Wie Mozarts Klarinettenkonzert auf der Bratsche klingt

Wie klingt Mozarts berühmtes Klarinettenkonzert auf einer Bratsche? Das Württembergische Kammerorchester und Nils Mönkemeyer überraschten die Zuhörer am Wochenende mit außergewöhnlichen Musikwiedergaben.

Die Konzertliteratur für die Bratsche ist zumindest aus der Zeit der Klassik und Romantik sehr spärlich. Die Solisten auf diesem wohlklingenden Streichinstrument haben damit ein Problem: Was soll man spielen, wenn es nicht neuzeitliche Musik sein soll?

Der junge und inzwischen sehr bekannte deutsche Bratschensolist Nils Mönkemeyer hat gesucht und ist fündig geworden. Mozarts berühmtes Klarinettenkonzert A-Dur müsste vielleicht auch auf einer Bratsche erfolgreich vorzutragen sein. Die im Text anfangs gestellte Frage könnte zusammenfassend so beantwortet werden: klang überraschend gut, aber völlig anders.

Eine Klarinette ist bezüglich Tonumfang und Volumen ein sehr dominantes Instrument. Das Spiel von Nils Mönkemreyer dagegen ist sehr weich und gesanglich mit kammermusikalischer Prägung. Konnte er sich damit gegen ein vom Komponisten reich instrumentiertes Orchester durchsetzen?

Ehrung für Edelgard Bach

Das Württembergische Kammerorchester Heilbronn war ein idealer Partner des Solisten. Mit zurückhaltender, aber dennoch musikalischer und spielfreudiger Begleitung trugen sie den Solisten, ohne ihn zu erdrücken. Die getragenen Melodien im Adagio gerieten traumverloren, fast überirdisch, bevor das heitere Rondo in die Wirklichkeit zurückführte.

Nach einem Ausflug in die Moderne mit Alfred Schnittkes „Moz-Art á la Haydn“ gab es die bekannte „Abschieds-Sinfonie“ von Joseph Haydn. Der Dirigent Noam Zur führte die Musiker temperamentvoll durch dieses emotionale Werk. Einem dramatischen Kopfsatz folgte ein heiter ruhig fließendes Adagio, bevor es im letzten Satz zur bekannten Abschiedsszene kam. Die Musiker verließen mit humorvollen Gesten einzeln die Saalbau-Bühne, bis die beiden Konzertmeister Zohar Lerner und Satoko Koike allein spielten und dann ebenfalls resigniert aufgaben.

Zum Schluss gab es noch etwas Besonderes. Das Orchester ehrte die Konzertmanagerin der Wittener Kulturgemeinde, Edelgard Bach, die nach 25 Dienstjahren ausscheidet, mit einer Zugabe ihrer Wahl. Feierlich und sehnsuchtsvoll erklang daraufhin das berühmte „Air“ von Johann Sebastian Bach.