Witten für die Hosentasche

Eine „Wappen-Optik“ führt die Nutzer auf dem Tablet oder Smartphone durch die Witten-App (von links): Eva Dannert und Inge Nowack (beide Stadtmarketing), Michael Dollenske (Cityguide AG) und Astrid Raith (Stadt Witten).
Eine „Wappen-Optik“ führt die Nutzer auf dem Tablet oder Smartphone durch die Witten-App (von links): Eva Dannert und Inge Nowack (beide Stadtmarketing), Michael Dollenske (Cityguide AG) und Astrid Raith (Stadt Witten).
Foto: FUNKE Foto Service
Was wir bereits wissen
Stadtmarketing und App-Anbieter Cityguide starten digitalen Stadtführers. Dieser bietet touristische und kommerzielle Infos – und weit mehr.

Witten..  Das Kind hat viele Namen: Offiziell heißt es „Cityguide Witten“, unter diesem können sich Smartphone- und Tablet-Nutzer die kostenlose App (Anwendung) im Internet herunterladen, „Witten to go . . .“ sagt man auf Neudeutsch, „digitaler Stadtführer für die Hosentasche“ trifft es aber auch.

Die gemeinsamen Eltern sind das Stadtmarketing als Hüter des touristischen Wissens rundum Witten und die App-Macher der Cityguide AG, die mit 400 ähnlichen Angeboten für Städte in Deutschland, Österreich und Schweiz die Marktführerschaft für sie reklamiert. Die Ehe wurde im vergangenen Sommer geschlossen und verläuft bisher laut Inge Nowack (Stadtmarketing) glücklich.

Geld ist zwischen den Partnern nicht geflossen. Das Geschäftsmodell für das „Baby“ ist kein großes Geheimnis: Die Ehe finanzieren auf Dauer Wittener Hotel- und Restaurantbetreiber, Bäcker, Friseurinnen, Fahrradhändler, Fotostudiobetreiberinnen . . . nennen wir sie also Ehestifter und Geburtshelfer. Wer als Gewerbetreibender im digitalen Stadtführer, der auch ein Branchenbuch ist, deutlicher in Erscheinung treten will als bloß mit seinem Namen, Straßen und Karteneintrag (das gibt’s frei Haus), kann „aktiver“ Kunde werden, soll heißen: zahlender. Dann kann er seine möglichen eigenen Klienten, Gäste, Käufer mit der prallen Palette der digitalen Möglichkeiten umwerben: von der Diaserie bis zum Link auf die eigene Homepage oder zum Youtube-Filmchen.

App ist seit dieser Woche aktiv

In dieser Woche erblickte das „Baby“ endlich das Licht der Welt. Das „Go Live“, die digitale Geburtssunde schlug am 28. Januar. Die Eltern präsentierten am Freitag im Rathaus glücklich ihren Nachwuchs.

Zeit für eine Erstuntersuchung des Neugeborenen. Der macht einen properen ersten Eindruck: Wer sich Johanniskirche, Gartenstadt Crengeldanz oder Zeche Nachtigall im 360-Grad-Panorama angucken will, ohne den Fuß vor die Tür zu setzen, wird hier bedient. Und über die Sehenwürdigkeiten vom Helenenturm übers Bethaus bis zur Ruhrtalbahn erfährt der Smartphone oder Tablet-Nutzer Historisches und Praktisches (Öffnungszeiten, Kontakt). Das Stadtmarketing hat die App solide befüttert und hält sie aktuell. Im traurigen Fall des Schleusenwärterhäuschens so gar „brandaktuell“ – der entsprechende Hinweis fehlt nicht.

Den Weg zu den Schulen, den Sportvereinen, zum Kulturforum, Ärzten und Apotheken weist der „Cityguide“ ebenso, kurz, mit Karte und Navigation bis ins Ziel – keine Frage, da sind Profis am Werk.

Die Branchenbuch-Funktionen mit den Unterpunkten Einkaufen, Dienstleistungen, Handwerk und Auto & Verkehr sind vielversprechend, aber noch im Aufbau. „Aktive Kunden“ gibt es bisher rund 100 – das Ziel liegt weiter darüber.

Aber der „Kleine“ hat ja noch einen weiten Weg vor sich – und vielleicht eine große Zukunft. Stadtmarketing und Anbieter Cityguide werden ihr Kind/die App weiter aufpäppeln und pflegen.

Einzigartig: die „Flüchtlings-App“

Der digitale Stadtführer für Witten weist unter dem Menüpunkt „Soziales Engagement“ eine absolute Besonderheit gegenüber den Apps des Anbieters „Cityguide“ für andere Städte aus. Hier sind Informationen über Hilfen (Essen, Kleidung, Möbel), Beratung und Treffpunkte für die Flüchtlinge in Witten eingepflegt. Etwas „artfremd“ sei diese Funktion schon, sagt Astrid Raith, Informatikerin bei der Stadt. Den Anstoß hätten das Wittener Internationale Netzwerk und Studenten aus dem Helpkiosk gegeben. „Ein Handy ist oft das einzige, was die Flüchtlinge aus ihrer Heimat mitbringen.“ Die „Flüchtlings-App“ biete in der Regel tagesfrische Informationen – „zum Beispiel, wenn sie kurzfristig zu einem Fußballspiel eingeladen werden.“

Offizieller Partner der App oder zahlender Kunde ist die Stadt Witten nicht. Sie hat aber zahlreiche Information zugeliefert.