausplatz das beste Symbol für den Zustand der Stadtverwaltung: In die Jahre...
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http://www.derwesten.de/staedte/witten/witten-hat-ein-ausgabenproblem-id6770669.html
2012-06-15 18:30
Witten