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Vom Schlüsseldienst abgezockt

17.02.2016 | 13:18 Uhr
Vom Schlüsseldienst abgezockt
Wenn´s mit dem Draht nicht klappt, hilft der Schlüsseldienst. Aber das kann teuer werden.Foto: Thomas Schmidtke

Witten.   Allein die Anfahrt kostete eine Wittenerin 300 Euro. Dabei musste der Mitarbeiter keinen Finger rühren. Verbraucherschutz warnt vor „schwarzen Schafen“

Es ist Sonntagabend, der Schlüssel liegt 200 Kilometer weit weg und man steht vor der abgeschlossenen Wohnungstür. In Witten landet man bei der Google-Suche schnell beim „Wittener Schlüsseldienst", der eine Adresse in drei Kilometer Entfernung angab und „preisgünstige Leistungen zum Festpreis“ verspricht.

Pauschalen für Anfahrt

Doch die Realität sieht anders aus: Der Hagener Mitarbeiter der Firma, tauchte nach 45 Minuten Wartezeit auf, die Rechnung belief sich – ganz anders als telefonisch erfragt – auf satte 300 Euro, zu zahlen bar auf die Hand. Und das, ohne dass der Mitarbeiter auch nur einen Finger gerührt hätte. Denn just mit seinem Eintreffen bekam der Nachbar die Türe auf. Anfahrt, Auftragspauschale, Steuern und 100prozentiger Wochenend- und Nachtzuschlag, waren die Komponenten.

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Was die Verbraucherzentrale empfiehlt

Auf jeden Fall solle man nur ortsansässige Firmen beauftragen und darauf achten, dass nur ein Handwerker kommt. Nichts ungeprüft unterschreiben, nur bei detaillierter Rechnung und auf keinen Fall bar auf die Hand bezahlen, ausschließlich die Türöffnung und unter Zeugen vorab einen festen Preis vereinbaren.

Schwarze Schafe ließen sich an 0190er- oder 0800er-Nummern erkennen, daran dass sie keine Firmenadresse und vorab keine konkrete Preisauskunft geben können. Dass sie mit „AAA...“ beginnen, um im Verzeichnis oben zu stehen. Und dass sie keinen Nachweis (z.B. Ausweis mit Adresse) verlangen.

Bei den Schlüsseldiensten sind leider auch einige unseriöse Anbieter dabei“, bestätigt Kathrin Becker von der Beratungsstelle der Verbraucherzentrale in Witten. Allein im vergangenen Monat kamen zwei Anfragen von Verbrauchern. „Die unseriösen Anbieter sind ein großes Problem in unserer Branche“, sagt Michael Maienhofer, Inhaber einer tatsächlich in Witten ansässigen Firma für Schließ-und Sicherheitstechnik. „Die nutzen die Notlage der Menschen gnadenlos aus, um schnelles Geld zu machen.“ Er selbst habe aber einen Namen zu verlieren. „Deswegen bieten wir keinen Notdienst an, um nicht mit den Unseriösen in einen Topf geworfen zu werden.“

Nie vor Ort bezahlen

Dass es auch anders geht, zeigt sich an einem anderen Wittener Schlüsseldienst. Er bietet die Dienstleistung für pauschal 65 Euro inklusive Anfahrt und aller Arbeiten. Nach 19 Uhr und am Wochenende kostet die Türöffnung bei ihm 110 Euro. „Die Abzockerfirmen berechnen ja sogar Spezialwerkzeug extra“, ärgert sich der Inhaber. Der Tipp der Verbraucherberaterin: Nie den Mitarbeiter direkt vor Ort zu bezahlen, nur dann habe man eine Chance die Rechnung zu beanstanden.

Mit Rechnung vor Gericht gezogen

Wer also ohne Schlüssel vor verschlossener Türe steht, gerät in dieser Lage schnell an Anbieter, die mit unlauteren Methoden arbeitet und viel zu hohe Rechnungen stellen.

Das passierte auch dem aus Witten stammenden Christian Ingensandt. „Das war Abzocke hoch zehn“, sagt er. Gemeinsam mit Freunden hatte der 27-Jährige an einem Samstagabend das DFB-Pokalfinale geschaut. Als sie Bier aus dem Keller holten, fiel die Wohnungstür zu. „Wir haben dann den Notdienst angerufen und am Telefon hieß es, 80 Euro kostet das Ganze. Dann kamen zwei Leute und wollten auf einmal 132 Euro in bar auf die Hand“, berichtet Ingensandt. „Am Ende hat er keinen Cent bekommen, meine Tür hab ich anders geöffnet. Aber Wochen später kam eine Rechnung von über 198 Euro.“

Andere Wittener berichten von positiven Erfahrungen mit ortsansässigen Anbietern: schneller Service, unbeschädigte Türen, faire Preise. Und anders als die unseriösen Anbieter zeichnen sie sich durch die Sorgfalt aus, sich den Ausweis des Betroffenen zeigen zu lassen. Das ist gesetzlich vorgeschrieben.

Es ist aber auch nicht immer unbedingt nötig, einen Schlüsseldienst zu rufen. Nämlich dann nicht, wenn „Gefahr im Verzug“ ist: Essen auf dem Herd, die 90-jährige Mutter geht zur üblichen Zeit nicht ans Telefon, Kleinkinder sind allein in der Wohnung. Dann kommt die Feuerwehr und öffnet die Tür, ohne Kosten zu berechnen.

Christian Ingensandt zog schließlich mit seiner Rechnung vor Gericht. Inzwischen wurde das Verfahren eingestellt, weil am Telefon ein anderer Preis genannt worden war. Und weil bereits zehn bis 15 weitere Verfahren gegen die Firma laufen.

Kristina Gerstenmaier

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2016-02-17 13:18
Witten