Wohlfahrtsverbände
Wirbel um weniger Geld
09.02.2010 | 19:05 Uhr 2010-02-09T19:05:00+0100Die Kreisverwaltung plant, die Pauschalzuschüsse für die fünf großen Wohlfahrtsverbände zu halbieren. Und die sehen ihre Arbeit dadurch gefährdet. Wann die Entscheidung fällt und wie die Verbände gegen die Kürzung kämpfen.
Als Mechthild Weickenmeier die Vorlage für die nächste Sitzung des Kreissozialausschusses am 16. Februar in die Hand bekam, musste die Geschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes im Ennepe-Ruhr-Kreis in ihrem Büro in der Annenstraße dreimal hingucken. Die Verwaltung schlägt darin eine Halbierung der Pauschalzuschüsse für die Wohlfahrtsverbände AWO, Caritas, Rotes Kreuz, Diakonie und Paritätischer vor.
„Klar ist wenig Geld da”, zeigt Weickenmeier Verständnis. „Und es ist schwierig, unsere Arbeit einzuschätzen.” Daher habe sie die Verwaltung in einem Treffen am 13. Januar aber bereits auf die Gerüchte angesprochen. Mit einem „Da ist noch nichts konkret” sei man auseinandergegangen.
100 000 Euro Jahresetat
Nun wird es konkret. Bei rund 100 000 Euro liegt der Jahresetat des Paritätischen. Knapp 30 000 Euro beträgt der Pauschalzuschuss des Kreises – bislang. Weickenmeier hat seit einer Kürzung der Landesmittel nur noch eine Zwei-Drittel-Stelle, eine Sachbearbeiterin eine Teilzeitstelle. „Wenn 15 000 Euro wegbrechen, müssen wir noch weiter kürzen.” Die Mitarbeit in Gremien wie dem Sozialausschuss, die Unterstützung rein ehrenamtlicher Verbände wie des Kinderschutzbundes – das alles stünde auf der Kippe.
Hartmut Claes geht es weniger um Zahlen als um Zeichen. „Auf der einen Seite wird erwartet, dass die Wohlfahrtsverbände soziale Arbeit erbringen”, sagt der Geschäftsführer des Caritas-Verbandes Witten. „Auf der anderen wird einem der Teppich unter den Füßen weggezogen.” 11 900 Euro bekommt sein Verband vom Kreis. Als freie Mittel seien die wichtig, um Projekte wie die Seniorenwohnungen in Bommern anzustoßen.
Entscheidung am 22. März
Die Verwaltung zuckt mit den Achseln, als wolle sie sagen: Woher das Geld nehmen, wenn nicht stehlen? Kürzungen müsse es geben. Dort seien sie verträglicher als bei konkreten Projekten. Mechthild Weickenmeier und Hartmut Claes sehen das anders. Deshalb haben die großen Verbände am 20. Januar auch schon Vertreter der Kreistagsfraktionen eingeladen, um sie auf ihre Sorgen aufmerksam zu machen. Man müsse sich erst mal erkundigen, beraten – so in etwa habe das Ergebnis nach knapp zwei Stunden gelautet. Was das bedeutet, zeigt sich am 22. März. Dann entscheidet der Kreistag.
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