Witten bekommt eine neue Ruhr

Die Ruhraue unterhalb des Edelstahlwerks gehört zum Großprojekt dazu. Nach bisherigen Plänen soll es rund 3,7 Millionen Euro kosten.
Die Ruhraue unterhalb des Edelstahlwerks gehört zum Großprojekt dazu. Nach bisherigen Plänen soll es rund 3,7 Millionen Euro kosten.
Foto: www.blossey.eu
Was wir bereits wissen
Die Bezirksregierung Arnsberg plant, den Fluss zu renaturieren. Für rund 3,7 Millionen Euro soll er ein besserer Laichgrund für Fische werden.

Witten..  Die Bezirksregierung Arnsberg plant, die Ruhr zwischen Witten und Wetter zu renaturieren. Dabei sollen die Ufer vor allem von großen Steinen und Ausbauten befreit und teilweise abgeflacht werden. „So werden die Ufer für die Natur vielfältiger“, erklärt der Wittener Diplom-Biologe Michael Sell, dessen Planungsbüro „Viebahn Sell“ mit dem Projekt betraut ist. Insbesondere für Fische sollen neue Flachwasserzonen, kleine Buchten und Laichgründe entstehen, da die Fischfauna in der Wittener Ruhr als unzureichend eingestuft werde.

Nordrhein-Westfalen möchte mit einem landesweiten Programm große Fließgewässer in einen guten ökologischen Zustand versetzen. „In Witten betrifft das nicht nur die Natur und die Fische, die Ruhr soll auch ein Erlebnisraum für die Menschen werden“, sagt Sell.

Experten begrüßen das Projekt

Das Projekt umfasst in unserer Stadt die Ruhraue unterhalb des Edelstahlwerks und die Ruhrauen vom Campingplatz Steger bis Wengern. Außerdem die nördlichen Auen bei Gedern. Jetzt hat sich der Landschaftsbeirat des EN-Kreises mit den Plänen befasst.

Die dort vertretenden Naturschützer, Landwirte, Fischer, Jäger und Sportvereine haben eine einhellige Meinung: Sie unterstützen die Renaturierung und empfehlen dem Umweltausschuss, den Plänen zuzustimmen. „Sie sind nicht nur für den Naturschutz gut – für Fische und Sumpfvögel –, sondern auch für den Hochwasserschutz“, sagt der Beiratsvorsitzende Bernd Jellinghaus. „Aus der Ruhr werden wir keinen kleinen Gebirgsbach machen, aber sie wird flacher und breiter.“ Außerdem würden durch das Vorhaben die Ruhraltarme wieder bewässert. „In Witten ist alles ordentlich geplant“, resümiert er. Mit Protesten wie in Hattingen rechnet Jellinghaus nicht. „Die Situation ist in Witten ganz anders, allein schon, weil die Ruhr dort auf beiden Seiten eine Aue hat.“

Dennoch regt sich Kritik. Sie kommt aus der Nachbarstadt Wetter. Deren Politiker und Verwaltung befürchten, dass die Baufahrzeuge, die den ausgehobenen Ruhrboden abtransportieren, durch die Innenstadt fahren müssen. Projektplaner und Gewässerentwickler Michael Sell hält das jedoch für ein lösbares Problem.

Kosten übernimmt das Land NRW

Wie teuer und umfangreich die Renaturierung der Ruhr zwischen Witten und Wetter allerdings wird, kann er noch nicht sagen. Vorgesehen ist derzeit ein Etat von rund 3,7 Millionen Euro. Noch sei aber unklar, „was im Boden gefunden wird und wie aufwendig die Baustellenabwicklung wird“.

Die Haushalte der Städte werde das Großprojekt aber nicht berühren, denn Nordrhein-Westfalen finanziert es komplett selbstständig und betroffen sind ausschließlich Flächen, die dem Land gehören; einige hatte es vor gut drei Jahren dem Versorger Gelsenwasser abgekauft.

Laut Michael Sell könnten die Bauarbeiten unterhalb des Edelstahlwerks bereits im kommenden Herbst beginnen, das Gesamtprojekt in Witten und Wetter umfasse allerdings die nächsten fünf Jahre. Bevor jedoch der Startschuss für Bauarbeiten gegeben wird, dürfen sich noch viele Gremien zu den Plänen äußern.