Viele Wittener überschuldet – besonders in Annen und Mitte

Auch ihrer Stadt schulden die Wittener viel Geld – insgesamt 8,8 Mio Euro.
Auch ihrer Stadt schulden die Wittener viel Geld – insgesamt 8,8 Mio Euro.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Vor allem in Mitte und Annen steigt Zahl jener, die finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen können. 190 Anträge auf Privatinsolvenz bei Diakonie

Witten..  Handyverträge, Urlaube, Autos und vielleicht plötzlich arbeitslos: Immer mehr Wittener geraten in die Schuldenfalle. Vor allem in Mitte und Annen ist die Zahl der Menschen, die ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen können, deutlich angestiegen.

Die Ergebnisse des „Schulden-Atlas 2014“, den die Dienstleistungsgesellschaft creditreform erstellt hat, sind erschreckend: Rund 18 600 Personen in Witten, Wetter und Hattingen sind so sehr verschuldet, dass sie ihren Verpflichtungen auch in absehbarer Zeit nicht nachkommen können. Für die Deckung ihres Lebensunterhalts reicht das Geld nicht aus.

„Prekäre Beschäftigungsverhältnisse“ als Grund für Schulden

Laut creditreform sind die Zahlen der Schuldner trotz rückläufiger Arbeitslosigkeit gestiegen. Den Grund sehen die Macher der Studie in der Zunahme der „prekären Beschäftigungsverhältnisse“ rund um Witten. „Die hieraus resultierenden Einkünfte reichen in der Regel nicht, um sich aus der Überschuldungssituation zu befreien.“

In Witten sind die Zahlen besonders alarmierend in den Postleitzahlbereichen 58452 und 58453, also vor allem in Mitte und Annen. Im Bereich 58452 – City, Teile von Bommern und Herbede – waren 2010 noch 13,1 Prozent überschuldet, im letzten Jahr waren es schon 15,6 – also mehr als jeder Siebte.

„Überschuldung trifft alle – vom Azubi bis zum Rentner“

Ebenfalls ein Anstieg ist im Bereich 58453 – Rüdinghausen, Annen, Mitte – zu verzeichnen: Hier stieg die Quote von 12,7 auf 13,7 Prozent an. In den anderen Stadtteilen sind die Quoten niedriger (7,9 in Rüdinghausen/Stockum, 11,1 in Mitte/Heven, 8,3 in Herbede/Heven). Wohlgemerkt: Es handelt sich nicht um Häuslebauer, die einen Kredit aufgenommen haben, sondern um Wittener, die nicht wissen, wie sie ihre alltäglichen Rechnungen bezahlen sollen.

„Überschuldung trifft alle – vom Azubi bis zum Rentner“, weiß Regina Egler, Leiterin der Schuldnerberatung der Diakonie Mark Ruhr, die zuständig ist für den EN-Kreis und Hagen. 2014 haben 190 Menschen bei der Diakonie einen Antrag auf Privatinsolvenz gestellt, die meisten (70) im Alter von 40 bis 50 Jahren. 39 Personen stehen mit weniger als 10 000 Euro in der Kreide, immerhin 20 mit über 100 000.

Schuldnerquote teilweise rückläufig

„Oft stecken Scheidungen, Jobverlust oder psychische Erkrankungen dahinter“, weiß Regina Egler. „Es gibt auch Menschen, die nie gelernt haben, mit Geld umzugehen.“ Bei Jugendlichen sei es oft der Gruppendruck, „mitzuhalten“. Ein Lichtblick: Im Postleitzahlbereich 58454 – Teile von Annen und Rüdinghausen sowie Stockum und Düren – sind seit 2010 zwei Prozent weniger Wittener überschuldet und können ihr Leben alleine finanzieren.