Wenn Damen mit Hunden reden

Er dankt allen, die ihm ahnungsloserweise ein paar Minuten ihres Lebens offenbaren. Glossenstoff für Lars von der Gönna.Hier im „Oberstübchen“ der Wittener  Buchhandlung Lehmkul. Foto: Olaf Ziegler / FUNKE Foto Services
Er dankt allen, die ihm ahnungsloserweise ein paar Minuten ihres Lebens offenbaren. Glossenstoff für Lars von der Gönna.Hier im „Oberstübchen“ der Wittener Buchhandlung Lehmkul. Foto: Olaf Ziegler / FUNKE Foto Services
Foto: FUNKE Foto Services / Olaf Ziegler
Was wir bereits wissen
Lars von der Gönna ist ein Meister der Glosse. Aus seinem Buch „Der Spott der kleinen Dinge“ las er in der Buchhandlung Lehmkul. Ein heiterer Abend!

Das „Oberstübchen“ der Buchhandlung Lehmkul ist bekannt für Lesungen in einem intimen Rahmen. Für Abende, über die die, die dort gewesen sind, noch lange reden. Über die Lesung von Lars von der Gönna werden die Zuhörer noch lange lachen. Denn der Buchautor („Der Spott der kleinen Dinge“) und WAZ-Kulturredakteur sprach über seine ganz persönlichen Beobachtungen des ganz normalen Lebens.

Und dies hat einiges zu bieten. Jede Menge Glossenstoff, den von der Gönna vortrefflich vorzutragen vermag. Denn der Mann ist kein Vorleser, sondern einer, der sich und seine Sprache zu inszenieren weiß. Und seine kurzen Geschichten, die das Leben schrieb und die nicht ausgedacht sind, wie er auch an diesem Abend wieder einmal ausdrücklich betont. Weil Gäste früherer Lesungen dies immer wieder mutmaßten.

Nein, alles selbst erlebt. Man muss nur richtig hinschauen, zuhören, eine Antenne für das manchmal Tragisch-Komische des Alltäglichen haben – und es dann aufschreiben. Das macht der Mann und möchte, dass andere an seinen Eindrücken teilhaben und sich insgeheim den Spiegel vorhalten, um sich zu fragen: Bin ich auch ein bischen so? So wie die Öko-Frau in von der Gönnas kleiner Geschichte „Entscheidungsträger“, die den Verkauf in einer Bäckerei zum Erliegen bringt, weil sie sich en détail nach der Zutatenliste von Brot erkundigt, um schließlich mit drei Brötchen von dannen zu ziehen? Die augenzwinkernde Schlussfolgerung des Autoren: „Mit einem Leben in Freiheit werden die Menschen meist nicht fertig. Auswahl macht die Leute verrückt.“

„Ramses hatte 96 nachgewiesene Nachfahren. Was ist das für eine Werbung?“

Verdammt verrückt und ziemlich lächerlich findet er auch die schöne neue Konsumwelt mit Vogelbadewannen, die ein Produzent Kleopatra taufte („Die bekanntlich in Eselsmilch und nicht wie ein Sittich in Kranwasser badete“) oder Kondomen mit dem Namen Ramses („Der 96 nachgewiesene Nachfahren hatte. Was ist das für eine Werbung?“).

Von der Gönna versteht sich als „Chronist im Garten des Menschlichen“, auch wenn er mit Bus und Bahn unterwegs ist und sich darüber wundert, dass Damen mit beigen Gesundheitsschuhen an den Füßen mit ihren Hunden sprechen. Sätze wie: „Mutti muss jetzt noch zu Rewe.“ Von der Gönna gibt zu, Angst vor dem Tag zu haben, an dem die Tiere antworten.

Wenn er aus Dialogen mit der Ehefrau zitiert (Wirklich seine eigene?), die von losen Fußleisten handeln oder der Farbe der zu kaufenden Balkonblumen, wird das vorgetragene Banale irre komisch. Auch wenn der Autor seine Schwiegermutter (sagt er jedenfalls) auf die Schippe nimmt, die ihm angeblich Sparschweine schenkt, in Form eines Hundekopfes mit Zylinder oder eines Huhns, die er zum Beweis seinen Zuhörern präsentiert. Dann wird es einem warm ums Herz. Denn Humor macht die Welt erträglich.