Weichere Drogenpolitik: „Kein positives Signal“
04.08.2010 | 16:25 Uhr 2010-08-04T16:25:00+0200
Witten.An den Plänen des NRW-Justizministers scheiden sich die Geister: Er möchte die Eigenbedarfsgrenzen für Drogen erhöhen. „Die Gefahr ist, dass Drogen so verharmlost werden“, sagt Brigitte Stenzel von der Drogenberatung.
Die Grenzen sollen von sechs auf zehn Gramm Haschisch und Marihuana erhöht werden, bei Heroin, Kokain und Amphetaminen von null auf 0,5 Gramm. Wichtig: Erlaubt ist der Besitz von Drogen auch dann nicht, betont die Polizei. Ein Verfahren werde immer eingeleitet. Bisher konnte es eingestellt werden, wenn der Konsument nicht mehr als sechs Gramm „weiche Drogen“ bei sich hatte und vorher nicht schon wegen Drogen aufgefallen sei und es keine Hinweise aufs Dealen gebe. Jetzt könnte es auch bei höheren Grammzahlen eingestellt werden.
Straffrei sei Drogenkonsum nur dann, wenn jemand beispielsweise einen Zug eines Joints nehme, der von jemand anderem gebaut wurde und rumgereicht werden, erklärt Oberstaatsanwalt Dr. Christian Kuhnert.
„Ich halte dieses Signal nicht für positiv“, sagt Brigitte Stenzel von der Wittener Drogenberatung. Natürlich sollten Menschen, die geringe Mengen konsumieren, nicht kriminalisiert werden. Aber besonders Jugendliche, die über die Gefahren des Drogenkonsums nicht immer gut informiert seien, könnten jetzt denken: Der Konsum sei nicht so schlimm. 525 Menschen hat die Stelle 2009 beraten, erzählt Stenzel. Die meisten seien mit Alkoholproblemen in die Röhrchenstraße gekommen (239), 101 nahmen Opioide (Heroin, Methadon) und 75 Haschisch/Marihuana. Auffällig sei, dass Haschisch/Marihuana-Konsumenten immer jünger würden. 51 der im letzten Jahr beratenen Wittener waren unter 19 Jahren.
Besonders perfide: An Drogen zu kommen, sei sehr leicht, so Beraterin Brigitte Stenzel. Sie wünscht sich mehr Informations- und Vorbeugungsprogramme.
Dass Konsumenten immer jünger werden, kann auch Kriminalhauptkommissar Volker Kraft von der Rauschgiftdienststelle des Polizeipräsidiums Bochum bestätigen. Auch er sieht die Gefahr, dass durch die Anhebung der Eigenbedarfgrenzen Menschen denken könnten, Drogenkonsum sei harmlos. Allein in Witten registrierte die Polizei im letzten Jahr ca. 130 Drogendelikte. Die Staatsanwaltschaft Bochum leitete im letzten Jahr 2400 Verfahren ein. Rund 300 von ihnen wurden wegen geringer Mengen und Eigenbedarf eingestellt, so Oberstaatsanwalt Dr. Christian Kuhnert. Diese Zahl könnte jetzt steigen, sollte die NRW-Landesregierung ihre Pläne tatsächlich verwirklichen.
13:19
Also wenn es nach der Bundesregierung geht, müssten ja die Niederländer, die Cannabis rauchen, alle gaga, arbeitslos, krank und sonst was sein. Ich finde in der EU sollten alle Menschen gleich behandelt werden. Ich habe noch nie jemand gesehen, der unter Cannabis agressiv oder sonstwie auffällig geworden wäre. Was man von den Millionen Alkoholkranken nicht sagen kann. Ich habe mehr Angst davor, dass in den Niederlanden, Frankreich und auch in der BRD die faschistischen Rechten immer stärker werden. Wie wäre es denn mal mit einer Demo für weiche Drogen? Aber sowas in Deutschland? Wir sind viel zu angepasst und lassen uns zu viel bieten
01:05
Ich denke, dass eine Erhöhung der Grenze keineswegs einen Anstieg von Cannabis Konsumenten zur Folge haben würde. Die Grenze lag bereits in der Vergangenheit bei 6g und deswegen lief auch nicht jeder mit 6g Marijuhana durch die Gegend.
Der Drogeneinstieg wäre somit schon vor dieser Gesetzesänderung sehr leicht gewesen. Im Grunde haben es dauer Konsumenten nun einfach leichter und tun nichts illegales mehr mit ein paar Gramm mehr als Eigenbedarf.
Letztendlich kann doch jeder selber entscheiden ob er zu Betäubungsmitteln greift, und wenn der Staat dem Bürger die Freiheit überlässt dies zu tun, dann ist das doch nur positiv.
09:27
@#17:
Zitat: Nur wer Schwach ist braucht Dorgen
..und wer nicht rechtschreibstark ist braucht einen Duden.
08:23
@ #17:
1. Die unkontrolliert bewusstseinsverändernden Stoffe, die Jugendliche konsumieren, um der Illegalität zu entkommen, werden eben nicht als harmlos angesehen.
2. Einstiegsdroge Nr. 1 sind Zigaretten, dann folgt Alkohol, erst dann entschließen sich viele Cannabis zu probieren, und schon befinden sie sich mitten drin in der Illegalität. Vielleicht sollten sie sich mal über die Definition von Drogen informieren, da scheinen sie starke Defizite zu haben.
