Witten gedenkt der Opfer des Flugzeugabsturzes

Unendlich traurig: Viele Mitarbeiter aus dem Rathaus nahmen an der Schweigeminute für die Opfer des Flugzeugabsturzes teil.
Unendlich traurig: Viele Mitarbeiter aus dem Rathaus nahmen an der Schweigeminute für die Opfer des Flugzeugabsturzes teil.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Es läuteten die Glocken, als eine Schweigeminute für die Opfer von Flug 4U 9525 eingelegt wurde. Vorm Rathaus beteiligten sich über 100 Menschen.

Witten..  Freud und Leid liegen oft nah beieinander: Selten war das deutlicher zu sehen, als bei der Schweigeminute für die Opfer des Flugzeugabsturzes. Eben noch haben die angehenden Abiturienten von Ruhr- und Schiller-Gymnasium auf der Rathaus-Treppe fröhlich gefeiert, als Hippies verkleidet wollen sie hier ein Gruppenfoto machen. Doch als die Johanniskirche um 10.53 Uhr zu läuten beginnen, hört das Lachen auf. Trotz der Glocken legt sich Stille über den Platz. Fast fühlbar ist die plötzliche Ruhe, beklemmend, aber vielleicht auch tröstlich.

Etwa 100 Menschen sind – abgesehen von den Schülern – auf den Platz gekommen, um bei der offziellen Gedenkminute, zu der das Land aufgerufen hatte, dabei zu sein. Viele kommen aus dem Rathaus, unterbrechen kurz ihre Arbeit, manche sind extra in die Stadt gefahren. „Wir sind sofort los, als wir gehört haben, dass es ein gemeinsames Gedenken auf dem Rathausplatz gibt“, sagt eine Wittenerin, die ihren Namen nicht nennen möchte. Ihr sei es wichtig, dabei zu sein, „auch wenn es keinen zurückbringt – aber wenigstens das sind wir den Toten schuldig“. Zu diesem Zeitpunkt ist noch nicht bekannt, dass der Co-Pilot die Menschen an Bord absichtlich in den Tod gesteuert hat.

Auch Christel Seidel steht in der Menge auf dem Rathausplatz, still und ergriffen. „Ich habe auch eine Tochter in dem Alter – und auch sie wäre mitgefahren.“ Die Nähe zu uns ist es, was alle so betroffen macht: „Es hätte schließlich genau so unser Kind sein können“, sagt Waltraud Reitz, die mit einer Freundin in der Stadt war und sich spontan der Aktion angeschlossen hat.

Auch die angehenden Abiturienten machen ohne Wenn und Aber mit. Keiner quatscht, keiner stört. Die Betroffenheit ist groß: Schon am Mittwoch hatten die Schüler selbst eine Schweigeminute organisiert. Die sei noch intensiver gewesen als jetzt mitten im Trubel vorm Rathaus, sagt Eva Berg vom Ruhr-Gymnasium. „Aber klar, alle machen mit. Es ist einfach schrecklich, was da passiert ist.“

Nicht alle Schulen sind dem Rathausplatz so nah wie Schiller und Ruhr, sie haben sich für eine Schweigeminute innerhalb ihrer Klassen entschieden. Andere Passanten in der Innenstadt bekommen nicht viel mit. In der Stadtgalerie herrscht ganz normaler Trubel. Niemand verharrt dort, weder in der Mall noch in den Geschäften. Er hätte sich vielleicht eine Ansage gewünscht, ein Signal, sagt ein älterer Herr, um 10.53 Uhr gerade durch die Fußgängerzone Richtung Stadtgalerie läuft. Der auch für Witten zuständige Fußballkreis Bochum hat die Vereine aufgerufen, zu Beginn der Spiele am Wochenende eine Gedenkminute einzulegen.