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Winkelmann-Film auf Wittener Zeche gedreht

15.02.2016 | 17:37 Uhr
Winkelmann-Film auf Wittener Zeche gedreht
Schauspieler Charly Hübner, bekannt u. a. als Kommissar aus „Polizeiruf 110“, bekam in der Maske ein kohlenschwarzes Gesicht. Denn auf Zeche Nachtigall ging er für eine Filmszene „unter Tage“.

Witten.   Anfang Mai kommt „Junges Licht“ von Regisseur Adolf Winkelmann in die Kinos. Für den Film wurde auch auf Zeche Nachtigall in Bommern gedreht.

Mit dem TV-Spielfilm „Contergan“ über das folgenschwere Schlafmittel hat der Dortmunder Regisseur Adolf Winkelmann 2007 für eine hitzige Debatte gesorgt, seine Spielfilme „Die Abfahrer“ (1978) oder „Jede Menge Kohle“ (1981) sind längst Kinoklassiker.

Am 1. Mai feiert sein neues Werk „Junges Licht“ im Essener Kino Lichtburg Premiere, kommt anschließend bundesweit in die Lichtspielhäuser. Für diesen Film wurde auch auf Zeche Nachtigall in Bommern gedreht.

„Junges Licht“ ist ein Ruhrgebietsroman von Ralf Rothmann mit autobiografischen Zügen. Darin geht es um den zwölfjährigen Julian, der um 1960 mit seiner Familie in einer Bergarbeitersiedlung lebt. Weil das Geld nicht reicht, verbringen die Mutter und die kleine Schwester die Sommerferien bei den Großeltern. Julian bleibt mit dem Vater zu Hause. Während der Vater unter Tage schuftet, erlebt der Junge in der Siedlung kleinere Abenteuer und Gewalt, auch erste erotische Funken sprühen.

Darsteller des kleinen Julian kommt aus Wetter

Charly Hübner („Polizeiruf 110“) spielt den Vater. Der bekannte Darsteller ist im richtigen Leben mit Lina Beckmann aus der Revier-Schauspielerfamilie Beckmann verheiratet. Lina spielt in „Junges Licht“ die Mutter. „Ich habe schon vor drei Jahren mit Charly Hübner in der Küche gesessen und über den Roman gesprochen“, erzählt Adolf Winkelmann. Ganz entscheidend war natürlich die Rolle des Julian. Die Wahl fiel auf den 13-jährigen Schüler Oscar Brose aus Wetter. „Er war ein echter Glücksfall. Ich wollte für die Rolle kein Filmkind haben, sondern ein Ruhrgebietskind. Nur das kann so sprechen. Nicht so plakativ wie Jürgen von Manger, sondern Hochdeutsch, aber mit einer klaren Farbnuance, bei der man hört, wo es herkommt“, erklärt der vielfach ausgezeichnete Regisseur seine Auswahl.

Starkes Team: Drehbuchautor Till Beckmann, Regisseur Adolf Winkelmann, Schauspieler Charly Hübner (als Walter Collien) sowie der aus Wetter stammende junge Schauspieler Oscar Brose (als Julian Collien, v.l.) vor einem Fördergerüst der Zeche Zollern, wo ebenfalls für „Junges Licht“ gedreht wurde. Foto: Volker Hartmann/ Funke Foto Services

„Das Filmteam war sehr professionell und freundlich“, erinnert sich Nancy Schumacher vom Industriemuseum Zeche Nachtigall an den Tag im vorigen Juni, als dort gedreht wurde. Und zwar von morgens bis abends im Stollen des Besucherbergwerks. „Charly Hübner hat dort gespielt, dass er unter Tage einen Stempel setzt“, erzählt sie. Den hätten die Auszubildenden des Schachtbauunternehmens Deilmann-Haniel zuvor zurechtgeschnitten.

Hübner hat mit Abbauhammer wie mit Maschinengewehr losgelegt

Außerdem seien Szenen gedreht worden, in denen Hübner mit dem Abbauhammer Kohle herausholt. „Dafür wurde ein Zelt aufgestellt, um darin diese Arbeit zu simulieren, denn im Besucherstollen dürfen natürlich keine Veränderungen vorgenommen werden“, so die Museumsmitarbeiterin. Damit alles echt aussah, wurde Hübners Gesicht in der Maske kohlenschwarz gefärbt.

Auch auf Zeche Auguste Victoria in Marl, 800 Meter unter der Erde, entstanden Unter-Tage-Szenen für „Junges Licht“. „Ich versuche, Realität in meine Filme zu bekommen. Charly ging bis an den Rand der Belastbarkeit“, erzählt Winkelmann. „Er hat mit dem Abbauhammer wie mit einem Maschinengewehr losgelegt. In der Dunkelheit sah man nur noch die aufgerissenen Augen und die weißen Zähne.“

Viel von dem, was in „Junges Licht“ erzählt werde, habe er ähnlich auch als Dortmunder Junge erlebt, meint der Regisseur, der im April 70 wird. „So, wie Ralf Rothmann und ich das Ruhrgebiet noch erlebt haben, wird die nächste Generation es nicht mehr kennen.“

Michael Vaupel

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2016-02-15 17:37
Witten