3. Eben weil Jugendliche in ihrer Selbstfindungsphase am gefährdetsten sind, sollte man sie besser schützen und sie nicht dem Schwarzmarkt aussetzen. In der Regel haben sie aber die besten Kontakte dort hin.
4. Nach Trips hat man erstmal kein Verlangen nach einem weiteren Trip. Darüberhinaus ist LSD nur noch wenig verbreitet.
5. Genau, und weil die Todesstrafe so gut funktioniert, ist die Mordrate in den betroffenen Staaten der USA auch so niedrig. Es ist auch nicht so, dass kein Kiffer bzw. Konsument von illegalen Rauschmitteln die derzeitigen Sanktionen (insb. die Führerscheingeschichte) nicht fürchtet, ganz im Gegenteil, sie bedrohen in den meisten Fällen die Existenz, aber sie halten auch so gut wie niemanden davon ab. Das Unverständnis über die willkürliche und absurde Gesetzgebung überwiegt dann meist.
Ich würde übrigens weder nach Singapur reisen, noch halte ich es für erstrebenswert, für das auf den Boden spucken eingebuchtet zu werden. Sie anscheinend schon.
6. Nach der Logik sind mind. 95% aller Menschen schwach. Eine wirklich dümmliche Aussage, die aus 80er Jahre Aufklärungsheftchen stammen könnte. In dem selben Heft werden Drogenkonsumenten vermutlich auch als pickelige Fratzen mit Vokuhila, gestörtem Blick und zerfetztem Jeans-Outfit dargestellt. ;-)
17:37
Der Konsum von cannabis ist natürlich nicht harmlos. Eine logische Drogenpolitik darf jedoch keinen Unterschied zwischen Cannabis und Alkohol oder Ziggarretten etc. machen. Die momentane Drogenpolitik erscheint willkürlich und ohne wissenschaftliche Fundierung.
Aber das kennt man ja aus vielen Bereichen der Politik und der Gesetzgebung.
16:51
@klein_Matthias:
Das Märchen mit der Einstiegsdroge wird durch Wiederholungen nicht wahr. Wussten Sie, das fast jeder Junkie früher mal Milch getrunken hat?!
Aber Spaß zur Seite: In jeder fundierten wissenschaftlichen Studie zu diesem Thema ist das widerlegt worden. Problematisch ist lediglich, dass das kriminelle Milieu auch harte Drogen verkaufen möchte: höhere Kundenbindung und größere Gewinnspannen!
Das der Konsum durch Jugendliche verhindert werden sollte, ist richtig. Aber das schafft man nicht mit Prohibition und Dealern, die keine Alterkontrollen durchführen werden. Rauchmittelkompetenz sollte das ZIel sein. Wird bei Alkohol, Koffein, Medikamenten und Nikotion ja nicht anders gehandhabt.
16:12
Iteressant in was für einer Gesellschaft ich lebe, in der das konsumieren von unkontrolliert bewusstseinsverändernden Stoffen als harmlos eingestuft wird. Nachweislich ist Mariuana die Einstiegsdroge Nummer eins. Fast jeder Junkie hat in sehr jungen Jahren mit Mariuana angefangen und hat sich dann kontinulierlich gesteigt. Gerade bei Jungentlichen die sich in ihrer Selbstfindungsphase befinden, wirkt Mariuana sehr stark auf die Persönlickeitkeit ein und das nicht im positiven Sinn. Sind sie dann wieder von ihrem schwererlosen und lustigem Trip nüchtern in der Realität gelandet, erscheint ihnen die Welt um vielfaches schwerer und langweiliger als zuvor...der nächste Trip muss her
Wird der Besitz und Konsum von Drogen stärker Strafrechtlich verfolgt und gibt es härteren Sanktionen so ist das die einzige Prävention die wirklich wirkt. Höhere Strafen wirken nunmal abschreckend oder traut sich von Ihnen noch jemand in Singapur auf den Boden sein Kaugumie zu spucken? wohl nur der, der für die Nacht keine Unterkunft hat und im Gefängnis schlafen möchte...
Nur wer Schwach ist braucht Dorgen
16:06
Wenn man sich auf die Gefährlichkeit der Rauschmittel bezöge, wäre eine Legalisierung von Cannabis unumgänglich. Die weiteren positiven Auswirkungen auf die Gesundheit der Butzer und der kriminellen Strukturen kommen noch dazu.
Aber Drogenberatung lebt ja von der Prohibition. Da hat wohl jemand Angst um seinen Job...
15:14
Ich sag mal so, lieber sind mir die Heranwachsenden, die in der Experimentierphase harmlos kiffen als das trendige Komasaufen oder im Park die Engelstrompeten fressen, denn da wirds richtig gefährlich!
12:05
@#13 L & R
Danke der Nachfrage. Mir geht`s prächtig.
Welche law & order-Argumente wollten Sie zum Thema einbringen, bevor sich Ihr scheinbar nicht wegkonsumiertes Gehirn dazu entschied, die eigentliche Frage auf einer persönlich beleidigenden, abfällig disqualifizierenden Ebene unabgehandelt zu lassen?