Warum ein 83-jähriger Wittener heilfastet

Schokolade, Alkohol, Zigaretten: Dinge, auf die Fastende häufig  verzichten.
Schokolade, Alkohol, Zigaretten: Dinge, auf die Fastende häufig verzichten.
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Was wir bereits wissen
Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. Die Redaktion hat nachgefragt, ob und wie in Witten gefastet wird. Johannes Trapp, 83, ist überzeugter Heilfaster.

Mit dem heutigen Aschermittwoch beginnt die 40-tägige Fastenzeit. Bis Ostern verzichten viele auf Süßigkeiten, Alkohol oder Zigaretten. Nach einer Studie des Meinungsforschungsinstituts Forsa, im Auftrag der Krankenkasse DAK-Gesundheit, halten 56 Prozent der Befragten einen Verzicht aus gesundheitlicher Sicht für sinnvoll.

19 Prozent der Interviewten haben sich bereits einmal in der Fastenzeit eingeschränkt, 37 Prozent haben es sogar schon mehrmals getan. Wie schaut es in Witten aus? Die Redaktion hat sich in der Stadt umgehört, bei Kirchen und „Wiederholungstäter“ nachgefragt.

Die Besinnung auf das Wesentliche

Johannes Trapp ist ein Wiederholungstäter. Seit „13 oder 14 Jahren, das weiß ich gar nicht mehr so genau“, macht der 83-Jährige Heilfasten. Er beginnt damit nicht immer pünktlich am Aschermittwoch. Der Rüdinghausener hat diesmal bereits gestern damit angefangen. Aus einem einfachen Grund: „Gerade am ersten Tag muss man schon ein bisschen Zeit für die Umstellung haben.“ Denn: An Tag 1 muss der Darm entleert werden – mit Hilfe von Abführsalz aus der Apotheke. „Damit verschwindet auch das Hungergefühl“, erklärt Trapp. Weitere zwölf Tage mit Flüssignahrung stehen ihm nun bevor – mit Wasser, Tee und Brühe. Ist sein Arzt damit einverstanden? „Natürlich! Alles im grünen Bereich bei meinen Blutwerten“, betont der 83-Jährige. Was fasziniert ihn am Fasten? „Die Mischung aus Reinigung von Körper und Seele, die macht’s.“

Kennengelernt hat Trapp das Heilfasten übrigens durch Wolfgang Rösner. Der Pfarrer im Pastoralverbund Witten-Ost bietet auch dieses Jahr wieder eine Heilfastengruppe an. „An dieser werden rund acht Gemeindemitglieder teilnehmen“, schätzt er. „Es geht uns um ein besseres Wohlfühlen für Leib, Seele und Körper“, erklärt der Pfarrer. Und darum, sich einmal auf das Wesentliche zu besinnen, wie er sagt. Fünf Tage lang wird diesmal gemeinsam gefastet – vom 23. bis zum 28. Februar.

Beim gemeinsamen Gebet im Alltag zur Ruhe kommen

In Sankt Marien Witten erlebt man die Fastenzeit diesmal „nicht leiblich, sondern vielmehr geistlich“, erklärt Pfarrer Reinhard Edeler. In seiner Kirche findet in den kommenden sieben Wochen immer donnerstags um 19 Uhr eine Fastenpredigt statt – vor dem Hintergrund der „Sieben Werke der Barmherzigkeit“, so Edeler. Außerdem gibt es unter dem Titel „Das stille Gebet“ „vier bis fünf Tage, in denen die Gemeindemitglieder beim gemeinsamen Gebet zur Ruhe kommen können im Alltag“, schildert Diakon Paul Fischer.

Für viele Wittener scheint die Fastenzeit jedoch von geringer Bedeutung zu sein (siehe Umfrage). Die 26-jährige Paulina Wiczenowski findet: „Wofür verzichten?“ Für die Besinnung darauf, wie wenig wir zum Leben wirklich brauchen, für das gute Gefühl, würde der 83-jährige Johannes Trapp der jungen Frau darauf wohl antworten.