Wie man in Witten Flüchtlingen helfen kann

Wollen Ehrenamtlichen helfen: Dörte Pfau-Haamann, Gudula Schwab, Karola Jaschewski, Judith Bierey, und Stephanie Krause (v.v.li.). Bernd Brakelmeier, Gabriele Kruse und Ralf Graskamp (hinten v. li.).
Wollen Ehrenamtlichen helfen: Dörte Pfau-Haamann, Gudula Schwab, Karola Jaschewski, Judith Bierey, und Stephanie Krause (v.v.li.). Bernd Brakelmeier, Gabriele Kruse und Ralf Graskamp (hinten v. li.).
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Freiwilligen-Agentur sucht Wittener, die sich ehrenamtlich engagieren möchten: bei Behördengängen, als Hausaufgabenhilfe oder in der Spielgruppe.

Witten..  Mit ihren 79 Jahren ist Gudula Schwab sehr reiselustig. Eigentlich hat sie gar keine Zeit für ein Ehrenamt. Aber „geht nicht“ gibt’s bei Judith Bierey von der Wittener Freiwilligen-Agentur Fokus nicht. Gudula Schwab betreut nun eine serbische Familie, die in Witten Asyl sucht – mit viel Herz, dem nötigen Durchsetzungsvermögen und bei freier Zeiteinteilung.

Jemanden wie Gudula Schwab zu finden, ist ein Segen für die Freiwilligen-Agentur. Immer mehr Flüchtlinge kommen nach Witten und immer mehr Hilfe ist vonnöten. Doch wie findet man kurzfristig Helfende? Acht Ehrenamtliche tingelten gestern durch vier Städte. Jeweils eine Stunde standen sie in den Fußgängerzonen in Schwerte, Dortmund, Witten und Hagen und warben fürs lohnlose Engagement. In Witten sprachen erstaunlich viele Passanten mit den Ehrenamtlern vor der Stadtgalerie.

Die Stippvisite war für Judith Bierey, angestellt bei der Caritas-Tochter Fokus, ein Heimspiel. „Jobs“, wie man den Flüchtlingen helfen kann, hat sie viele: Hausaufgabenhilfe, die Mitarbeit in Spielgruppen, das Mitgehen bei Schulbesuchen oder Behördengängen. „Jeder hat doch ein Talent, dass er einbringen kann.“ Bierey freut sich, dass sich auch junge Leute interessiert zeigten: „Es hilft schon, wenn man einen jungen Flüchtling, der auch Fußball spielen kann, mit zum Training nimmt.“

Nur nicht trübsinnig zu Hause sitzen

Um zu sehen, wie viel Ehrenamt möglich ist, muss man Bernd Brakemeier aus Annen fragen. „Bernd macht alles“, lacht Judith Bierey. „Aber ich kann doch nicht nur zuhause rumsitzen“, verteidigt sich der 69-Jährige. Überhaupt: „Ich kann immer abwinken.“

Sein erstes Projekt: Sechs gestandene Handwerker im Rentenalter helfen Senioren bei handwerklichen Tätigkeiten. „’Ne Glühbirne auswechseln, die Schranktüren ölen oder Gardinen aufhängen“, sagt Brakemeier. „Oder man guckt sich mal die kaputte Waschmaschine an.“ Bei der Senioren-WG in Bommern ist er häufig zu Gast. „Die denken sich immer was Neues aus. Inzwischen sind wir schon befreundet.“

Sein zweites Projekt: Als „Quartierskümmerer“ für die Soziale Stadt Annen engagiert er sich im Nachbarschaftstreff Kerschensteiner Straße und bietet dort eine Kochgruppe für Kinder an. Und drittens hilft er als „Integrationslotse“ zurzeit zwei Armeniern. Vor sechs Jahren begann seine „Flüchtlingspatenschaft“ mit einem irakischen Ehepaar. „Inzwischen sind wir Freunde.“ Der Weg dahin war lang – „mit vielen Tiefschlägen für die beiden“. Sein Tipp: „Je schneller man mit der deutschen Sprache klar kommt, umso besser klappt die Integration.“ Das A und O aber sei die Beschäftigung: „Dass sie nicht nur trübsinnig zu Hause herumsitzen und verzweifeln.“

Gudula Schwab steht mit ihrer serbischen Familie noch am Anfang ihrer „Patenschaft“: Aber diese Menschen seien so dankbar! „Sie haben solche Angst vor den Behörden.“ Und staunen: wie hartnäckig ihre Frau Schwab in Amtsstuben auftreten kann.