Wenn Musik in Bewegungen übergeht
02.10.2008 | 16:41 Uhr 2008-10-02T16:41:00+0200Drei Tänzerinnen in Schleiern kommen leise auf die Bühne. Doch sobald das Orchester zu den melodramatischen Eingangsklängen von Mendelssohns „Schottischer” Symphonie anhebt, wird die Bühne mit majestätischen Bewegungen plötzlich in ein Meer aus Farbenspiel und Bewegungen verwandelt.
Zwei Eurythmieensembles aus Stuttgart und Dornach (Schweiz) touren momentan durch Deutschland, Holland und die Schweiz. Begleitet werden sie von einem Orchester junger, hochbegabter Musiker aus Moskau, den Gnessin-Virtuosen. Nun machten sie Halt im ausverkauften Saalbau. Die in den Kulturhäusern recht unbekannte Bühnenkunst der Eurythmie konnte hier durch die vollendete Professionalität der Darstellung gewinnend aufgeführt werden. Mit der Symphonie von Mendelssohn wurde zudem ein Stück gespielt, dass in seiner filigranen Komposition ein außergewöhnliches Juwel darstellt. Dabei wechseln sich eine Vielzahl melodiöser Solostimmen im Orchester ab.
„Symphonie/Eurythmie” ist seit 2004 auf Tournee, in diesem Jahr zum dritten Mal. Die expressive Tanzkunst soll so einem größeren Publikum zugänglich gemacht werden.
Eurythmie kommt aus dem Griechischen und heißt so viel wie Gleichmaß der Bewegung oder schöne Bewegung. Die spezielle Tanzkunst entstand Anfang des 20. Jahrhunderts.
Auf der Bühne wurden diese Stimmen von einzelnen Darstellern oder kleinen Gruppen so dargestellt, dass die Musik in Räumlichkeit umgewandelndt wurde. Dadurch gewann die Musik und wurde zugänglicher, ja ausdrucksstärker. Die 28 Eurythmisten wechselten in fortwährenden Bewegungen mal in ein kreisrunden Formationn, mal agierten sie aufgereiht. Durch farbiges Licht entstanden vielfältige, differenzierte Impressionen. Die Tänzer benutzten ihre Körper wie klingende Instrumente – immer im Spiel der Musik, scheinbar anstrengungsfrei und fließend in der Bewegung.
Nach der Pause war die Bühne mit wenigen Requisiten angereichert, zum Beispiel mit einem bodenlangen Stoff, der in der Mitte leicht gedreht herabhing. Zu Arvo Pärts pastoralem Stück „Lamentate” für Klavier und Orcheste, wurde nun ernsthaft-erhaben getanzt. Die eindringlichen Sequenzen der Trompeten, durch Pauken rhythmisiert, wurden anfangs auf der Bühne mit einem Solo dargestellt, bis Orchester und Klavier einsetzten. Das Miteinander der vielen Tänzer, die zum Tiel synchronen, zum Teil auf die Musik reagierenden Bewegungen, verliehen Pärt einen erstaunliches Raumgeschehen.
„Ich konnte durch das Bühnengeschehen die Musik besser wahrnehmen”, sagt Nicole, die das erste Mal Eurythmie sah. Für sie war das Miteinander von Symphonie und Eurythmie „eine gelungene gegenseitige Bereicherung.” Das begeisterte Publikum dankte mit stehenden Ovationen. Welch ein Erfolg. Jeder Kunstinteressierte sollte diese recht junge Bühnenkunst einmal kennenlernen.
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