Witten bekommt keinen Bestattungswald

Unter den Eichen in der Nähe der Trauerhalle können jetzt Urnen beigesetzt werden. Joachim Liese, technischer Leiter des Betriebsamtes, zeigt die Fläche. Neuanpflanzungen sollen dafür sorgen, dass mit den Jahren ein Eichen-Hain entsteht.Foto: W.  Fischer
Unter den Eichen in der Nähe der Trauerhalle können jetzt Urnen beigesetzt werden. Joachim Liese, technischer Leiter des Betriebsamtes, zeigt die Fläche. Neuanpflanzungen sollen dafür sorgen, dass mit den Jahren ein Eichen-Hain entsteht.Foto: W. Fischer
Foto: Fischer / Funke Foto Service
Was wir bereits wissen
Waldstücke sind zu klein, zu steil, zu zugewachsen oder zu überlaufen. Unter Bäumen kann man trotzdem beerdigen lassen - auf dem Hauptfriedhof.

Witten..  Geprüft, aber verworfen: Die Möglichkeit, die Asche Verstorbener im Wald beizusetzen, wird es in Witten nicht geben. Nach dem Expertenbereich des Försters fehlt für einen Bestattungswald ein geeignetes Gelände. Trotzdem werden Wittener ihre letzte Ruhestätte unter Bäumen finden können: Als Alternative bietet die Stadt auf dem Hauptfriedhof ab sofort eine kleine Eichengruppe an.

Vor zehn Monaten hatte noch alle Fraktionen den Vorstoß des Bürgerforums unterstützt, nach Möglichkeiten für einem Bestattungswald Ausschau zu halten. Die Front war nach Einwänden der Stadt schon gebröckelt. Die beiden Großanbieter „FriedWald“ und „RuheForst“ betreiben die mehr als hundert Bestattungwälder in Deutschland nach dem gleichen Schema. Sie übernehmen Vermarktung und Verwaltung. Herrichtung und Pflege des Waldgebietes, Wegesicherung, regelmäßige Försterführungen, die Begleitung der Trauergesellschaft zur Ruhestätte, bleiben aber vor Ort hängen - in der Regel an der Kommune. Die Stadt Witten hat derzeit aber nur noch zweieinhalb Beschäftigte für ihre Wälder. Bei angenommen 100 Beerdigungen erwartet die Stadt einen hohen Mehraufwand.

Als Fachmann legte Förster Klaus Peter jetzt im Umweltausschuss in einer ausführlichen Stellungnahmen die Kriterien der großen Bestattungswald-Anbieter an die städtischen Wälder an: Gesucht werden lichte und schädlingsarme Laubholzbestände mit ansehnlichen Kronen und wenig Unterholz, das Gelände muss ruhig gelegen und trotzdem gut erreichbar (Parkplätze) sein, außerdem gut zu begehen – also nicht zu steil oder abschüssig.

Für alle fünf größeren Waldgebiete nannte Peters klare Ausschlussgründe: Gefälle und Verkehrslärm beim Buchenholz, ebenfalls Gefälle und zu viel Betrieb im Herrenholz (Kahler Plack), zu viel Rummel am Hohenstein, Bergschäden im Muttental und im Vormholzer Wald entweder Nadelbäume oder im Laubgehölz: ein schleichendes Eichensterben. Zudem machten Brombeerranken oder Stechpalmen (Ilex) vielerorts das Durchkommen unmöglich, letztere sind auch noch eine besonders geschützte Art.

Unabhängig davon sind die Waldstücke einfach zu klein: Die Betreiber setzten 20 bis 30 Hektar als Untergrenze an, die meisten Bestattungswälder hätten aber 50 Hektar und mehr. Das ganze Herrenholz mit seinen 80 Hektar böte gerade 35 Hektar, bei denen das Gefälle stimme – aber sonst wenig. Auch der Umweltausschuss sah das Thema Bestattungswald nach Peters Bericht als erledigt an.

Um dem Wunsch nach naturnahen Bestattungen dennoch entgegen zu kommen, bietet die Stadt ab sofort Urnenbeisetzungen unter alten Eichen auf dem Hauptfriedhof an. Beigesetzt wird die Asche in Urnen, die innerhalb der Ruhezeit von 25 Jahren verrotten sollen. An einzelnen Stelen können schlichte Namensschilder mit Geburts- und Todesdatum angebracht werden.