Weniger Jugendliche mit Alkoholvergiftung

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Immer weniger Jugendliche müssen landesweit im Krankenhaus wegen einer Alkoholvergiftung behandelt werden. Auch an den beiden Wittener Krankenhäusern sind diese Fälle seit 2013 rückläufig – das „Komasaufen“ scheint bei Jugendlichen aus der Mode zu kommen.

2013 hatte der Fall einer 15-Jährigen aus Witten Schlagzeilen gemacht. Das Mädchen hatte in kurzer Zeit so viel Wodka getrunken, dass es eine schwere Alkoholvergiftung erlitt. Nachdem es über Nacht im Krankenhaus bleiben musste, folgten am nächsten Tag Gespräche mit Drogenberatern – und den Eltern.

Gravierende Ausmaße hatte das so genannte Komasaufen in Witten nie erreicht. Laut IT.NRW, dem Landesamt für Statistik, gab es in den Jahren 2011, 2012 und 2013 jeweils etwa 130 Fälle von Jugendlichen bis 20 Jahren mit Alkoholvergiftung im EN-Kreis. Jeweils waren es deutlich mehr junge Männer als Frauen.

Für 2014 gibt es keine konkreten Zahlen. Aber: „In unserer Klinik ist die Zahl der Jugendlichen, die aufgrund von Alkoholmissbrauch behandelt wurden, tendenziell rückläufig“, so Bahman Gharavi, Leitender Oberarzt der Kinder- und Jugendklinik am Marien-Hospital. Auch Mario Iasevoli, Chefarzt der Medizinischen Klinik am EvK, sind nur wenige Fälle aus dem letzten Jahr bekannt. „Ich habe das Gefühl, dass übermäßiger Alkoholkonsum unter Jugendlichen weniger akzeptiert wird. Es ist einfach nicht mehr cool.“ Auch die Zahl der rauchenden Jugendlichen gehe zurück.

Iasevoli glaubt, dass auch die Aufklärungskampagnen der letzten Jahre dazu beigetragen haben. So gab es an den Schulen Theaterstücke und Ausstellungen. Verstärkt wurden die Jugendschutzkontrollen. Wer dabei auffällt, muss mit den Eltern zu einer Beratung ins Jugendamt. 2011 gab es knapp 20 solcher Gespräche. Wirksam scheinen zudem stärkere Kontrollen beim Verkauf von Spirituosen in den Supermärkten zu sein.