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Wilp hatte sie alle

13.09.2012 | 18:36 Uhr
Wilp hatte sie alle
Im Afri-Cola-Rausch: Werbeplakate von Charles Wilp in der Ausstellung im Märkischen Museum (hier mit Museumsmitarbeiterin Andrea Schroer). Foto: Walter Fischer / WAZ FotoPoolFoto: Walter Fischer

Witten. Ob Joseph Beuys, ausnahmsweise mal ohne Hut, Star-Dirigent Christoph von Dohnanyi mit maskenhaft verschmiertem Gesicht oder Helmut Schmidt, natürlich mit der obligatorischen Zigarette - Charles Wilp hat sie alle vor der Kamera gehabt.

Das belegt die Ausstellung „The Power of Images“ im Märkischen Museum. Am 15. September wäre Wilp 80 Jahre alt geworden. Das feiert seine Geburtstadt Witten mit einem Doppelschlag: Während sich das Märkische Museum der künstlerischen (Werbe-)Fotografie des Universalkünstlers widmet, legt das „Charles Wilp Space“ im ehemaligen Pumpenhaus an der Bommeraner Ruhrbrücke unter dem Titel „Orbital Elements“ den Schwerpunkt seiner Eröffungsschau auf den „Artonauten“ Wilp und seine Weltraumkunst.

Verruchte Nonnen für Werbung

Aber auch im Grafischen Kabinett des Märkischen Museums scheinen wir einem Außerirdischen zu begegnen: „Solche Menschen sind besser als Marsmenschen“ hat der kreative Beuys auf sein Großporträt geschrieben, das Wilp in den 1970er Jahren von ihm schoss, und sich gleich mal Antennen an die Ohren gemalt. Gleich nebenan hängen Fotoporträts eines anderen Künstlers, der Zeitgeschichte geschrieben hat: Yves Klein, ebenfalls ein Freund von Wilp. In einem von dessen Fotos zeigt Klein seine Handfläche und präsentiert darin das weltberühmte und patentierte „Blau“, das viele seiner Werke unverkennbar macht.

Selbstverständlich erinnert die Schau auch an Wilps legendäre Werbekampagnen, durch die manche Produkte im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde waren: Denn wer hätte um 1970 Afri-Cola getrunken, wenn Wilp nicht durch Clips und Fotos von aufreizend gekleideten Mädels oder verrucht wirkenden Nonnen dafür die Werbetrommel gerührt hätte?

Politiker sind auch nur Menschen

Hunderte Male habe ein Model für solch ein Afri-Cola-Foto lasziv die Zunge raus gestreckt, erinnert sich Wilp-Witwe Ingrid Schmidt-Winkeler, „und als sie erschöpft meinte, ,ich kann nicht mehr’, ist dieses Foto entstanden“, erinnert sie sich angesichts eines der Motive in der aktuellen Museumsschau.

Denn der Universalkünstler war nicht nur ungemein kreativ, sondern geradezu besessen, wenn es darum ging, das Beste aus seinen Modellen herauszuholen: 77mal streckte Willy Brandt seine Hand zum Willkommensgruß aus, bis jenes Foto perfekt war, das Wilp 1970 für die lebensgroße Reihe des „Ersten Sozialliberalen Kabinetts“ schoss. Die Politiker sollten darin lebensnah dargestellt werden.

Über zehn dieser Porträts - die Originale befinden sich längst im Haus der Geschichte in Bonn - begegnet der Besucher jetzt im Gartensaal des Wittener Museums. Darunter eben auch Helmut Schmidt, damals Verteidigungsminister, oder Landwirtschaftsminister Josef Ertl - mit rotem Kartoffelkörbchen. Witzig, dieser Wilp.

Die Schau „Charles Wilp - The Power of Images“ im Märkischen Museum, Husemannstraße 12, startet am Freitag, 19 Uhr. Sie läuft bis 3. November.

Das „Charles Wilp Space“ im ehemaligen Pumpenhaus, Ruhrstraße 110, eröffnet am Samstag, 12 Uhr, mit der Schau „Orbital Elements“.

Die Landschaftskunst-Schau „Kalte Rinden - Seltene Erden“ im Märkischen Museum läuft parallel zur dortigen Wilp-Ausstellung. Zeitgleich wird sie durch die Ausstellung im Hattinger Museum ergänzt.


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